Staßfurt l Präzise Teile, die zig-Tonnen schwere Loks tragen – riesige Motorenkolben, die Schiffe antreiben – Radnaben für die größten Minen-Trucks der Welt. Es ist faszinierend, was in Staßfurt an Fahrzeugteilen bearbeitet wird. Sie kommen von Gießerei-Standorten der Silbitz-Group in die Salzstadt, wo sie beispielsweise Zerspanungsmechaniker unter ihre Fittiche nehmen, bevor die Teile von renommierten Konzernen wie Bombardier oder Liebherr in Schienen- oder Spezialfahrzeugen eingebaut werden.

Da der metallverarbeitende Betrieb in Staßfurt händeringend Nachwuchs für solche Fachkräfte sucht, war es für Werkleiter Steffen Russ selbstverständlich, einmal mehr Schüler anlässlich des „Tags der Berufe“ einzuladen. Es folgten Achtklässler der Sekundarschule Am Tierpark Staßfurt, einer Förderschule aus Sandersleben und auch Schüler der Berufsbildenden Schulen Aschersleben-Staßfurt.

Beim Rundgang nimmt Russ kein Blatt vor den Mund: „In der Metallverarbeitung darf man sich nicht davor scheuen, sich dreckig zu machen.“ Und er lässt keinen Zweifel daran, dass die Auszubildenden von Anfang an Verantwortung übertragen bekommen. „Bei uns werden sie nicht einfach neben die Maschine gestellt oder im Büro zum Kaffeekochen angeleitet.“ Russ macht deutlich, dass hier Grundtugenden wie Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Einsatzbereitschaft und Ordnung große Bedeutung beigemessen werden und – dass der Beruf des Zerspanungsmechanikers sogar einer für Frauen sein kann. Beim letzten Staßfurter Berufsorientierungstag habe ein Mädchen Gefallen daran gefunden – und wird eine Lehre bei Silbitz beginnen.

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Auf der anderen Seite können junge Männer hier An der Liethe auch im Großraum-Büro fündig werden. So gab die angehende Industriekauffrau Stefanie Schröder einen kurzen Einblick in ihr Berufsbild, welches zwischen Angeboten und Vertrieb auch Problemlösungen verlangt. „Man muss kein Mathe-Genie sein, aber logisch denken und mit Zahlen umgehen können“, so die 25-Jährige aus Löderburg, die sich nach einer kaufmännischen Lehre nun für diesen Beruf entschied. Deutsch- und Englischkenntnisse wären noch eine Voraussetzung. Mindestens einen guten oder sehr guten Realschulabschluss benötige man auch für die Ausbildung zur Kauffrau/zum Kaufmann für Büromanagement, fuhr ihre Kollegin Sarah Keller fort. Organisations- und Planungstalent wären ebenso hilfreich für die dreijährige duale Ausbildung wie Teamfähigkeit und Zahlenverständnis.

Ersteindruck überwältigt

Schon nach den ersten Eindrücken in den Werkhallen zeigte sich Leon Munkwitz aus Sandersleben überwältigt: „Ich könnte mir vorstellen, Zerspanungsmechaniker zu werden.“ Der 14-Jährige hatte sich schon früh für so eine Berufsrichtung interessiert. „Ich finde es faszinierend, wenn man solche Teile herstellt, wenn man sagen kann: Das habe ich gemacht.“

Max Trümper schwärmt von den verschieden großen Produkten, die man hier in Einklang von Hand und Maschine herstellen kann. Und der Staßfurter findet einfach: „Hier zu arbeiten, wäre schön.“ Zudem hatte er auch den Eindruck, Umgebung und Mitarbeiter seien nett.

Als „verrückt nach Metall“ beschreibt sich gar Sergei Lasaev. Der 15-Jährige ist „tief beeindruckt von der interessanten und vielfältigen Arbeit mit Hand und großen Maschinen“.

Werkleiter Russ verabschiedete die jungen Besucher mit der Hoffnung, dass man sich vielleicht wiedersehe.

Im nächsten Jahr ist es für die jetzigen Achtklässler an der Zeit, sich zu bewerben. So sieht es auch Cornelia Bender, Bereichsleiterin der Agentur für Arbeit Bernburg. Über 40 Ausbildungsberufe hätten die Jugendlichen im Salzlandkreis zur Auswahl. Immerhin 890 Lehrlinge werden momentan hier gesucht. Schwerpunkte: Metallbau und Pflege.