Pandemie

Corona-Marathon wäre ohne freiwillige Helfer vom Sanitätszug Staßfurt nicht möglich gewesen

Über ein Jahr lang beherrscht die Pandemie den Alltag. Nicht möglich wäre das Impfen und Testen ohne die Hilfsorganisationen, die im Hintergrund wirken und freiwillig mitarbeiten. So wie der Sanitätszug und Katastrophenschutz des Deutschen Roten Kreuz (DRK) im Kreisverband Staßfurt-Aschersleben.

Von Franziska Richter
Marie Rössing ist bei den mobilen Impfeinsätzen für die Dokumentation der Impfungen zuständig.  Sie muss alle Daten für das Gesundheitsamt erfassen und sammeln.
Marie Rössing ist bei den mobilen Impfeinsätzen für die Dokumentation der Impfungen zuständig. Sie muss alle Daten für das Gesundheitsamt erfassen und sammeln. Fotos: DRK-Kreisverband Staßfurt-Aschersleben

Staßfurt - Nach über einem Jahr Corona ist es Zeit, die freiwilligen Helfer zu würdigen. Seit Pandemiebeginn sind die freiwilligen Hilfsorganisationen wie der Sanitätszug und Katastrophenschutz des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Kreisverbands Staßfurt-Aschersleben richtig gefordert. Sie sichern als Sanitäter oder Sanitätshelfer das Geschehen im Testzentrum des Salzlandkreises in Bernburg ab, reisen mit mobilen Impfteams durch die Region und unterstützen im Impfzentrum Staßfurt, wo es jede Menge Personal im Hintergrund braucht.

„Da sich viele Menschen für unsere Betreuung bedankt haben, konnten wir darüber aufklären, dass wir das ehrenamtlich machen“, berichtet Kreisbereitschaftsleiter Christian Ernst, der den Kreisverband des DRK in Staßfurt anführt. „Da haben uns manche mit großen Augen angeguckt.“

Der Sanitätszug und Katastrophenschutz, der auch bei Unwetter, Großunfällen oder Hochwasser zum Einsatz kommt, hat seit März 2020 jede Menge ehrenamtliche Arbeit geleistet. „Viele haben Überstunden und Resturlaub genutzt“, erklärt Florian Krebs. „Im April hatten wir Helfer langsam alles aufgebraucht.“

Florian Krebs war wie sein Kreisbereitschaftsleiter Christian Ernst seit März 2020 bei unzähligen Corona-Einsätzen dabei, ist Sprecher der Einheit und gehört zu den 34 Mitgliedern des Kreisverbands, die im Hintergrund geholfen haben und immer noch helfen.

Nachdem der letzte ernste Großeinsatz des Katastrophenschutzes das Hochwasser 2013 war, kommt die ehrenamtliche Truppe zu Corona-Zeiten wieder voll zum Einsatz. „In dieser Zeit hat man glücklicherweise wieder gesehen, dass man solche Hilfsorganisationen bereithalten muss“, sagt Florian Krebs. „Die Pandemie hat gezeigt, dass der Katastrophenschutz wichtig ist.“

Der Sanitätszug des DRK-Kreisverbands Staßfurt-Aschersleben läuft zwar unter dem Namen des hauptamtlichen Rettungsdienstes, funktioniert aber über Sanitäter, Ärzte oder ganz andere Berufsgruppen, die während ihrer Freizeit zusätzlich in dem Bereich ehrenamtlich aushelfen. Finanzen und Ausstattung stellen Bund, Land, Kreis und der DRK-Kreisverband selbst.

Über 1000 Impfungen in den Altenheimen

Ab Ende Dezember 2020 waren die Staßfurter vom DRK-Sanitätszug zu dreizehn mobilen Impfeinsätzen in Pflegeheimen in Aschersleben, Hoym, Staßfurt oder Hecklingen unterwegs. Hierbei haben die Helfer 1098 Impfungen begleitet. „Wir haben meist eine Woche vorher die Einsätze vom Gesundheitsamt des Salzlandkreises gemeldet bekommen“, erklärt Christian Ernst.

