Neundorf l Andreas Hüttner nennt Gründe wie Wegzug von Kameraden und Doppelmitgliedschaften, worunter die Einsatzbereitschaft der Ortsfeuerwehr Neundorf momentan leidet. Durchschnittlich sechs Kameraden hatte sie 2017 bei den Einsätzen in der Zeit von 6 bis 18 Uhr zur Verfügung. Nachts, an Wochenenden und Feiertagen waren es elf. „Das sind nicht einmal mehr die Hälfte unserer 25 einsatzfähigen Kameraden.“ Das klingt alarmierend.

Doch zuerst appelliert der Wehrleiter bei der Jahreshauptversammlung am Sonnabend an seine Mannschaft, denn auch die Dienstbeteiligung habe 2017 erstmals nachgelassen: „Ich weiß, es ist oft ein großer Spagat zwischen Familie, Beruf und Feuerwehr. Aber 40 Stunden im Jahr sollten für jeden machbar sein, um die Einsatzbereitschaft unserer Ortswehr aufrechtzuerhalten.“ Denn schließlich seien die Aktiven an ihrer Leistungsgrenze angekommen.

Mahnende Worte

Nun folgen mahnende Worte an die Politik. „Arbeiten Sie mit Hochdruck an der Akquise, gerade auch von Quereinsteigern, für den Feuerwehrdienst und schaffen Sie eine Lobby! Sonst wird dieses System über kurz oder lang kollabieren. Denn die Möglichkeiten zur Mitgliederwerbung durch die Feuerwehren sehe ich als erschöpft an.“ Die Nachwuchsarbeit in der Kinder- und Jugendfeuerwehr (19 und 20 Mitglieder) sei hervorragend. „Doch spätestens, wenn gut bezahlte Arbeitsplätze locken, die sie nicht vor ihrer Haustür finden, sind die Jugendlichen weg“, bringt Andreas Hüttner die Misere auf den Punkt.

Alle Bemühungen über Jahrzehnte, Einwohner für das Feuerwehrwesen zu interessieren – mit Tagen der offenen Tür, Osterfeuer und anderen Festen – blieben ohne den erhofften Effekt. „Da fällt es mir schwer, an den Erfolg der jüngst durch die Landespolitik ins Leben gerufene Werbeaktion ,Feuer und Flamme – Ideenwettbewerb für mehr Feuerwehr‘ zu glauben“, erklärt der Wehrleiter. Bevor die Empfehlungen in Magdeburg niedergeschrieben worden seien, wie man Kameraden danken und motivieren sollte, habe man über Jahrzehnte die Kameradschaft gestärkt – dank Sponsorengeldern, dank einer guten zusätzlichen Vereinsarbeit und auch dank der Einsatzpauschale der Stadt Staßfurt.

Feuerwehr attraktiver gestalten

Die immer neuen Bemühungen der Stadt, den Feuerwehrdienst attraktiver zu gestalten, würden wohlwollend von den Kameraden verfolgt. Oberbürgermeister Sven Wagner berichtete von der ersten Beratung des Arbeitskreises Mitgliederwerbung. Man sei weiter dran, „gemeinsam Pläne zu schmieden, um die Feuerwehren auch personell aufrechtzuerhalten“.

Andreas Hüttner unterstrich: „Das Mitwirken auf Kreis-, Landes- und Bundesebene ist gefordert, um das freiwillige Feuerwehrwesen in Deutschland überlebensfähig zu machen.“ Und er lieferte auch Ideen. Ausbildungen über einen längeren Zeitraum zu verteilen zum Beispiel. Oder auch die Möglichkeit kostenloser Kindergartenplätze für Kinder aktiver Feuerwehrleute. „Und warum gestehen wir den freiwilligen Einsatzkräften nicht einen früheren Altersrenten-Eintritt zu? Für zehn Jahre aktiven Einsatzdienst ein Jahr früher in Rente ohne Abzüge, das wäre doch ein faires Angebot, um Danke zu sagen für diesen doch nicht ganz risikolosen, mit Pflichten versehenen Ehrenamtsdienst.“