Staßfurt l Der Schreck im neuen Jahr war groß. Als eine Wahlkreismitarbeiterin der Alternative für Deutschland (AfD) am 2. Januar im Büro am Prinzenberg in Staßfurt vorbeischaute, stellte diese zwei etwa zehn Zentimeter große Löcher in der Fensterglasscheibe zur Straße fest. Innen lagen auf dem Boden und dem Tisch Glassscherben verteilt. Um die Löcher drumherum waren Brandflecken. Die Faktenlage war schnell klar. Erneut hat es auf das Wahlkreisbüro einen Anschlag gegeben.

Noch am gleichen Tag wurde bei der Polizei eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Provisorisch wurden die Löcher am Mittwochmittag mit Kunststoff abgedeckt. Nun muss eine Glaserfirma ran, die die Scheiben ersetzt. Dazu muss die Beschriftung neu beklebt werden. „Das allein kostet 300 bis 500 Euro“, erklärt Matthias Büttner, Mitglied im Stadtrat der Stadt Staßfurt (Fraktion UWG Salzland/AfD) und Landtagsmitglied. „Zusammen mit der Scheibe können da Kosten im vierstelligen Bereich zusammenkommen.“ Die Versicherung ist bereits kontaktiert. Diese wird die Kosten übernehmen.

Der finanzielle Schaden bleibt also aus, aber vor allem über das Ausmaß der Aktion ist Büttner erschrocken. „Wir sind ja mittlerweile hartgesotten“, sagt er. „Allein im Jahr 2018 gab es vier Vorfälle. Da werden Aufkleber befestigt, die schwer abgehen, es werden Sprüche an die Scheibe gesprüht.“ Da war dann schon mal ein Anarchiezeichen an der Scheibe. Daneben stand „Affen für Deutschland“. Dazu gab es im Juni 2018 einen vermeintlichen Sprengstoffanschlag. Damals bekam Büttner einen Brief zugeschickt mit einem roten Draht. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, dass die Briefbombe eine Attrappe war. Sogar das Landeskriminalamt wurde damals eingeschaltet.

Anschlag neue Dimension für Büttner

Und doch ist der Anschlag jetzt für Büttner eine neue Kragenweite. „Ich bin geschockt“, sagt er. „Das ist für mich eine neue Dimension. Die Täter haben bewusst in Kauf genommen, dass sich Menschen, die sich darin hätten aufhalten können, verletzt werden. Ich vermute, dass es sich um Böller aus Polen handelt mit illegalen Sprengsätzen.“ Nur so sei für ihn die enorm starke Detonation erklärbar. „Aber natürlich ist das nur eine Vermutung“, so Büttner.

Unklar ist auch, wie die Täter die Böller in das Gebäude bekommen haben. Schließlich handelt es sich um beinahe kreisrunde Einschüsse. Absplitterungen gibt es nur wenige. „Vielleicht haben die Täter schon vorher ein Loch in die Scheibe gemacht“, mutmaßt Büttner. „Und den Böller dann hereingeworfen.“

Auch den genauen Tathergang muss natürlich die Polizei klären. Dabei ist die Aussicht, dass die Täter gefasst werden, gering. Matthias Büttner hofft einfach nur, dass die Ausmaße des derzeitigen Anschlags nicht zur Gewohnheit werden.