„Dazu haben wir Impfteams aus je drei Personen gebildet. Einer zog die Spritzen auf, einer hat die Organisation mit der Datenerfassung übernommen und einer assistiert dem Arzt.“

In drei Monaten mobiler Impfeinsätze kamen 100 Einsatzstunden zusammen. Die Impfteams vom DRK-Kreisverband holten den sensiblen Impfstoff morgens im Impfzentrum ab, um ihn gekühlt zum Einsatzort zu bringen.

„In manchen Altenheimen war alles fertig vorbereitet, in anderen bauten wir die Impfstrecken mit den verschiedenen Bereichen selbst auf“, so Florian Krebs. Mancher Arzt wollte selbst die Nadel setzen, mancher nur überwachen. Oft waren hier die Hausärzte im Einsatz, die das Pflegeheim auch sonst betreuen.

Dabei ist das Aufziehen mit dem genau eingeteilten Impfstoff – aktuell sechs Dosen pro Ampulle – gar nicht so einfach. Florian Krebs erklärt: „Wir haben das Aufziehen mit verfallenem Material aus unserem Lager vorher geübt. Erst waren fünf Dosen pro Ampulle festgelegt, dann wieder sechs.“ Auf den Strich genau muss der Impfstoff in die Spritze.

Riesige Ordner voller Formulare

„Der bürokratische Aufwand war enorm“, findet Florian Krebs. „Wir sind teilweise mit riesigen Ordnern herumgefahren.“ In jedem Altersheim hieß es erst einmal: Sind alle Chipkarten da? Sind überhaupt alle Impflinge da oder ist jemand vielleicht gerade im Krankenhaus? Sind zwischenzeitlich sogar Patienten an Corona erkrankt? Einige Dokumente waren schon vorher übermittelt worden. Vor Ort mussten weitere Papiere ausgefüllt werden wie Anamnesebogen oder die Datenschutzeinwilligung.

Dazu führten die DRKler unzählige Listen mit den Patientendaten, eingeteilt nach Prioritäten und Alter der Geimpften, die an das Gesundheitsamt und von da aus an dass Robert-Koch-Institut übermittelt wurden.

Impfstoff, der kurzfristig übrig geblieben war, durfte nicht einfach so an jemand anderen verimpft werden. „Da mussten wir immer Rücksprache mit dem Fachdienst 33 des Salzlandkreises, der das Impfzentrum betreut, halten und konnten nur medizinisches Personal nehmen, das laut RKI-Priorisierungskategorie auch schon an der Reihe war“, so Krebs.

Impfbereitschaft anfangs verhaltener

Dabei musste jedes Pflegeheim mehrmals besucht werden. Für Erstimpfung und Zweitimpfung, aber auch weil sich manche erst später entschieden haben. „Viele Schwestern wollten sich nicht gleich impfen lassen, sondern sozusagen erst einmal warten, wie es bei den anderen wirkt“ , berichtet Florian Krebs. „Meistens war die Impfbereitschaft in den Altenheimen höher, wo es einige Coronafälle gab.“

Christian Ernst kann von ganz verschiedenen Patienten berichten: „Da gibt es jene, die keine Viertelstunde warten wollen nach der Impfung, und jene, die die Impfung als Privileg angesehen haben.“ Es gab sogar einzelne Menschen, die gleich selbst freiwillig mitarbeiten wollten und die bis heute auch ehrenamtlich an der Dokumentation des Impfgeschehens sitzen.

Die Impfteams bestanden teilweise auch aus Mitarbeitern des Gesundheitsamtes, Bundeswehrsoldaten, der Kassenärztlicher Vereinigung und anderen Hilfsorganisationen.

1600 Spritzen aufgezogen

Seit Eröffnung des Impfzentrums in Staßfurt im Januar 2021 haben die freiwilligen Helfer vom DRK-Sanitätszug dort knapp 1600 Spritzen aufgezogen und weitere Tausende Impfungen als Sanitätsabsicherung begleitet. Oft hatten sich die Berufstätigen für den Sonnabend einteilen lassen und sich mit den Teams aus weiteren Hilfsorganisationen wie dem ASB Aschersleben, den DRK-Ortsvereinen Schönebeck und Bernburg oder der DLRG Ortsgruppe Bernburg abgewechselt.

