Chronologie

Am 13. November 2018 kommt es zum Fischsterben nahe Bodewehr in Staßfurt in Verbindung mit einem milchigen Aussehen des Wassers. Der Vorfall ist lange nicht der erste, wie Bürger berichten. Wenig später berichtet das Sodawerk von einem möglichen Zusammenhang mit einer Havarie und Austreten gefährlicher Flüssigkeiten. Behörden erklären danach, das Werk soll mit Notstromversorgung, Staukante und Auffangsystem nachrüsten.

Am 5. August 2019 entdecken Spaziergänger tote Fische am Ufer der Bode in Staßfurt.

Am 7. August 2019, zwei Tage später, werden weitere tote Fische gefunden und die Bode verfärbt sich an dem Abend milchig-weiß. Angler holen nach dem Vorfall rund 200 Kilogramm tote Fische aus der Bode. Polizei und Behörden ermitteln.

Der Oberbürgermeister der Stadt Staßfurt und Landtagsabgeordnete schalten sich ein. Es werden Proben vom Vorfall analysiert, die sich später als unbrauchbar für eine Analyse herausstellen.

Eine Woche später bekennt sich die Ciech Soda in Staßfurt zu der milchigen Verfärbung, die durch Einleitungen entstanden sein könnten, jedoch nicht zu dem Fischsterben. Staßfurter beginnen Unterschriften zu sammeln, die sie am 30. August 2019 dem Landtag übergeben.

Staßfurt l Fischsterben, verfärbtes Wasser und schließlich große öffentliche Debatten. Als das Fischsterben im August 2019 Staßfurt überschwemmte, ergriff auch Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) die Initiative und gründete den Arbeitskreis „Staßfurt – Pro Bode“.

Mit diesen Worten lud Sven Wagner damals zu der Runde ein: „Als Oberbürgermeister sehe ich mich in der Pflicht, gemeinsam zu beraten, wie die Bode kurz- und langfristig vor umweltschädlichen Einflüssen geschützt werden kann.“

Details aus allen Fachbereichen

Was ist aus dem Projekt geworden? Der Arbeitskreis war zunächst als „Ämterkonferenz“ gestartet. Das heißt, Vertreter diverser Behörden, die mit Natur und Umweltschutz zu tun haben, haben intern beraten. Eingeladen hatte der Oberbürgermeister nach Staßfurt zum ersten Mal am 15. Januar und dann am 4. März 2020, informiert das Rathaus. „Ein vorgesehener Termin für Juni konnte aufgrund der Corona-Pandemie nicht einberufen werden.“

Es wurden jede Menge Informationen ausgetauscht. In Sachen Bode, Industrie und Flusswirtschaft konnten verschiedene Behörden aus unterschiedlichen Perspektive Details beitragen. Anwesend bei den beiden Ämterkonferenzen waren unter anderem Vertreter der Stadt Staßfurt mit dem Oberbürgermeister, der Ciech Soda in Staßfurt mit dem Geschäftsführer und weiteren Mitarbeitern sowie Salzlandkreisverwaltung, Umweltministerium oder Landesbetrieb für Hochwasserschutz LHW.

Chemische Stoffe und Co.

Eruiert wurde in den Runden das neue „Sondermessprogramm“ des Umweltministeriums, was das Einleiten von chemischen Stoffen in die Bode von September bis Dezember 2019 genauer überwachte. Der Gewässerkundliche Landesdienst berichtete über weitere Messstellen an Bode-Wehr und Liethe-Mündung, über die er die Einleitungen des Sodawerks zusätzlich kontrolliert.

Thema war ebenfalls das „Niedrigwasserbewirtschaftungskonzept“, das weiterentwickelt werden soll. Darüber kann das Sodawerk die Einleitung von Produktionsabwasser in die Bode an niedrige Wasserstände anpassen. Ebenso sollen im Arbeitskreis weitere Möglichkeiten des Sodawerks besprochen worden sein, die den Wasserzustand der Bode verbessern können. So können zum Beispiel Wassermengen, die aus der Bode für Kühlprozesse entnommen werden, angepasst werden.

Welche Maßnahmen generell für die Bode vorgesehen sind, erklärten die Mitarbeiter des LHW anhand des Gewässerentwicklungskonzepts. Die europäische Wasserrahmenrichtlinie gibt eine Bewirtschaftung der Bode vor, die den Zustand des Flusses langfristig verbessern soll.

Schutzgebiet und EU-Recht

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, die dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitaten) dient, weist von behördlicher Seite weitere Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für den Fluss auf. Dabei gehören Bode und Selke im Harzvorland zu diesen „FFH-Gebieten“ und sind speziell geschützt.

Der Landesbtrieb für Hochwasserschutz informierte über den neuesten Stand beim „Hochwasserrisikomanagementplan“, Deichsanierung und den Bau von Hochwasserschutzanlagen in Löderburg sowie neue Fischaufstiegsanlagen im Staßfurter Bereich.Die Stadtverwaltung besprach den aktuellen Stand bei der dezentralen Wasserhaltung im Stadtgebiet.

Mit Lockerung der Corona-Beschränkungen soll demnächst das dritte Treffen des Arbeitskreises „Pro Bode“ in Staßfurt stattfinden. „Wir orientieren jetzt auf die zweite Septemberhälfte, die Terminabstimmung läuft“, heißt es aus dem Rathaus.

Angler und Tourismus

Ab September soll sich die Runde öffnen und weitere Gruppen einbeziehen. Über künftige Themenschwerpunkte wolle man sich dem Thema noch detaillierter annehmen. Erstes Sonderthema im September soll „Tourismus und Angelsport“ sein. Dabei werde der Teilnehmerkreis erweitert und zum Beispiel um Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung dabei sein sowie Angler eingeladen werden.

Der Bode werde in Staßfurt, so Oberbürgermeister Sven Wagner, ein besonderer Stellenwert zuteil. „Sie ist Anziehungspunkt für Freizeitaktivitäten und von touristischer Bedeutung. Die Sauberkeit und Attraktivität des Flusses liegen den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Staßfurt sehr am Herzen.“