Brumby l Und plötzlich brannte Licht im Dunkeln. Dort, wo jahrelang keine Bewegung war. Andere berichten, dass eine Frau mit einem Fotoapparat herumgegangen ist und Fotos gemacht hat. Es wird getuschelt in Brumby, weil seit ein bis zwei Wochen ganz offensichtlich etwas im Schloss passiert. Das architektonische Kleinod, das seit 20 Jahren bis auf eine Wohnung im Anbau leersteht, hat einen neuen Besitzer.

Die Wohnungsgesellschaft Förderstedt, der das ehemalige Herrenhaus gehörte, hat auf der Herbstauktion am 19. September 2019 das Gebäude für 28.000 Euro versteigert. An wen? Das möchte und darf die Wohnungsgesellschaft nicht verraten. Die Stadt Staßfurt teilt mit, dass sie nichts weiß.

Im Dorf gibt es aber Gerüchte. Man erzählt sich, dass ein Schweizer Investor das Schloss gekauft hat. Was dieser vorhat, ist offen. Die Wohnungsgesellschaft Förderstedt ist jedenfalls froh, dass sie das Schloss los geworden ist. Schließlich war es auch ein finanzieller Klotz am Bein. „Es sind Gesamtkosten für das leerstehende Gebäude von etwa 1500 Euro jährlich angefallen“, teilt Geschäftsführer Ralf Klar mit. Unter anderem kümmerte sich ein Hausmeister darum, dass das Areal sauber gehalten wurde.

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Keine anderen Optionen

Natürlich gibt es kritische Stimmen, die bemängeln, dass das Objekt an einen unbekannten Investor gegangen ist. Niemand weiß schließlich, was mit dem Gebäude jetzt genau passiert. „Aber wir müssen die Kosten optimieren“, sagt Ralf Klar. „Da muss ich die Emotionen draußen lassen. Wir hatten das Schloss vor der Versteigerung ein Jahr lang auf unserer Homepage angeboten. Darauf hatte sich niemand gemeldet.“ Obwohl der Preis Verhandlungsbasis war. „Andere Optionen gab es nicht. Es ist auch niemand auf uns zugekommen“, so Klar. Also musste es unter den Hammer.

Schlussendlich liegt der Verkaufswert auf der Auktion deutlich über dem Mindestgebot, das im vierstelligen Bereich lag. Das stimmt die Brumbyer hoffungsvoll. Das Objekt steht unter Denkmalschutz. Der Grundriss darf also nicht verändert werden, genauso wie zum Beispiel die historischen Fenster. Die sind aus Holz und müssen beim Neubau auch wieder aus Holz sein.

Einst war das Schloss ziemlich prunkvoll. Alte Ansichten zeigen, dass es auf der Vorderseite einen Turm mit vier Erkern und Spitzdach gab. Vorbild war hier die St.-Petri-Kirche im Ort. Daran lehnte sich auch das Schloss an. Heute wirkt das Gebäude aber eher trist und grau. Was auch daran liegt, dass der Turm fehlt. „Der soll wohl 1972 abgerissen worden sein“, berichtet der Brumbyer Peter Maier, der sich auch im Ortschaftsrat Förderstedt permanent stark für seinen Ort macht. Ganz sicher ist er sich aber nicht. „Es war auf jeden Fall in den 1970er Jahren, dass der Turm entfernt wurde. Da ging es nur um Wohnraum. Bis auf die letzte Wohnung war das Haus damals vermietet.“ Mindestens fünf Familien sollen darin gewohnt haben. Jetzt wohnt noch ein älteres Ehepaar im angebauten Seitenflügel.

