Etgersleben l Yvonne Cybulla ist nahezu außer sich – eine Sensation für die Etgersleberin. Ihr Hengst „Colany C“ – das „C“ als Namenszusatz aller ihre Pferde steht für ihre eigene Zuchtlinie „Cybulla“ – wurde bei einer Veranstaltung ihres Zuchtverbandes als bester Hengst des Jahres ausgezeichnet.

Etwas Außergewöhnliches ist das erstens, weil er zum Farbschlag der Schecken gehört – also mehrfarbige Pferde – und diese in der deutschen Pferdezucht eine noch sehr kleine Rolle spielen. In ganz Deutschland muss es schätzungsweise nur zehn Züchter geben, die sich überhaupt der Zucht der Schecken annehmen. Denn bei der Zucht dieser Pferde geht es um die Farbgebung, nicht um eine Rasse. Als „Rasse“ wird heute teilweise nur noch das „Deutsche Reitpferd“ angegeben als Oberbegriff für Warmblüter, weil die einstigen deutschen Rassen so vielfältig untereinander gekreuzt wurden.

„50 Hengste waren bei der Veranstaltung und meiner, die einzige Schecke, bekommt diesen Preis verliehen“, freut sich Yvonne Cybulla noch heute. Der Zuchtverband für deutsche Pferde hatte diese Veranstaltung im Dezember in Bayern durchgeführt - eine sogenannte Körung. Dabei müssen Hengste eine Reihe von Aufgaben bewältigen und sich präsentieren, um „gekört“, sprich für die Zucht zugelassen zu werden.

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Sofort hagelte es dort für Yvonne Cybulla Gratulationen von wildfremden Menschen, erste Kaufangebote wurden ihr unterbreitet und das Internet explodiert vor lauter Kommentaren. „Ich wusste, dass er toll ist, aber damit hätte ich nicht gerechnet“, so Yvonne Cybulla, die weiß, dass teilweise unter den alteingesessenen Richtern und in der traditionellen Zucht oft nur einfarbige Pferde beliebt sind und Schecken sogar als „unrein“ betrachtet werden.

Der zweieinhalbjährige „Colany C“, der schon als Fohlen prämiert wurde, wurde für diese Veranstaltung eigens von einem Trainer vorbereitet. Er musste sich in allen Gangarten und beim Springen, ohne Reiter, zeigen. Bewegung, Aussehen, Schwung – alles wurde bewertet und zu einer Punktzahl zusammengefasst.

Erstes Fohlen kam 2003 zur Welt

Mit der Zuchtzulassung ergeben sich für Yvonne Cybulla endlich die Möglichkeiten, auf die sie seit 15 Jahren hinarbeitet. 1995 ist sie aus Egeln-Nord auf den Hof in Etgersleben gezogen. 2003 kam das erste Fohlen. Heute hat sie sich einen guten Pferdebestand aufgebaut. Den Betrieb hat sie als Nebengewerbe angemeldet, sie ist hauptberuflich in einer ganz anderen Branche tätig. Über die Jahre hat sie vielversprechende Hengste für ihre Zucht gefunden, deren Sperma sie sich oft liefern lässt und die Besamung selbst vornimmt, und sich einen guten Bestand an Stuten aufgebaut. Sie lässt auch genetische Test durchführen, die zeigen, ob das Pferd in jedem Fall die gescheckte Farbgebung vererbt oder nicht.

Seit 2014 wachsen bei ihr die ersten jungen Hengste heran. Den prämierten Champion und weitere Junghengste möchte sie auf jeden Fall nicht verkaufen. „Die erste Generation seiner Fohlen möchte ich natürlich exklusiv für meine eigene Zucht haben“, erklärt Yvonne Cybulla.

Ihr großer Traum ist eine eigene Deckstation. Beachtlich ist schon jetzt: Yvonne Cybulla gehören zehn Stuten, drei Junghengste und aktuell vier Fohlen und sie managt alles allein. Freunde und ihre Mutter stehen ihr zwar zur Seite, aber im Endeffekt ist die Zucht ihr alleiniges Projekt.

Aktuell hat sie einen separaten Stall für die jungen Hengste eingerichtet und es muss auch noch ein Stall für die Stuten, die hier zu Gast sein werden, folgen. „Ich hatte gleich so viele Anfragen nachdem Erfolg mit „Colany C“. Stutenbesitzer möchte ihre Pferde zu mir bringen und sie zum Decken hier kurzzeitig unterbringen“, erklärt Yvonne Cybulla. Platz auf dem Grundstück ist genug, die Weiden und Koppeln für die Pferde erstrecken sich unendlich weit.

Ein weiterer gescheckter Junghengst, der seltenerweise nur ganz wenig Weißanteile hat, und ein Hengstfohlen geben ihr weitere Hoffnung, die Deckstation mit mindestens drei guten männlichen Vererbern aufzubauen.

Auffällig ist bei Cybullas Hengsten der zierliche Kopf. „Ich möchte auch Pferde, die schön anzusehen sind“, erklärt die Züchterin. Das bullige Aussehen mancher Hengste gefällt ihr einfach nicht. Auch der Charakter spielt für sie eine größere Rolle als üblich.

Ihren „Champion“ möchte Yvonne Cybulla, wie alle weiteren Hengste in Zukunft auch, zusammen mit einer „Pferdefreundin“ selbst in den Grundlagen als Reitpferd ausbilden. Da Hengste nicht immer einfach im Umgang sind, will sie zunächst auch niemanden anders ranlassen an die Kraftpakete. „Für den Feinschliff habe ich dann einen Profibereiter, der „Colany C“ weiterausbildet“, erzählt sie.

Denn bevor der Junghengst in der Zucht in Einsatz kommt, muss er noch eine Aufgabe absolvieren. In einem Test, der über 50 Tage dauert, wird er auf einem Landesgestüt bewertet. Dann erst können die Stuten kommen und die ersten Fohlen maximal ab 2018 erwartet werden.

„Mein großer Traum war die eigene Deckstation schon immer“, erklärt Yvonne Cybulla. Dazu braucht sie nicht nur mindestens drei Hengste, sondern sie will später auch einmal das Sperma international verschicken können. Dazu muss ein kleines Labor mit Kühlvorrichtung und mehr angeschafft werden - ein Großprojekt, das sie nach und nach aufbauen will.

1991 hatte Yvonne Cybulla ihr erstes Pferd gekauft, damals aus einem anderen Stall. „Dort in Haldensleben stand ein Hengst und ich habe mir gesagt: Wenn ich mal eine Stute decken lassen will, dann von ihm.“ Dieser Traum hat sie seitdem nie wirklich losgelassen. Und dieser Hengst ist nun der Großvater von „Colany C“.