Staßfurt l „Ich weiß nicht, ob die Leute das hier annehmen werden“, sagt Wolfram Krause. Der Händler der Gärtnerei Schrimpf in Staßfurt steht im dicken Pullover im Blumenwagen. „Sie müssen vom Benneckschen Hof, wo Parkplätze sind, mit ihrem Rollator hierher laufen, das wollen sie nicht“, erklärt er weiter. Auch wegen des schlechten Wetters seien die Besucherzahlen am gestrigen Freitag anfangs mäßig gewesen. Einer seiner Kunden beklagt, wo denn die Toiletten seien und dass auch der Parkplatz am Theater voll sei.

Neues Modell im Test

Die Stadt Staßfurt und die Deutsche Marktgilde testen seit gestern ein neues Modell aus: Der Wochenmarkt, der sonst immer auf dem Benneckschen Hof war, ist freitags ab sofort und jede Woche auf dem Sperlingsberg. Das ist eine Zusammenführung mit dem städtischen Frischemarkt, der dort einmal im Monat stattfand, im letzten Jahr aber immer weniger Besucher und Händler fand. Dienstags bleibt der Wochenmarkt wie gehabt auf dem Benneckschen Hof.

Ganz anders ist das Stimmungsbild bei Obst- und Gemüsehändlerin Andreas Kuhne-Hätsch. „Ich finde es schöner hier, wir Händler stehen gemütlich zusammen, das macht mehr her.“ Das Argument mit den Parkplätze ziehe nicht, „zu Rossmann laufen die Leute ja auch.“ Die Güstenerin ist optimistisch, dass sich der neue Standort toll entwickelt.

Katrin Schiel von der Marktgilde sagt über den ersten Tag: „Einige Händler warten ab, wie es sich hier entwickelt, einige wollten erstmal schauen, bevor sie dabei sind. Ich würde nicht von einer abweisenden Haltung der Händler sprechen, eher von Zurückhaltung.“ Der kleinere Platz am Sperlingsberg sei aber das Zukunftsmodell, bei rückläufigen Händlerzahlen. „Wir müssen den Markt in die Zukunft bringen. Größte Herausforderung wird es, junge Leute anzuziehen.“

Die Vertreterin der Deutschen Marktgilde organisiert den Staßfurter Wochenmarkt von Dresden aus, koordiniert alles zwischen Stadt und Händlern. Über sechs Niederlassungen bundesweit agiert die Marktgilde an 120 Markt-standorten.

20 Händler maximal

Am Freitag waren 16 Händler vom Benneckschen Hof auf dem Sperlingsberg. „Bis zu 20 können wir uns hier in Zukunft vorstellen“, so Katrin Schiel. Vom sonnabendlichen Frischemarkt der Stadt haben es zwei Händler am Freitag nach Staßfurt geschafft. Die Stadt hat für Textilhändler noch die Kottenstraße zur Verfügung gestellt. Besucher können im Rathaus in der Steinstraße die Toiletten benutzen.

Die Kritik am Parken kann Katrin Schiel nicht verstehen: „Die Staßfurter haben es im Vergleich zu anderen Städten wirklich gut mit den kostenfreien Parkplätzen.“