2021

74 Staßfurter Abiturienten erreichen mit vielen Entbehrungen die Hochschulreife

Trotz Maskenpflicht, Corona-Tests und Fernunterrichts sind 74 Absolventen des Dr.-Frank-Gymnasiums Staßfurt glücklich, das Abitur endlich in der Tasche zu haben.

Von Falk Rockmann 11.07.2021, 15:37
Wie an US-amerikanischen Highschools lassen die 21-er Absolventen des Dr.-Frank-Gymnasiums Staßfurt die Hüte fliegen.
Wie an US-amerikanischen Highschools lassen die 21-er Absolventen des Dr.-Frank-Gymnasiums Staßfurt die Hüte fliegen. Foto: Falk Rockmann

Staßfurt - „Sie müssen sich nicht das Etikett eines Corona-Abiturs aufkleben lassen“, bringt es Schulleiter Steffen Schmidt auf den Punkt, was die Absolventen auf ihre Weise mit dem Ballmotto ausdrücken „Abi-Calypse – Der Weltuntergang wäre leichter gewesen“.

Dieser Abi-Jahrgang 2021 ist der zweite, welcher sich unter Pandemiebedingungen zur Hochschulreife kämpfen musste. Mit Maskenpflicht, Corona-Tests und Fernunterricht.

Zwölfjährige Schulzeit ist insgesamt zu gesehen

Schulleiter Schmidt erinnerte in seiner Festrede aber daran, dass die Abiturprüfungen der Abschluss eines zwölfjährigen Bildungsgangs seien. Diese Prüfungen würden zusammenfassen, „was man in seiner Schulzeit gelernt hat, vor allem auch in den vielen Schuljahren, in denen wir das Wort Corona noch nicht kannten“.

Die Erfahrungen der letzten Monate sollte man als Chance sehen. Digitale Formen des Lernens würden immer selbstverständlicher werden. „Schule, Ausbildung und vor allem die Hochschulausbildung werden sich nachhaltig verändern“, meint Schmidt.

Immerhin 74 Abiturienten von einst 139 Fünftklässlern haben den „Kampf im Einsatzgebiet am Königsplatz überlebt“, wie es Yannick Lüers und Johanna Langer später in ihrem Rückblick augenzwinkernd und aus Sicht der Schüler beschreiben. Den „Kampf mit dem Schulserver“, „die Isolation, aus der wir im Januar 21 entlassen wurden“, „die Ausbildung – härter als je zuvor“. Sie seien glücklich, den Meilenstein Abitur gemeistert zu haben. Und unendlich dankbar den Lehrern dafür. „Ohne euch hätten wir das nicht gepackt“ heiß es dann in der Video-Präsentation „Ein besonderer Jahrgang“ von Janica Hess und Leonie Fischmann.

Tutorin Violetta Wilke kann nur bestätigen, dass die letzten Monate neue Methoden hervorbrachten, um den Stoff zu vermitteln. Nicht nur digital. Zeitweise eine Klasse in zwei Räumen zu unterrichten, sei schon eine Herausforderung gewesen für alle. Viel Selbststudium war gefordert – eher, als manch eine/r damit rechnete.

Zuhause Lernen anstrengender als der Stoff

„Das Zuhause-Lernen war anstrengender als der Stoff an sich“, zieht Julie Sämisch ihre Bilanz der vergangenen anderthalb Jahre, „Sich zu motivieren ohne Lehrer, der da sonst geguckt hat, das war schon schwierig.“ So sei auch mal was liegen geblieben, wenn keine Abgabe gefordert war. Aber auch Julie hat ihr Abitur geschafft. Jetzt will sie Jura studieren.

Die besondere Herausforderung im Hause Sämisch lag auch noch darin, dass zeitweise gleich drei schulpflichtige Kinder zu Hause lernten. Ihre Mutter Claudia spricht derweil von Glück, dass nicht nur jeder sein eigenes Zimmer hat, sondern jedem auch ein Laptop zur Verfügung stand.

