Staßfurt l Bedächtigen Schrittes geht Regina Urban die 20 Meter von ihrer Haustür bis zu der Tür, hinter der sich für sie eine neue, selbstbestimmte Welt öffnet. Sie schließt die Tür auf, dahinter befinden sich drei graue, fast quadratische Boxen. Nummer eins gehört der Seniorin aus der Staßfurter Schulstraße. Wieder geht ein Schlüssel ins Loch. Dann ist sie am Ziel. Der gut verstaute Rollator darf ans Tageslicht. Regina Urban lächelt.

Urban ist eine von drei Mieterinnen der neuen verschließbaren und ebenerdigen Rollator-Boxen in der Staßfurter Schulstraße. Die Initiative dazu kam von Walter Strauß, der im Vorstand des Stadtseniorenbeirats tätig ist. Das Gremium setzt sich seit Jahren engagiert für alle Belange der älteren Bürger ein.

Vorschlag vom Nachbarn

Strauß, der in der Schulstraße im Nebeneingang wohnt, bemerkte schon seit längerer Zeit, dass ältere Damen in seinem Umfeld sich gewaltig quälen mussten, wenn sie ihren Rollator benutzen wollten. Sie mussten das Gefährt erst die schmale und wacklige Kellertreppe hinauf bugsieren, bevor sie damit endlich Einkaufen gehen konnten. Danach mussten sie mit ihrem Rollator die gleiche Treppe wieder hinunter, was genau so schwierig war. In zwei Fällen war dies den Seniorinnen aus körperlichen oder gesundheitlichen Gründen gar nicht mehr möglich. So auch bei Regina Urban.

Ein untragbarer Zustand fand Walter Strauß. Er machte daher dem Vermieter, die Wohnungs- und Baugesellschaft Staßfurt (Wobau), den Vorschlag, für jeden Rollator eine verschließbare Box auf dem Nebengelände aufzustellen. Um dies zu zeigen und zu erläutern, organisierte er einen Ortstermin.

Sein Vorschlag stieß bei der Wobau auf offene Ohren. „Wir haben natürlich eine Umfrage gemacht und die Mieter angeschrieben, ob sie so eine verschließbare Box haben möchten“, sagt Daniel Bierbach, Abteilungsleiter Hausverwaltung bei der Wobau.

Ein Segen

Weil es einige Rückmeldungen gab, ging es an die Planung der Boxen. Die Müllcontainer mussten im Hinterhof von der linken auf die rechte Seite geschoben werden. Dann kam die beauftragte Baufirma ins Spiel, die das Fundament goss. Nach etwas mehr als drei Monaten Bauzeit konnten die Boxen vor zwei Wochen übergeben werden.

Für Regina Urban ist das ein Segen. Die verschließbare Box ist ihr eine große Stütze im Alltag. „Früher musste ich immer bei Nachbarn Bescheid sagen“, sagt sie. Diese hilfsbereiten Mitmenschen halfen ihr dann, den Rollator aus dem Keller zu holen. Sechs Stufen sind es vom Erdgeschoss bis dahin. Das muss die Seniorin nun nicht mehr auf sich nehmen. „Jetzt kann ich allein den Rollator holen.“ Die Freude darüber steht ihr ins Gesicht geschrieben. Das Einkaufen oder der Gang zum Arzt fallen somit leichter.

Positiver Nebeneffekt der neuen Boxen: Die Wege im Haus sind nun frei. „Weil die Rollatoren am Treppenaufgang standen, gab es keinen Fluchtweg“, erklärt Bierbach. Nun ist unten im Keller links und rechts der Weg begehbar.

Auf Bedarf reagieren

Ein Pilotprojekt sind die Rollator-Boxen in der Staßfurter Schulstraße aber nicht. „Solche Boxen gibt es schon mehrfach“, sagt Bierbach. Auch die Wohnungsbaugenossenschaft zu Staßfurt (WBG) hat solche Rollator-Garagen an einigen ihrer Mietshäuser aufstellen lassen.

Die Wobau steht neuen Boxen auch in Zukunft offen gegenüber. Wenn das Interesse vorhanden ist. „Die Nachfrage muss da sein“, so Bierbach. „Dann können wir uns vorstellen, noch mehr solcher Boxen aufzustellen.“

In gewisser Weise trägt die Wobau somit auch dazu bei, die Stadt Staßfurt lebenswerter zu machen. Ein Dankeschön braucht dazu manchmal gar nicht viele Worte. So wie bei Regina Urban, die - nachdem sie ihren Rollator wieder sicher in der Box verstaut hat - den Weg zurück zur Haustür geht. Sie lässt sie die Stufen zum Keller, wo früher ihr Rollator stand, links liegen und geht zurück in ihre Wohnung. Sie lächelt dabei.