Staßfurt l Aufgepasst! Der Bus donnert mit Krawall die kleine Auffahrt hoch auf den Vorplatz. Die Menschen springen auf und in den Bus hinein. Dann brummt es wieder, der Bus rollt davon. Und wer nicht schnell genug die Straßenseite wechselt, wird erneut angehupt, weil schon der nächste Bus heranrauscht.

Nein, über gähnende Langeweile und fehlende Menschen kann sich der Bahnhof in Staßfurt eigentlich nicht beschweren. Zwar ist der Bahnhof sicher nicht der meistfrequentierte im Salzlandkreis, aber zusammen mit dem Busbahnhof direkt davor herrscht häufig geschäftiges Gewusel.

Das Gebäude direkt daneben fällt vielen in der Hektik aber wohl gar nicht auf. Warum auch? Im Erdgeschoss betreibt die Lebenshilfe Bördeland seit einiger Zeit die öffentliche Toi-lette, sonst stehen die Räume leer. „Food Station“ steht zwar an der Seite noch dran, aber etwas zu essen gibt es hier schon einige Zeit nicht mehr.

Erfolglose Ausschreibung

Auch der Stadt Staßfurt, der das Gebäude gehört, ist das ein Dorn im Auge. „Wir haben das Gebäude schon zweimal ausgeschrieben. Bisher ohne Erfolg“, bedauert Anke Michaelis-Knakowski, Leiterin des Fachdienstes für Planung und Liegenschaften. 2018 wurde das Gebäude ausgeschrieben, derzeit läuft die zweite Runde. Der Plan ist es, die Räume ab Oktober neu zu vermieten. Gibt es Zuversicht? „Schwer zu sagen“, sagt Michaelis-Knakowski. „Aber ein Imbiss wäre gut.“

Zehn Räume stehen im Erdgeschoss zur Verfügung. Zwei Räume sind 14,6 und 16,10 Quadratmeter groß. Fünf Räume machen zusammen 46,52, drei weitere 32,2 Quadratmeter aus. Im Obergeschoss ist ein Großraumbüro mit 122,36 Quadratmeter zu vergeben, ingesamt stehen 231,78 Quadratmeter zur Verfügung. Vermietungspreis: Vier Euro pro Quadratmeter (ohne Nebenkosten). Die Lage ist gut. Aber: „Durch die Zweckbindung ist es schwer, jemanden zu finden“, so Michaelis-Knakowski. 2006 wurde das gesamte Areal am Bahnhof kernsaniert.

Der Fördermittelgeber stellte aber die Bedingung, dass nach der Sanierung Gewerbe am Bahnhof angesiedelt wird, das in gewisser Weise im Einklang steht mit dem Bahnhof. Diese Bindung läuft 15 Jahre. „Wir haben schon mal nachgefragt, ob es da einen anderen Weg gibt, die sind da aber knallhart“, sagt Michaelis-Knakowski. Einst war eben ein Bistro im Bahnhof angesiedelt, dazu ein Internet-Café. Auch ein Fahrkartenschalter war integriert in dem Gebäude. Heute gibt es Fahrkarten im Zug oder seit Dezember 2018 auch im Service Center der Lebenshilfe gegenüber vom Bahnhof. Übrig geblieben ist im Inneren des Bahnhofsgebäudes noch eine Edelstahlküche. Die könnte ein Nachnutzer verwenden. Auch einen Blumenladen oder eine Apotheke können sich die Verantwortlichen gut vorstellen, um das Gebäude zu beleben, das übrig geblieben ist vom Abriss Mitte der 1970er Jahre wegen Senkungserscheinungen.

Interessent abgesprungen

Mit eingebunden bei der Suche nach einer neuen Nutzung ist auch die Wirtschaftsförderung der Stadt Staßfurt. „Wir halten die Augen und Ohren offen und schlagen den Standort am Bahnhof vor, wenn es in das Konzept der Anfrage passt“, sagt Stefan Beyer von der Wirtschaftsförderung.

Im Frühjahr 2019 hätte das fast zum Erfolg geführt. Mit einem potentiellen Imbiss-Betreiber waren die Herren von der Wirtschaftsförderung schon recht weit in den Gesprächen, das Interesse war da auf beiden Seiten. „Allerdings wollte sich der Betreiber dann mehr in Richtung Innenstadt und Steinstraße orientieren“, sagt Beyer.

So verlief auch dieses Gespräch wie alle anderen im Sande. „Dabei ist das ein schöner Standort. Es gibt viel Zulauf und Betrieb“, so Beyer. Das bestätigt auch Christian Schüler von der Wirtschaftsförderung. „Wir begrüßen und fördern die Belebung des Bahnhofs“, sagt er. Die Lage sei zentral, potentielle Kundenströme vorhanden. Nur die konkrete Anfrage fehlt.