Glücklich und vor allem erfolgreich ist die schöne Schulzeit letztendlich für Florian Krebs zu Ende gegangen. Der 18-Jährige ist Jahrgangsbester mit einem Durchschnitt von 1,0. Er wurde mit der 18. Dr.-Frank-Plakette geehrt, den der Schulförderverein alljährlich für hervorragende schulische Leistungen und besonderes soziales Engagement auslobt. Florian hat sich unter anderem als Chef des Schülerrats verdient gemacht, im Schulsanitätsdienst, bei der Organisation der Abi-Feier und des Abiballs… „Er ist dazu sehr unaufgeregt“, ergänzt Laudatorin und Fördervereins-Chefin Doreen Albrecht ihre Beschreibung des selbstlosen und bescheidenen jungen Mannes. Der selbst verrät, wie man zum 1,0er Abi kommt, kurz so: „Das beginnt beim Aufpassen im Unterricht und man braucht schon etwas Fleiß und auch Allgemeinwissen.“ Etwas Glück hätte er sicher auch gehabt, dass die Themen in den Prüfungen passten. „Wir waren als Abschlussjahrgang überhaupt in der glücklichen Lage, viel Präsenzunterricht zu haben“, blickt der baldige Medizinstudent zurück und dabei auch etwas wehmütig auf die letzten beiden Jahre. „Da fehlte einiges, was eine Oberstufe eigentlich auch ausmacht: Abi-Fiz-Konzert, Oberstufenpartys, Schulhoffest… Man war eigentlich nur zum Lernen da. Aber ich bin dennoch froh, da sein zu dürfen.“

Als Erinnerung gab’s ein Salzsäckchen vom Staßfurter Oberbürgermeister  Sven Wagner. Er bat die Abiturienten, nach dem Studium zurückzukommen. Die hiesigen Betriebe bräuchten Fachkräfte.
Als Erinnerung gab’s ein Salzsäckchen vom Staßfurter Oberbürgermeister Sven Wagner. Er bat die Abiturienten, nach dem Studium zurückzukommen. Die hiesigen Betriebe bräuchten Fachkräfte.
Foto: Falk Rockmann
Ein Gläschen Sekt zur Mittagszeit - und dann noch vom Schulleiter!? Aber das hatten sich die Abiturienten nach acht Jahren Gymnasium allemal verdient. Abends ging die Party hier weiter beim Abiball.
Ein Gläschen Sekt zur Mittagszeit - und dann noch vom Schulleiter!? Aber das hatten sich die Abiturienten nach acht Jahren Gymnasium allemal verdient. Abends ging die Party hier weiter beim Abiball.
Foto: Falk Rockmann
Jahrgangsbester und Träger der 18. Dr.-Frank-Plakette Florian Krebs mit Direx Steffen Schmidt und Fördervereins-Chefin Doreen Albrecht.
Jahrgangsbester und Träger der 18. Dr.-Frank-Plakette Florian Krebs mit Direx Steffen Schmidt und Fördervereins-Chefin Doreen Albrecht.
Foto: Falk Rockmann
Straff durchorganisiert war der Einlass in den großen Saal des Salzlandcenters - nur für die „3G“. Am Tag zuvor waren für die Teilnehmer der Abi-Feierstunde dank einer Magdeburger Apotheke 384 Schnelltests auf dem Neumarkt durchgeführt worden, trotz Regens.
Straff durchorganisiert war der Einlass in den großen Saal des Salzlandcenters - nur für die „3G“. Am Tag zuvor waren für die Teilnehmer der Abi-Feierstunde dank einer Magdeburger Apotheke 384 Schnelltests auf dem Neumarkt durchgeführt worden, trotz Regens.
Foto: Falk Rockmann
Yannick Lüers und Johanna Langer blickten zurück auf ihre „Abi-Calypse“ und sprachen die Dankesworte an Lehrerschaft und Eltern.
Yannick Lüers und Johanna Langer blickten zurück auf ihre „Abi-Calypse“ und sprachen die Dankesworte an Lehrerschaft und Eltern.
Foto: Falk Rockmann