Feuerwehr

Druck für ein neues Gerätehaus für die Feuerwehr in Rathmannsdorf

Seit vielen Jahren kritisieren die Kameraden aus Rathmannsdorf, dass ihr Feuerwehrgerätehaus nicht mehr zeitgemäß ist. Der Zustand des Hauses lässt zu wünschen übrig. Doch trotz Planungen der Stadt Staßfurt gibt es bisher keine konkrete Aussicht auf einen Neubau.

Von Enrico Joo
Das Feuerwehrgerätehaus in Rathmannsdorf entspricht nicht mehr modernen Anforderungen.
Das Feuerwehrgerätehaus in Rathmannsdorf entspricht nicht mehr modernen Anforderungen. Foto: Enrico Joo

Rathmannsdorf - Ob Benjamin Zuck manchmal Déjà-vu-Erlebnisse hat oder Fusseln am Mund von den immer wieder gleichen Fragen? Es wäre nicht verwunderlich und könnte vielleicht daran liegen, dass er als Ortswehrleiter der Feuerwehr in Rathmannsdorf seit vielen Jahren auf den gleichen Missstand hinweisen muss.

Das Feuerwehrgerätehaus in der Straße „Kiesgrube“ ist in die Jahre gekommen. Als Wohnhaus kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut, diente es ab Ende der 1960er Jahre provisorisch als Depot für die Feuerwehr. Daraus wurde ein Dauerzustand. „1991 hat es den letzten Umbau gegeben“, erzählt Benjamin Zuck. Danach wurde noch einmal die Elektroanlage erneuert und die Heizung gemacht.

Es braucht aber grundsätzliche Arbeiten. „Wir haben keine getrennten Toiletten, kein warmes Wasser, keine Duschen. Es ist sehr eng“, so Zuck. Für den Umkleidebereich gibt es keine richtige Trennung von Frauen und Männern. Die Feuerwehrfahrzeuge dürfen beim Einsatz nicht in der Halle besetzt werden, weil zu wenig Platz ist. Die zwei Fahrzeuge stehen dazu hintereinander. Vor vielen Jahren musste auch der Dachboden gesperrt werden.

Bereits 2017 Begehung mit den Fraktionen

Bereits im Jahr 2017 gab es eine Begehung. Die Fraktionen im Stadtrat machten sich ein Bild von den desolaten Bedingungen im Depot. „Die Verwaltung hat sich sehr, sehr viele Gedanken gemacht. Es gab Begehungen und Standortvergleiche. Es wurde sehr intensiv daran gearbeitet, es gab viele Ideen“, sagt Zuck. „Aber es geht nicht voran.“

Dass das Thema nun wieder aufploppt, liegt daran, dass die Feuerwehr-Unfallkasse (FUK) am 29. März eine sicherheitstechnische Überprüfung durchgeführt hat. Dabei stellte sie fest: „Aufgrund der vorhandenen sicherheitstechnischen Mängel sind ein Neubau eines Feuerwehrhauses beziehungsweise umfangreiche Um- und Ausbaumaßnahmen aus unserer Sicht dringend erforderlich.“

Das war der Anlass für Benjamin Zuck, der auch Ortsbürgermeister in Rathmannsdorf ist, am 1. Juli zu einer außerordentlichen Sitzung des Ortschaftsrates einzuladen. Einziger Tagesordnungspunkt: Der Ortschaftsrat soll den Oberbürgermeister beauftragen, den Neubau des Depots zeitnah in den Haushalt einzustellen. Alle acht Mitglieder im Ortschaftsrat stimmten zu.

„Der Stadtrat hat viel unternommen für die materielle und technische Ausstattung der Feuerwehren. Die Feuerwehren wurden immer gut berücksichtigt“, sagt Klaus Magenheimer (Linke) im Ortschaftsrat. „Alle stellen Forderungen, das darf uns aber nicht in die Knie zwingen, auch wenn wir wissen, dass es Zeit braucht.“

Schon vier neue Standorte in Untersuchung

Zuck ist Realist: „Ich weiß, dass die finanzielle Lage angespannt ist und dass der Neubau 2022 noch nicht stehen wird. Aber wir müssen was tun, der Stadtrat soll sich positionieren.“ Dass er das bisher nicht getan hat, kreidet er auch Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) an. „Es liegt am OB, dass es bisher nicht dem Stadtrat vorgelegt wurde“, sagt er.

Die Stadt hat dabei schon einiges an Planungsleistungen und auch Kosten investiert. „Die Verwaltung hat zunächst den Ist-Stand des vorhandenen Feuerwehrhauses erfasst. Dieses weist zum Teil erhebliche Mängel auf. Dazu wäre das Feuerwehrhaus komplett umzubauen. Das ist aber unwirtschaftlich“, teilt Susanne Henschke, Leiterin des Fachdienstes Sicherheit und Ordnung, mit. 2019 sei die Verwaltung zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Sanierung keine Rolle mehr spielen kann.

Was könnte ein Neubau kosten? „Die Kostenschätzung liegt bei etwa 1,3 Millionen Euro. Das sind reine Baukosten, ohne Grundstückskosten“, so Henschke. Mehrere Standorte wurden bereits untersucht. Vier kommen bisher in Frage: Ein Grundstück in der Güstener Allee, das in Privatbesitz ist und zum Teil große Höhenunterschiede hat. Dazu ein Grundstück in der Liethestraße, das in städtischem Besitz, aber mit einer Gashaupttrasse versehen ist. Des Weiteren ein Grundstück in der Klausstraße, das ebenfalls in Privatbesitz und noch bebaut ist. Zuletzt ein Grundstück in der Wasserfurt, das in Privatbesitz und kaum erschlossen ist. Es ist zudem bebaut und weist bauliche Einschränkungen auf.

Vielleicht gibt es finanzielle Hilfe. „Die Möglichkeit, Fördermittel zu beantragen, wird die Stadt natürlich, wenn möglich, nutzen. Welche das dann konkret sein werden, kann aktuell noch nicht gesagt werden“, erklärt Susanne Henschke. „Die Fördermittelrichtlinie für Feuerwehrhäuser befindet sich aktuell in Überarbeitung.“

Mitgliederzuwachs für die Feuerwehr

Wann und ob ein Neubau erfolgt, muss nun auch der Stadtrat entscheiden. Es hängt aber auch von Fördermitteln und der finanziellen Situation der Stadt Staßfurt ab.

Klar ist: Die Feuerwehr Rathmannsdorf ist lebendig. Mit einer Werbeaktion konnten in den Jahren 2019 und 2020 acht neue Kameraden gewonnen werden. Die Wehr hat 22 aktive Kameraden, wenn die neuen Mitglieder ihre Prüfungen bestehen. „Es soll aber nicht Schluss sein. Es gibt noch mehr Potenzial“, sagt Zuck. Auch bei der Kinder- und Jugendfeuerwehr. Die gibt es bisher nicht, auch wegen fehlender Räumlichkeiten im Depot. Auch deshalb braucht es ein neues Feuerwehrgerätehaus in Rathmannsdorf.