Pfarrer Gottfried Eggebrecht bezieht sich in seiner Predigt zum Tag der Autobahnkirchen auf aktuelles Ereignis

Flut zeigt, dass Menschen nicht alles im Griff haben

Von Daniel Wrüske

Als "Rastplätze für die Seele" verstehen sich die 40 Autobahnkirchen in Deutschland, acht dieser Gotteshäuser gibt es allein in Mitteldeutschland. Die Kirche St. Petri in Brumby ist eine von ihnen. Auch hier wurde, wie in den anderen "Seelen-Rastplätzen", am Sonntag ein Gottesdienst anlässlich des Tages der Autobahnkirchen gefeiert.

Brumby l Der Brumbyer Pfarrer Gottfried Eggebrecht nahm in seiner Predigt dabei gleichermaßen Bezüge zur Funktion der Autobahnkirchen wie auch zum aktuellen Hochwassergeschehen in der Region. Ein Thema, so sagt er, dem sich wohl gegenwärtig niemand entziehen könne. Das merken auch die Leute im Ort. Sie haben Bekannte und Freunde aus dem Elbe-Saale-Winkel aufgenommen, deren Dörfer nach einem Deichbruch überschwemmt sind und die momentan teilweise nicht in ihre Häuser dürfen. Als Predigttext wählte der Geistliche die Josef-Geschichte aus dem Alten Testament der Bibel. Sie beschreibt eindrucksvoll und bildreich, wie ein Mann, Josef, trotz aller Schicksalsschläge, trotz Verrat und Verkauf seiner Brüder, Verleumdung, Unterstellung, trotz vieler widriger äußerer Einflüsse im Glauben an Gott festhält. Josef wird nach Sklaverei und Gefängnis groß, ein mächtiger Mann. Die gemalten wertvollen Bildtafeln an den Emporen der Brumbyer Kirche zeigten den Gottesdienstbesuchern, worum es in der Josef-Geschichte geht.

Und in dieser Erzählung fand Pfarrer Gottfried Eggebrecht die Verbindung zur Gegenwart. Die Flut zeige, dass die Menschen eben nicht alles im Griff hätten, dass nicht alles machbar sei. "Unser Leben ist gefährdet, nicht unbedingt durch andere, die uns Böses wollen, sondern immer auch durch ein plötzliches Geschehen, dass uns nicht in den Plan passt", sagte der Pfarrer in seiner Predigt. "Auch Unachtsamkeiten gehörten dazu, das merke man besonders eben auch auf der Autobahn. Nur eine kleine Unaufmerksamkeit, von mir selbst oder eines anderen, kann schwerwiegende Folgen haben."

Die Josef-Geschichte zeuge, so Pfarrer Gottfried Eggebrecht, dass für Gott damit die Situation nicht gesetzt ist. "Er hat seinen Plan mit den Menschen, auch wenn vieles zunächst als unverständlich und leidvoll ausgehalten werden muss. Gott macht alles gut", sagt der Pfarrer. "Der Glaube daran sei ein trotziger. Die Hoffnung und der Glaube blicken voran und sagen: Trotzdem!"

In den Fürbitten betete die Gemeinde besonders für alle Flutopfer und die Helfer, für alle Reisenden und für alle, die unterwegs im Leben sind. Die Brumbyer sammelten auch für die vom Hochwasser Betroffenen. Die Kollekte wird über die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands an die Menschen verteilt.

Am Ende des Gottesdienstes zum Tag der Autobahnkirchen erteilte Pfarrer Gottfried Eggebrecht allen einen besonderen Reisesegen. Das gemeinsame Kaffeetrinken im Kirchgarten rundete den Tag der Autobahnkirchen in Brumby ab.

Die Brumbyer St.-Petri-Gemeinde lädt am kommenden Sonntag zu einem Konzert und zum Johannisfeuer ein. Das "Vocalis Ensemble Dresden" singt unter der Leitung von Elena Beer ab 18 Uhr in der Brumbyer Kirche. Anschließend ist gemütliches Beisammensein auf dem Kirchhof mit Getränken am Johannisfeuer geplant.