Pandemie

Coronavirus: Salzland impft noch keine Kinder

Obwohl die Impfkommission Stiko es nicht empfiehlt, sollen Kinder ab zwölf Jahren ein Impfangebot erhalten. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt. Während in vielen Landkreisen Sachsen-Anhalts der Nachwuchs bereits die erste Spritze erhält, kann Staßfurts Impfzentrum das Angebot noch nicht vorhalten. Es mangelt an Ärzten, die entgegen der Stiko-Empfehlung impfen.

Von Karolin Aertel und Andreas Mangiras 09.08.2021, 18:15
Die geplante Impfkampagne bei Kindern und Jugendlichen stößt in der Fachwelt mitunter auf herbe Kritik. Während im Magdeburger Umland den Kindern bereits die Spritze gegeben wird,  stehen Ärzte im Salzlandkreis dem Vorhaben kritisch gegenüber.
Die geplante Impfkampagne bei Kindern und Jugendlichen stößt in der Fachwelt mitunter auf herbe Kritik. Während im Magdeburger Umland den Kindern bereits die Spritze gegeben wird, stehen Ärzte im Salzlandkreis dem Vorhaben kritisch gegenüber. Foto: dpa

Staßfurt/Schönebeck/Magdeburg - Während die Wissenschaft vorsichtig Abstand hält, prescht die Politik nach vorn. Obgleich die Ständige Impfkommission (Stiko) bisher keine Empfehlung für eine Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ausgesprochen hat, verkünden Bund und Länder für ebenjene Impfungen anzubieten.

Auch Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) erklärte vor einigen Tagen, dass die Impfzentren nun spezielle Impftage für Kinder und Jugendliche anbieten können. Notwendig sei dies, da viele Eltern wohl keine Kinderärzte finden, die eine Impfung für ihre Sprösslinge anbieten.

Wo und wann derartige Impftage stattfinden sollen, blieb in der Mitteilung des Ministeriums allerdings offen. Vermutlich, weil nicht nur die privaten Kinderärzte die Impfung nicht vornehmen wollen, sondern auch die Ärzte in den Impfzentren.

Im Impfzentrum Staßfurt wird es weiterhin keine Impfangebote für Kinder ab 12 Jahren geben. Das bestätigte am Montag die Pressestelle des Landratsamtes in Bernburg auf Volksstimme-Nachfrage nochmals. „Wir stehen im Kontakt mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Es fehlt das Personal für die Impfung bei Kindern über 12 Jahre im Impfzentrum in Staßfurt“, teilte Pressesprecherin Marianne Bothe mit.

Bisher hätte nur eine Kinderärztin Bereitschaft zum Impfen der Altersgruppe im Impfzentrum Staßfurt signalisiert, hatte der Kreis in der vorigen Woche informiert. Geändert hat sich an der Situation seitdem offensichtlich nichts.

Die Zurückhaltung sei jeweils mit der noch nicht ausreichenden Datenlage, der Risikobewertung, die bei Kindern anders ausfalle als bei anfälligen Gruppen, sowie der Tatsache begründet worden, hatte es geheißen. Die Ärzte würden die Kinder im Regelfall nicht kennen und damit nicht genau einschätzen können, ob eine Impfung aus ärztlicher Sicht tatsächlich notwendig sein könne.

Das Angebot einer Kinderärztin, die impfen wollte, habe sich jedoch aus organisatorischen Gründen nicht umsetzen lassen, hieß es. Der Kreis suche weiter nach Wegen, ein Impfangebot zu organisieren.

Auch bei einer Volksstimme-Umfrage im Staßfurter und Schönebecker Raum hatte unter Kinderärzten Zurückhaltung in der Impffrage bei Kindern ab 12 Jahren geherrscht.

In den Nachbarkreisen Börde und Jerichower Land sieht dies etwas anders aus. Die Kreise können über ihre Impfzentren Impfungen für die junge Altersgruppe anbieten (Kontakte und Termine im grünen Kasten). Offenbar wurden Mediziner gefunden, die bereit sind, nach den notwendigen Untersuchungen und bei Einverständnis der Eltern zu impfen.

