18. Elbe-Saale-Camp beendet/ Sprecherin der Kanalgegner Jutta Röseler

Erst zufrieden, "wenn wir den Kanal beerdigt haben"

Von Caroline Vongries

In Barby ist am Sonnabend das 18. Elbe-Saale-Camp zuende gegangen. 30 Dauergäste zelteten eine Woche lang vor den Toren von Barby nahe der Saalemündung. Dazu kamen Gäste für die jeweiligen Veranstaltungen. Dennoch äußerten sich die Umweltschützer nicht zufrieden. "Wirklich zufrieden sind wir erst, wenn wir das Projekt Saaleausbau beerdigt haben", so Sprecherin Jutta Röseler.

Barby. Alle, die durch Abwesenheit glänzten, die ganze zuständige Ministerriege in Land und Bund, ließ Lars Johannsen zum Abschluss des Elbe-Saale-Camps am Sonnabend in Barby aufmarschieren: Landesbau- und Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre, Landesumweltminister Hermann Onko Aeikens und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Und alle bekamen von dem Kabarettisten der Magdeburger Kugelblitze ihr Fett ab. Denn in Wirklichkeit waren die Promis zur 18. Auflage der Flussrettungsaktion nicht erschienen. Zum Ärger der Umweltschützer, wie deren Sprecherin Jutta Röseler in ihrer Bilanz noch einmal deutlich machte. "Wir haben alle frühzeitig eingeladen, Land und Bund", sagte sie am Sonnabend nach der traditionellen Flussandacht. "Zuerst hieß es, es gebe noch freie Termine, dann waren die innerhalb einer Woche vergeben, am Schluss war niemand der Ausbaubefürworter hier vor Ort." Vor allem bei der Podiumsdiskussion, die fester Bestandteil des Elbe-Saale-Camps ist, machte sich die Abwesenheit der Gegenseite schmerzlich bemerkbar. "Und dann sagen die Politiker immer, wir sollen in Dialog mit ihnen treten", kritisiert Röseler. Die Bauingenieurin gehört von Anfang an mit zu den Gegnern des Saaleausbaus. "Wir sind erst zufrieden, wenn die Ausbaupläne tatsächlich beerdigt sind." Mindestens ein Camp wird es also im nächsten Jahr noch geben.

Die Pläne für den Saalekanal bei Tornitz aus finanziellen Gründen "ohne Gesichtsverlust" fallen zu lassen, habe die Regierung verpasst, erklärt Röseler. "Wir müssen jetzt dranbleiben", erklärt sie die Situation: Nach dem Abschluss des Raumordnungsverfahrens inklusive Umweltverträglichkeitsprüfung steht jetzt offiziell die Planfeststellung an. Das Verfahren, das vom Bund eingeleitet werden muss, hat sich bislang verzögert. Landesregierung und Landtag Sachsen-Anhalts versuchen Druck zu machen und führen die Umweltfreundlichkeit des Transportmittels Schiff sowie den Bedarf und die wirtschaftlichen Impulse ins Feld. Demgegenüber halten die Umweltschützer, deren Aktivitäten vom Aktionsbündnis Elbe-Saale koordiniert werden, das Projekt, das mindestens 100 Millionen Euro kosten soll, für "unsinnig" und "unwirtschaftlich", so Ernst Paul Dörfler. Nach einer Schlacht mit unterschiedlichem Zahlenmaterial und Statistiken zwischen Ausbaubefürwortern und -gegnern, was die geplante Fahrrinnentiefe und -breite, sowie die Beschiffung mit Schubverbänden, deren Wirtschaftlichkeit etc. anbelangt, werde jetzt von offizieller Seite die Wirtschaftlichkeit des Projektes noch einmal neu geprüft, erklärt Jutta Röseler. "Eine Atempause", auf die sie und ihre Mitstreiter jetzt setzen. Außerdem hoffen sie auf politische Unterstützung und möglicherweise neue Mehrheitsverhältnisse nach den Landtagswahlen. "Wir hoffen zunächst auf einen Sinneswandel bei der SPD", sagt Jutta Röseler unverblümt. Vor allem fürchten die Umweltschützer, dass mit dem Bau des Saalekanals durch die Hintertür der Weg für den Ausbau der Elbe frei gemacht wird.

Vor Ort gibt es offenbar Berührungsängste

Am Sonnabend ließen die 30 Campbewohner und ihre Gäste, die zum Teil aus dem weiteren Umfeld angereist waren, die einwöchige Aktion mit einer Flussandacht zuende gehen. Dafür war eigens aus der Nähe von Wittenberge Norbert Krebber angereist. Direkt am Ufer machte er noch einmal auf die Ziele der Umweltschützer aufmerksam, Einfluss zu nehmen. "Einflussnahme" war das Motto des 18. Elbe-Saale-Camps. Am Schluss wurde ein "Stein des Anstoßes" in den Fluss geworfen. "Schade", resümiert Jutta Röseler, sei es, dass auch in diesem Jahr von den vor Ort ansässigen Ausbaugegnern so wenige den Weg ins Camp gefunden hätten. Da gebe es offenbar immer noch Berührungsängste. Auch mit einer erstmals in einer Kirche stattfindenden Veranstaltung habe man wieder nur dasselbe Publikum wie sonst erreicht. Dabei wisse sie, dass es gerade in Tornitz und Werkleitz viele Kanalgegner gebe. "Schließlich liegt man dort bei Hochwasser dann wie in einer Wanne."