Rettungsschwimmer

Es könnte nicht besser laufen

Von Franziska Richter

"Auf eine Tasse Kaffee" an einem ganz besonderen Ort wurde die Volksstimme jetzt eingeladen.

Löderburg l Für die Serie bat Michael Schnock die Redakteurin Franziska Richter auf den Rettungsschwimmerturm. Dort ging es um den "Bomben-Sommer" am Löderburger See.

"Hier sitzt der Rettungsschwimmer", sagt Michael Schnock, der selbst einer von vier Rettungsschwimmern am Löderburger See ist. Auf dem großen Turm hat man den Überblick über den ganzen See, die Plattform mit Piratenflagge und den Strand mit Massen an Badegästen.

Durchgehend heiß

"Es ist eine sauschöne Saison", freut sich der Betreiber des Tourismuszentrums. Seit 1. August waren fast durchgehend 30 Grad. Für den Unternehmer kann es nicht besser laufen. Auch nächste Woche sollen mit 25 Grad gute Badetemperaturen sein.

Michael Schnock erklärt: "Drei zusammenhängend heiße Wochen braucht ein Badbetreiber und die Saison wird gut." Bei den Badegästen ist es nämlich so: "Mal warm, mal kalt - das geht nicht für uns. Die Leute brauchen ein, zwei Tage, um in den Startlöchern zu stehen, bis die Badehose gefunden ist oder ein neuer Bikini gekauft. Ist es dann immer noch heiß, kommen sie zum Baden. Und wer einmal da war, kommt dann jeden Tag."

Verschiedene Typen bei den Badegästen

Michael Schnock hat verschiedene Typen an Badegästen mit unterschiedlichen Gewohnheiten ausmachen können: Die Langzeitbader, die am Wochenende von 9 bis 20 Uhr da sind. Dann die Frühbader, die vor ihrer Spätschicht kommen, und die Abendbader, die nach ihrer Arbeit kommen. "Aber sieht man hier jemanden schwimmen? Nein. Die meisten kühlen sich ab, planschen ein bisschen."

"Die richtigen Schwimmer sind seltener. Das sind in unserem Fall ältere Herrschaften, die hier richtig ihre Bahnen ziehen." Michael Schnock zeigt auf den See, zur Leine mit den Bojen. Die roten, runden Bojen sind alle 50 Meter angebracht. Insgesamt eine Strecke von 350 Meter, die die "richtigen Schwimmer" abarbeiten. Die Gänsefurther Sportbewegung mit der Triathlonabteilung ist noch extremer: Ein Sportler setzt immer sein siebenjähriges Kind in ein Schlauchboot und zieht es schwimmend durch den See.

An die Begrenzung durch die Bojen halten sich alle. "Die Menschen sind unglaublich diszipliniert. Auch sonst kein Ärger. Alle sind absolut friedlich", sagt Michael Schock, der vom Rettungsschwimmerturm den einen oder anderen grüßt. Viele Badegäste kennt er persönlich - die meisten kommen ja öfter.

Kein Ärger, keine Probleme

"Und toi, toi, toi! Außer ein aufgeschlagenes Bein ist diese Saison nichts passiert." Kein Notarzteinsatz, Hitzeschock, allergische Reaktion auf Insektenstiche und kein gebrochenes Bein wie es in anderen Saisons schon vorkam.

Beim Parken sind die Badegäste genauso vorbildlich, auch wenn Michael Schnock es übertrieben findet, Knöllchen zu verteilen, wenn wirklich alle Parkplätze voll sind. Unglücklich findet er auch die Sperrung der Ehlebrücke. Radfahrer aus ganz Europa kommen zum Löderburger See und müssen nun Umleitung fahren.

Omis kommen mit Geldsack

Sonst läuft die Zusammenarbeit mit der Stadt mehr als gut: "Den Stadträten kann ich nur danken, dass sie das Geld für die Treppe zum Strand beschlossen haben", sagt Michael Schnock und erzählt von zwei älteren Damen. "Sie haben im Winter jeden Tag einen Euro für das Baden zurückgelegt, kamen aber ohne Treppe nicht mehr zum Strand. Als die Treppe dann fertig war, standen sie mit einem ganzen Sack mit Münzen hier und sagten: So, ab jetzt sind wir wieder da`."

Baden im Gänsefurther Quellwasser

Unten am Rettungsschwimmerturm saust das Wasser in den See. Es stammt von der großen Wasserrutsche - ein Höhepunkt für viele Kinder. "Und dort hinten im Wald", zeigt Michael Schnock Richtung Athensleben, "fließen jeden Tag 18 000 Kubikmeter Wasser heraus." Eine unterirdische Quelle befördert täglich Unmengen an Quellwasser in den See, das abgepumpt werden muss. Es hat nahezu Trinkwasserqualität. Einen Kilometer weg liegen die Quellen für das Gaensefurther Mineralwasser.

Belgier gibt Schlüssel ab

Da fällt Michael Schnock noch eine lustige Geschichte von einem Radfahrer ein. "Jeden Abend kommen zehn bis 15 Radfahrer hier an und melden sich an der Rezeption an. Ich teile dann die Schlüssel für die Sanitäranlage aus. Ein Belgier sagte mir: \'Den brauch ich nicht, den hab ich schon`". Unterwegs auf dem Radweg R1 hatte der Belgier ein Pärchen getroffen, das den Toilettenschlüssel aus Versehen eingesteckt hatte und er brachte ihn nun zurück. "Da habe ich vielleicht Augen gemacht", lacht Michael Schnock.

Veranstaltungen:

* Piratenfest am Sonntag, 23. August, ab 14 Uhr

* Fledermausnacht am Sonnabend, 29. August, ab 18 Uhr