Rico Schäfer

Die „Staßfurt-Sammlung“

Die Volksstimme stellt in der Serie „Ich sammle ja so gerne ...“ Menschen aus der Region vor, die einer Sammelleidenschaft frönen.

Staßfurt l Im Staßfurter Geschichtsverein ist Rico Schäfer der jüngste unter den „alten Hasen“ der Hobbyhistoriker. Mit Geschichte hatte der heute 48-Jährige bis vor zehn Jahren weder beruflich noch privat etwas am Hut. Eines Tages im Jahr 2006 bekam er eine alte Blechkiste geschenkt mit der Aufschrift „Paul Zimmermann, Kaffee-Großrösterei Leopoldshall-Staßfurt“. Anhand der Abbildung des Gebäudes auf der Blechkiste ging Rico Schäfer in Staßfurt auf die Suche nach diesem Haus. Über die Recherche in historischen Dokumenten erfuhr er schließlich mehr über das einstige Staßfurter Unternehmen. „Und so kam eins zum anderen“, sagt er schmunzelnd über seine Leidenschaft.

Heute bewegt sich Rico Schäfer mit offenen Augen durch die Stadt und beobachtet viele Details, die den meisten Menschen gar nicht auffallen würden. Seit der Suche nach der Kaffeerösterei hat er viele Gebäude in Staßfurt genauer betrachtet, in alten Adressbüchern recherchiert und sich intensiv mit der Geschichte der Salzstadt befasst.

Bis heute hat er 750 verschiedene historische Postkarten von Staßfurt, ab 1894, gesammelt. Fast täglich sucht er im Internet nach möglichen Objekten für seine Sammlung, einiges bekommt er auch von Bekannten geschenkt. Denn ihm geht es nicht nur um Postkarten, sondern um alle möglichen Objekte, die von der Stadtgeschichte erzählen. An Erinnerungsstücken an Staßfurter Stadtjubiläen oder Werbeartikel von Staßfurter Unternehmen kann er bereits einige Regale voller Gläser und Krüge, Feuerzeuge oder Anstecknadeln vorweisen.

Gläser des sogenannten „Staßfurter Pilsner“ zeugen davon, dass es in Staßfurt mehr als eine Brauerei gegeben haben muss. Weitere Trinkgefäße berichten von der Industriestadt Staßfurts - jene mit dem Logo der Chemieanlagen Staßfurt (CAS), dem Sodawerk, dem Strandsolbad mit dem Motiv eines Sprungturms, Krüge der Freimaurer aus Staßfurt im Original mit dem Spruch „Glück Auf zur Einigkeit und Treue“ oder ein Teller der Flugzeugwerke Leopoldshall.

Niedlich sind auch ein Flugzeug, eine Kuh und ein Schwein mit dem Bild der Stadt Staßfurt, die als Tischgeschirr dienten. Während das Flugzeug Salz- und Pfefferstreuer war, soll die Kuh ein Milchkännchen sein. „Darüber, was das Schwein darstellen soll, habe ich lange gegrübelt. Schließlich fiel mir ein. Es ist ein Halter für Zahnstocher“, erklärt Rico Schäfer. In seiner Staßfurt-Sammlung sind natürlich auch eine Reihe von Salzkristallgläsern, die an den Kalibergbau erinnern.

Zwei alte Plakate von 1929 beweist, dass es einst den Verein Leopoldshaller Schützen gegeben haben muss und ein Büchlein zeugt von einem „Turn-Club Staßfurt“.

Rico Schäfer hat durch ausdauernde Suche echte Raritäten in seiner Sammlung: Ein Zertifikat im Original von 1876 bescheinigt einem Lehrling, dass er seine Ausbildung bei der Brauerei Niemann bestanden hat. Ein goldener Serviettenhalter hat ein Bild vom Staßfurter Strandsolbad eingraviert. In einem Uhrenetui befindet sich noch ein Garantieschein vom Uhrenmacher Rosenthal in Staßfurt. Ein Brillenetui im Original stammt vom Uhrenmacher und Optiker Ernst Israel in Leopoldshall, für den heute ein Stolperstein in Staßfurt liegt. Von Hutmachern zeugen Original-Hutschachteln, etwa von Max Hoffmann, Hutmachermeister aus der Steinstraße 19. Erinnerungen an die jüngere Vergangenheit rufen alte Speisekarten des „Grünen Baum“ oder der „Milchbar“ wach.

Wer Rico Schäfer etwas zu seiner Sammlung hinzugeben will, kann ihn kontaktieren: (03925) 923 92 44

 

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