Corona

Die Hausarztpraxen starten ab sofort mit dem Impfen

Die ersten Lieferungen sind in den Apotheken der Region angekommen. Die Hausarztpraxen können ab sofort ihre über 80-jährigen Patienten gegen Corona impfen. Der Hauptteil der Kampagne bleibt aber weiterhin im Impfzentrum Staßfurt und den Impfstationen.

Die Schwester in der Hausarztpraxis Güsten hat die Fläschchen von Biontech schon im Medikamenten-Kühlschrank liegen. Foto: FH

Güsten/Staßfurt. Am Vormittag herrschte noch Rätselraten in den Arztpraxen, ob der von Minister Spahn angekündigte Impfstoff nun wirklich kommen wird. „Das wissen wir nicht“, hieß es am Dienstagvormittag noch bei verschiedenen Staßfurter Hausarztpraxen. „Es hängt alles noch in der Luft, aber wir haben einen Plan im Kopf“. Oder auch: „Das werden wir morgen sehen“.

Weniger bekommen als bestellt

Während am Vormittag nichts klar war, waren am Dienstagnachmittag dann tatsächlich die ersten Lieferungen an Corona-Impfstoff eingetroffen. Oft kam weniger als erwartet an. „Wir hatten 50 Einheiten gewünscht, aber für diese Woche zunächst nur fünf erhalten“, sagt Christine Hergeselle.

Die Schwester in der Hausarztpraxis Güsten hat die Fläschchen von Biontech schon im Medikamenten-Kühlschrank liegen. Natürlich müssen die eine Millionen Impfdosen deutschlandweit auf alle gleich verteilt werden. Da ist man in der Güstener Praxis froh, dass man mit den fünf Ampullen immerhin 25 bis 30 Erstimpfungen durchführen kann.

Der Aufwand für die Impfungen für diese und jede andere Hausarztpraxis ist nicht zu verachten. Nicht nur dass am Quartalsbeginn sowieso viel los ist. Man musste jeden einzelnen Patienten durchsehen - nach Alter, Vorerkrankungen oder Beruf. „Wir haben alle angerufen“, so Christin Hergeselle. Es werden ab sofort extra Termine vereinbart, die Impfungen mit schon vereinbarten Terminen zusammengelegt oder auch beim Hausbesuch geimpft.

Der Vorteil ist hier, dass die Praxisteams ihre Patienten gut kennen. Sie stellen Listen auf nach den vorgeschriebenen Kategorien – die über 80-Jährigen, dann die über 70-Jährigen, Schwerkranken und so weiter in Kategorie 2. Dabei stellte sich am Beispiel Güsten heraus: „Bei uns sind es gar nicht mehr so viele über 80-Jährige, die noch geimpft werden müssen. Viele waren schon im Impfzentrum oder in der Impfstation am Kiesschacht.“

Fachärzte sollen demnächst auch impfen

Weil der Bund in den ersten Wochen nur je eine Million Impfdosen liefert, dürfen erst einmal nur die Hausarztpraxen impfen. „Demnächst werden aber auch Fachärzte Covid-19-Impfstoffe bestellen können“, so die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt. In den kommenden Wochen sollen dann auch die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson&Johnson für die Hausärzte dazukommen. „Ende April erwarten wir insgesamt deutlich mehr Impfstoff, um die Impfkampagne weiter beschleunigen zu können“, so die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt weiter.

Wie viel pro Woche nun in den Hausarztpraxen an Impfstoff ankommt, weiß keiner. Daher ist auch unklar, wann Kategorie II geimpft werden kann. Die Kassenärztliche Vereinigung hatte vor Wochen schon geraten, den Anruf vom Hausarzt abzuwarten. Auch für die Zweitimpfung kann übrigens kein Impfstoff zurückgelegt werden – aufgetaut muss der Stoff nach fünf Tagen verabreicht sein.

Apotheker noch gelassen

Zusätzlicher Aufwand ist die neue Impfkampagne auch für die Apotheken. „Die Sache ist ganz gut angelaufen“, sagt Michael Teuber. Das Logistikgeschäft ist nicht neu für den Apotheker aus Staßfurt. „Einzig anders ist, dass man sich an ein Zeitfenster halten muss, sonst bekommt man nichts.“

Heißt, immer dienstags in der Vorwoche muss die Impfstoffbestellung an den Großhändler, hier in Leipzig, gehen. Der liefert die Woche darauf am Montag und am Dienstag fahren die Apotheken die Fläschchen in die Arztpraxen aus.

In dieser Woche hatten Teuber und Kollegen in der Leopold-Apotheke Bestellungen zweier Praxen abgearbeitet. „Wir hatten wirklich Glück, dass wir auch die Wunschmenge bekommen hatten“, so Teuber. Zwischen 18 bis 50 Ampullen darf sich eine Praxis wünschen. „Wie viel man bekommt, ist eine andere Sache. Daher ist für uns immer eine gewisse Unsicherheit dabei“. Durch die Begrenzung der Liefermengen und einfache Bestellsysteme halte sich der Aufwand in den Apotheken aber noch in Grenzen.

Für nächste Woche haben Teuber und Kollgen schon Bestellungen von fünf Praxen aufgegeben. Auch Fachärzte fragen schon. „Da gibt es welche, die gern mitimpfen wollen, und auf der anderen Seite sind die Hausärzte, die sowieso schon viel tun haben“, meint Teuber mit leichter Kritik.

Der Großteil der Impfungen soll aber nach wie vor über das Impfzentrum Staßfurt und die Impfstationen der Gemeinden laufen. Dort können täglich mehrere hundert Personen geimpft werden.