Wie im Salzlandkreis stellt sich die Lage auch in der Landeshauptstadt dar. Die Impfzentren impfen Kinder ab 12 Jahren nicht, bestätigte Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra. Die Ärzte lehnen derzeit eine Impfung von Kindern und Jugendlichen ohne generelle Stiko-Empfehlung ab. „Und wir als Landeshauptstadt können sie dazu nicht verpflichten, wir sind nicht weisungsbefugt.“

Der Impfstab der Landeshauptstadt suche nun nach Lösungen – konkret nach Ärzten, die auf freiwilliger Basis die Corona-Schutzimpfungen bei Kindern und Jugendlichen auch ohne Vorerkrankung vornehmen. „Dies unter einer gegebenenfalls vorhandenen Haftungsverpflichtung“, erklärt Magdeburgs Stadtsprecherin.

Bisher empfiehlt die Stiko Impfungen bei Kindern vorerst nur bei höherem Risiko für schwere Corona-Verläufe etwa wegen Erkrankungen wie chronische Nierenprobleme, Immunschwäche oder Diabetes. Eine Impfung bei Kindern mit Vorerkrankung ist zudem nur mit umfangreicher ärztlicher Aufklärung und als individuelle Entscheidung von Kindern und Eltern möglich.

Tatsächlich erklärt auch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA): „Jeder Arzt entscheidet selbst, welche ärztlichen Leistungen er in seiner Praxis anbietet. Somit liegt es auch in der Eigenverantwortung des einzelnen Arztes, ob er Impfungen gegen Covid-19 durchführt.“

Die Entscheidung, ob ein Arzt die Impfungen von Kindern vornimmt, sei die Entscheidung des Arztes im individuellen Einzelfall. „Der Einsatz von für Kinder zugelassenem Impfstoff bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren ohne Vorerkrankungen wird derzeit von der Stiko nicht allgemein empfohlen, ist aber nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz des Kindes oder Jugendlichen beziehungsweise der Sorgeberechtigten möglich“, erläutert KVSA-Sprecherin Heike Liensdorf. „Sollten trotz ordnungsgemäßer Aufklärung, Einwilligung und korrekt durchgeführter Schutzimpfung Impfschäden entstehen, werden mögliche Entschädigungsansprüche vom Staat getragen“, so Heike Liensdorf weiter. Dies gelte auch für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren, wenn sie einen für Kinder zugelassenen Impfstoff erhalten.

Eine Verpflichtung, Impfungen anzubieten und der Kassenärztlichen Vereinigung dies zu melden, gebe es nicht. Daher gebe es derzeit keine Übersicht, welche Ärzte in Magdeburg grundsätzlich die Covid-19-Impfung von Kindern übernehmen. Um dies in Erfahrung zu bringen, müssten Impfwillige wohl Kinder- und Jugendärzte abtelefonieren.

Hier werden Kinder und Jugendliche im Magdeburger Umland geimpft:

Landkreis Börde

Impfzentrum in Haldensleben (Waldring 113 B/C ) besteht die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche auch ohne Vorerkrankungen und Expositionsrisiko zwischen 12 und 17 Jahren zu impfen.

Voraussetzung ist ein Termin (Buchungshotline 03904/ 72403960/ impfzentrum.terminvergabe@landkreis-boerde.de). Für die Impfung von Kindern und Jugendlichen wird im Impfzentrum jeweils dienstags 8 bis 15 Uhr, mittwochs 12 bis 19 Uhr, donnerstags 10 bis 17 Uhr eine von zwei Impfstrecken vorgehalten.

In Deutschland werden Kinder und Jugendliche aktuell nur mit dem Impfstoff Comirnaty (Biontech) geimpft. Für den Impfstoff der Firma Moderna hat die europäische Arzneimittelkommission bereits die Freigabe erteilt, die Stellungnahme der Ständigen Impfkommission steht noch aus.

Jerichower Land

Im Impfzentrum in Burg (Platz des Friedens 1) haben Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren die Möglichkeit, sich nach einem ausführlichen ärztlichen Aufklärungsgespräch und auf ausdrücklichen Wunsch gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Dies ist ohne vorherige Terminvereinbarung während der Öffnungszeiten möglich. Wann das Impfzentrum geöffnet hat, muss auf der Internetseite eingesehen werden, da die Öffnungszeiten variieren können.

Salzlandkreis

In den Impfzentren des Salzlandkreises, Staßfurt und Schönebeck, werden Jugendliche ab 16 Jahren geimpft - eine Impfung zwischen 12 und 15 Jahren ist nicht möglich.

Impftermine können von Montag bis Freitag in der Zeit zwischen 9 und 17 Uhr über die Hotline (Telefon: 03471/6842686) vereinbart werden.