Staßfurt l Wer nicht genau hinsieht, läuft und fährt vorbei. Auch weil es keinerlei Hinweisschilder bisher gibt. Die zwei großen weißen Kästen auf dem Neumarkt in Staßfurt sehen auf den ersten Blick unspektakulär aus. Wer aber inne hält und liest, der erkennt, dass in der Bodestadt Nägel mit Köpfen gemacht werden. Am 22. Oktober wurden zwei neue Schnellladesäulen aufgestellt. Beide haben zwei Anschlüsse. Vier Elektroautos gleichzeitig können also ihre Batterien aufladen. Das dauert etwa eine Dreiviertelstunde. Das Aufladen ist kostenlos. Für eine fünfstellige Summe haben die Stadtwerke Staßfurt und Technischen Werke Staßfurt mit Hilfe mehrerer Partner und Förderprogramme an zentraler Stelle Nachhaltigkeit geschaffen.

Nach den zwei Schnellladesäulen am Autohof Brumby, die im Sommer 2018 eingeweiht wurden, ist das der nächste kleine Schritt, den die Stadtwerke gehen. „Es ist ein Versuchsballon, der gut angenommen wird“, sagt Geschäftsführer Eugen Keller. Haben die Stadtwerke am Autohof 2018 noch 15.000 Kilowattstunden gemessen, die die Bürger gezogen haben, so werden es laut Hochrechnung für 2019 25.000 Kilowattstunden sein. Die Tendenz ist steigend, obwohl es bisher erst etwa 50 zugelassene Elektroautos im Salzlandkreis gibt. Noch gibt es keinen Tarif. Der wird aber kommen. Dann, wenn das Thema Elektromobilität breiter verankert ist.

Keller, in Personalunion auch Geschäftsführer Technische Werke, denkt bereits weiter: „Für mich gibt es vier Hotspots, an denen Ladesäulen stehen sollten. Zu Hause, an der Autobahn, an Kaufhäusern und beim Arbeitgeber“, sagt er.

Umdenken in der Bevölkerung

Damit der Umschwung schneller vorangeht, haben sich die Stadtwerke auf zwei Förderprogramme beworben. Weil diese auch merken: Die Staßfurter sind sensibel geworden für das Thema. „Seit etwa sechs bis sieben Monaten gibt es ein Umdenken in der Bevölkerung. Wir bekommen immer mehr Mails mit Fragen zu dem Thema“, so Keller. „Das war 2018 noch nicht der Fall.“

Bei den Bemühungen um neue Möglichkeiten beim Ausbau ist die Stadt mit im Boot. „Grundlage ist der Leitbildprozess“, sagt Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD). In dem 2017 entwickelten Programm heißt es unter anderem: „Wir fördern die wirtschaftliche Nachhaltigkeit, den Klima- und Umweltschutz und die E-Mobilität.“ Das versucht die Stadt mit Leben zu füllen. „Für uns ist das eine Verpflichtung“, so Wagner.

Dabei geht es auch um Anreize. Ohne Infrastuktur wird sich kein Bürger ein Elektroauto kaufen. Und ohne Elektroautos tun sich Behörden und Firmen schwer, Infrastrukturen zu schaffen. Es ist eine typische „Huhn oder Ei-Frage“. Die Ladesäulen am Neumarkt für Jedermann sind so ein Anreiz. Dort konnten diese auch entstehen, weil Kress als Partner dabei ist.

Sechs neue Elektroautos

Die Stadtwerke haben sich für die Stadt auf ein Bundesprogramm zur Elektrifizierung des kommunalen Fuhrparks beworben. Hier gab es grünes Licht. Sechs neue Autos werden gefördert, dabei 75 Prozent der Mehrkosten getragen. Der Kosten also, die das neue Fahrzeug mehr kostet als ein Benziner. Noch in diesem Jahr bekommt die Stadt zwei Elektroautos. Eines für den Kurierdienst in der Verwaltung, ein zweites für den Friedhof in der Hecklinger Straße für kurze Wege.

E-Autos für die Stadt waren möglich, weil diese sowieso hätten ersetzt werden müssen. Statt Benziner wurden eben E-Autos angeschafft. Ein Renault Kangoo und ein E-Golf werden den Fuhrpark bereichern. Zwei weitere E-Autos bekommen die Technischen Werke, zwei sind für Wobau und Stadtpflegebetrieb. „Ein Stück wollen wir dazu beitragen, dass die Klimaziele eingehalten werden“, so Wagner.

Die Stadtwerke, die im Vertrieb bereits einen E-Smart im Portfolio aufweisen, haben sich zudem auf ein zweites Förderprogramm beworben. Letzte Woche wurden Anträge angepasst und neu zur Prüfung eingereicht. Hier geht es darum, dass die Stadt Geld bekommt, um ein lokales E-Mobilitätskonzept zu entwickeln.

Drei Visionen hat Eugen Keller: „Wir brauchen ein Konzept, um den städtischen Fuhrpark umzustellen, die öffentliche Lade-Infrastruktur zu entwickeln und Handlungsempfehlungen ableiten zu können.“ Hält das Netz das Laden aus? Wie kommt man an sogenannte Wallboxen, die mehr Strom leiten? Das sind mögliche Fragen. Keller ist zuversichtlich, dass die Förderung für das Konzept kommt. Bis zur Umsetzung können aber noch Jahre vergehen. Positiv ist für Eugen Keller, dass auch aus Berlin positive Signale kommen. Erst am Dienstag wurde beim Autogipfel die Kaufprämie für E-Autos von 4000 auf 6000 Euro erhöht. 50.000 neue Ladesäulen sollen zudem bis 2022 kommen.

„Unser Motto ist: Wir wollen eine grüne Stadt sein“, sagt Oberbürgermeister Wagner. „Das ist eine Herzensangelegenheit, wir müssen aber auch die Realität im Blick haben. Mit den Technischen Werken haben wir aber einen guten Partner an der Seite für die Umsetzung.“