„Ich sehe es mit Spannung, was im Schloss passiert“, sagt Gottfried Eggebrecht, Pfarrer im Ruhestand in der St.-Petri-Kirche, die einen Steinwurf entfernt liegt. „Es wäre schön, wenn sich der Käufer melden und aus der Deckung kommen würde. Wir würden sehr gern wissen, was der Investor mit dem Gebäude vorhat.“

Großer Sanierungsstau

In den 1990er Jahren, so berichtet es Eggebrecht, sei das Haus leer gewohnt worden. Schon damals gab es Sanierungsstau. Wände waren durchfeuchtet. Immerhin wurde das Dach schon nach der Wende abgedichtet und das Turmzimmer samt neuer Fenster hergerichtet. „Wenn ich das Gebäude gekauft hätte, wäre mein erster Ansprechpartner der Pfarrer oder die Stadt gewesen“, sagt Peter Maier. Auch er wünscht sich, dass der Käufer sich bekennt. „Wir haben Angst davor, dass es ein Spekulationsobjekt wird.“

Mit dem Kauf ist es für den Investor freilich noch nicht getan. Peter Maier schätzt eine wohl siebenstellige Summe, die investiert werden müsste, um das Schloss im Dornröschenschlaf auf Vordermann zu bringen. „Das ist aber spekulativ“, sagt er. Fakt ist: „Die Dachrinne muss auf jeden Fall gemacht werden und im Inneren gibt es nichts, was nicht gemacht werden muss. Elektro- und Sanitäranlagen sind auf dem Stand der 1970er und 1980er Jahre“, erzählt Maier.

Er weiß das, weil er selbst oft genug im Gebäude war. Nun steht das Schloss seit 20 Jahren leer, aber Pläne gab es immer wieder für eine Neunutzung. „Wir hatten mal die Idee, eine Altersresidenz daraus zu machen. Vielleicht auch als Nebensitz des Pflegezentrums in Löbnitz“, sagt Maier. „Allerdings haben die Böden ein unterschiedliches Niveau.“ Barrierefreiheit ist also nicht gewährleistet. Es stellte als unwirtschaftlich heraus, das Gebäude so umzubauen.

Dazu gab es mal die Idee, ein Vereinshaus aus dem Gebäude zu machen. „Da sind wir sogar ganz froh, dass wir das nicht gemacht haben“, meint Maier. „Dann wäre es in städtischer Hand geblieben und es wäre aufgrund der finanziellen Lage der Stadt sehr schwer gewesen, das Haus zu sanieren. Grundsätzlich haben wir uns auch wegen des Denkmalschutzstatus des Hauses nicht herangetraut.“ Des Weiteren gab es auch mal die Idee, dass sich ein möglicher Förderverein des Schlosses annimmt. Zur Gründung dieses Fördervereines für das gesamte Dorfleben kam es aber bisher nicht, weil die Finanzierungsfrage unklar ist.

Neben der Kirche ist das Schloss ortsprägend. „Es ist eines der geschichtsträchtigsten Gebäude in Brumby“, erzählt Gottfried Eggebrecht. Vor dem 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648 fand es bereits Erwähnung. Spuren gibt es bis ins Mittelalter. Es hat Stuckwerk und ein altes historisches Parkett. „Zusammen mit Schmiede, Kirche und Gaststätte hat das Schloss die Dorfmitte geprägt“, so Peter Maier.

„Einst war es ein größeres Gebäude“, sagt Eggebrecht. „Im 19. Jahrhundert wurde es umgebaut.“ So bekam es einen längeren und flachen Anbau, sowie den Turm, den es nun seit DDR-Zeiten nicht mehr gibt. Einst soll das Schloss Tempelherren gehört haben. 1645 erhielt es der Obrist (Kriegsrat und Oberst) Otto Johann von Steinäcker, der im Dienst des Schwedenkönigs stand. Der letzte männliche Erbe der Familie starb 1903, bewohnt war es bis 1905. Danach fiel es an Ehrengard von Trotha, die eine geborene Steinäcker war.

1919 zog Günther von Krosigk als Mieter ein, bis zu seinem Tod 1938. Danach stand es leer, bevor es wohl nach dem Zweiten Weltkrieg zur Enteignung kam. Danach wurde es als Wohnhaus umgebaut und genutzt, eben bis in die 1990er Jahre. Seitdem steht der größte Teil des Schlosses leer und verfällt. „Die Brumbyer würden sich freuen, wenn neues Leben darin einzieht“, sagt Peter Maier.