Staßfurt/Schönebeck l In Krisen-Zeiten zeigen Menschen, dass sie Menschen sind, wenn sie sich solidarisch zeigen und helfen wollen. Natürlich glühen bei der Agentur für Arbeit in Bernburg gerade die Telefone. „Wir haben die Arbeitgeberhotline verstärkt mit Personal aus anderen Bereichen“, erklärt Pressesprecherin Heike Wunschik. Nur so ist es überhaupt möglich, die vielen Anfragen nach Kurzarbeitergeld zu stemmen. Doch dieser eine Anruf bereitete Heike Wunschik besondere Freude. „Es hat jemand angerufen und gefragt, ob er uns unterstützen kann“, sagt sie. Ein ehrenhaftes Angebot, das die Pressesprecherin aber ablehnen musste. „Man braucht ja eine entsprechende fachliche Ausbildung. Aber dass an uns gedacht wird, ist schön.“

Für die Arbeitsagentur ist das Kurzarbeitergeld, das jetzt auch im Salzlandkreis vermehrt nachgefragt wird, ein echter Stresstest. „Nun gab es das ja auch in Hochwasser-Zeiten 2002 und 2012/2013. Dazu gab es 2008/2009 die Wirtschaftskrise. Wir haben schon viele Krisen mitgemacht. Aber noch nie hat das öffentliche Leben derart stillgestanden. Wir befinden uns im kontinuierlichen Krisenmanagement“, so Wunschik. Videokonferenzen werden abgehalten, Telefone klingeln auch innerhalb der Arbeitsagentur fast pausenlos.

Über 500 Nachfragen in 15 Tagen

Im Februar diesen Jahres waren gerade mal drei Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten im Salzlandkreis in Kurzarbeitergeld-Bezug. Nun hat sich das dramatisch verschärft. Für den März liegen noch keine Bewilligungszahlen vor. Jedoch: „Innerhalb von 15 Arbeitstagen haben wir 515 Unternehmen zum Kurzarbeitergeld beraten“, sagt Agenturchefin Anja Huth. „463 Unternehmen davon waren aus dem Salzlandkreis. Knapp die Hälfte davon sind Unternehmen der Touristikbranche. Vom kleinen Reisebüro, Restaurants bis zum größeren Hotelbetrieb haben sich Unternehmen beraten lassen. Ob nun alle Beratungen in Kurzarbeitergeldanzeigen und dann im Anschluss die entsprechenden Anträge eingereicht werden, bleibt abzuwarten.“ Insgesamt gibt es im Salzlandkreis 62 749 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Bezirk der Agentur für Arbeit Bernburg.

Noch wurden keine neuen Anträge bewilligt. Wie viele es werden, bis wann diese bewilligt werden und ab wann das Kurzarbeitergeld ausgezahlt werden kann, kann die Arbeitsagentur nicht sagen. Aber: „Ich versichere den Unternehmen und den Menschen, dass die Geldleistungen und die Bearbeitung von Kurzarbeitergeldanträgen höchste Priorität haben. Diese Krise können wir nur gemeinsam mit gebündelten Kräften stemmen“, sagt Anja Huth. Heißt also: So schnell wie möglich werden die Anträge bearbeitet. Für Soloselbstständige und Kleinstunternehmer, die kein Kurzarbeitergeld beziehen können, gibt es hingegen ein Sofortprogramm der Bundesregierung.

Wie das Kurzarbeitergeld finanziert wird? Anja Huth erklärt: „Kurzarbeitergeld finanziert sich aus der Arbeitslosenversicherung. Bereits in der Wirtschaftskrise 2008/2009 fand international das sogenannte ‚Deutsche Job Wunder‘ große Beachtung. Trotz Wirtschaftskrise blieb die Arbeitslosenquote relativ konstant, obwohl der Rückgang des Bruttoinlandsproduktes mehr als fünf Prozent betrug“, so Huth. „Im Salzlandkreis betrug der Jahresdurchschnitt der Arbeitslosenquote 2008 13,9 Prozent und im darauffolgenden Jahr 13,7 Prozent. Allgemein wird das auch dem arbeitsmarktpolitischen Instrument der Kurzarbeit und der politischen Entscheidung, die maximale Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldbezuges auszuweiten, zurückgeführt.“

Vermehrt Anfragen nach finanzieller Unterstützung gibt es aber auch beim Salzlandkreis. Seit Freitag bis zum Donnerstag hatten 360 Firmen ihren dringenden Finanzbedarf beim Salzlandkreis angemeldet. Ihr Umsatzverlust beläuft sich laut dem Kreis schon jetzt auf rund 3,3 Millionen Euro in jeder Woche. Es seien Inhaber und Betreiber von Friseursalons, Kosmetikstudios, Fußpflege, Tattoo-Studios, Gastronomiebetrieben/Hotels, Einzelhandelsgeschäfte, Handwerksbetriebe, Veranstaltungsservice und Einzelunternehmer wie Versicherungsmakler, die schnelle finanzielle Unterstützung benötigen.

„Auch wenn der Salzlandkreis keine Zuschüsse bescheiden kann, wir erfassen den Bedarf und machen dem Land gegenüber deutlich, welche Hilfe vor Ort jetzt erforderlich ist“, erklärt Landrat Markus Bauer (SPD). „Größte Eile ist geboten.“