Im Impfzentrum Staßfurt muss der Impfstoff vorbereitet und aufgezogen werden. Jeder Patient muss 15 Minuten nach der Impfung von den Sanitätern beaufsichtigt werden. An der Anmeldung muss ein DRKler die Formulare managen.

„Es lief fast bei allen Impfungen alles glatt. Ganz wenige Patienten hatten eine Nadelphobie, andere hatten zu wenig getrunken an dem Tag“, sagt Christian Ernst über die Erfahrungen im Impfzentrum Staßfurt. Auf dem Hof des Impfzentrums haben die DRKler im Mai auch ein großes Zelt aufgebaut, als Sonnenschutz für die Wartenden. Die freiwilligen Helfer wissen von ihrer Ausbildung: „Eine Pandemielage ist keine Katastrophenlage“, so Christian Ernst. Anders als ein Zugunglück oder ein Hochwasser, das unvermittelt eintritt, gilt eine Pandemie in Helferkreisen als „planbar.“

„Das bedeutet, dass wir auf alles mit genügend Material vorbereitet sind und aktuell zum Beispiel mit unserer Ausrüstung sieben Tage lang im Infektionsschutz arbeiten könnten“, so Christian Ernst. Die Staßfurter DRKler haben zur Zeit über 1000 Paar Handschuhe, 70 Vollschutzanzüge und 15 Liter Desinfektionsmittel bereitliegen.

Seit Januar 2021 wird ihre ehrenamtliche Arbeit auch anerkannt. Nach einer Bundesinitiative bekommen die Mitglieder der Hilfsorganisationen eine Einsatzpauschale.

Auch der Umgang mit Infizierten gehörte dieses Jahr schon zu den Aufgaben der DRKler. Im Januar fuhren sie Corona-Patienten aus der Quarantäne zur Dialyse. Dabei war strenger Vollschutz angesagt.

Angst haben Freiwillige wie Christian Ernst dabei keine: „Ich bin mir sicher, dass man sich nicht infiziert, wenn man sich richtig anzieht und das Fahrzeug ordentlich auswischt und desinfiziert.“

Sieben Mitglieder zum Sanitäter ausgebildet

Mit den eigenen Ausbildungsabenden sah es während der Pandemie eher schlecht aus. Kurz vor den Kontaktbeschränkungen im März 2020 trafen sich die DRKler noch zu ihrem letzten vierzehntägigen Treffen in der Von-der-Heydt-Straße 7a in Staßfurt und übten das An- und Ausziehen der Schutzanzüge. „Vor allem das Ausziehen will gelernt sein“, sagt Christian Ernst. Mit zwei paar Handschuhen muss man sich einer Schicht nach der anderen entledigen.

Auch wenn es dann keine Ausbildungsabende mehr gab, konnte die Truppe über Onlineschulungen sieben Mitglieder neu zu Sanitätern ausbilden. In letzter Zeit gab es drei Zugänge als neue Mitglieder. „Wir sind aber immer noch zu wenige, wenn man bedenkt, dass der aktive Kern nur etwa 18 Personen sind“, so Christian Ernst.

Was die Öffentlichkeitsarbeit angeht, wurden die Staßfurter noch aktiver. In den sozialen Netzwerken beobachten mittlerweile fast 2500 Menschen die Veröffentlichungen des Kreisverbandes. Auf mehreren Plattformen informiert Florian Krebs als Sprecher über Corona-Einsätze und die Pandemie-Lage im Land.

Für das Impfzentrum Staßfurt lassen sich die Freiwilligen bis heute für die Sanitätsabsicherung einteilen – zur Zeit alle fünf Wochen. Mit den mobilen Impfeinsätzen in Pflegeheimen ist man seit einiger Zeit fertig. „Aktuell steht die Überlegung, ob Impfteams auf die Dörfer geschickt werden, aber das ist zunächst einmal nur eine Überlegung“, sagt Christian Ernst.

Was nach über einem Jahr Corona-Trubel für die DRKler bleibt: „Es war auf jeden Fall ein gutes Gefühl, wieder gebraucht zu werden und etwas Gutes für die Bevölkerung zu tun“, meint Christian Ernst und Florian Krebs fügt hinzu: „Wir konnten dazu beitragen, dass man irgendwann einmal wieder mehr Normalität erreicht.“