Hohenerxleben l Es ist eines der kleinsten Dörfer der Stadt Staßfurt, doch die Lokalpolitiker und Einwohnern zeigen sich in Hohenerxleben politisch aktiv. Die angekündigten 300 Euro, die Trauernde in Zukunft für die Nutzung einer Friedhofskapelle oder Trauerhalle in Staßfurt und den Ortsteilen zahlen sollen, rief die Einwohner bei der Ortschaftsratssitzung am Dienstag auf den Plan.

Die Hohenerxlebenerinnen Helga Schäfer, Ingrid Plan, Gisela Meyer und Brunhilde Grope, die auch im Heimatverein aktiv sind, haben von der Debatte um die Friedhöfe und die Gebühren, die der Stadtrat noch im Oktober neu beschließen soll, gehört. Daher haben sie an ihren Ortschaftsrat Hohenerxleben einen Brief geschrieben, mit der Bitte, sich in der Staßfurter Politik gegen die Gebühr von 300 Euro einzusetzen.

Der Brief beginnt mit den neuen Grundsteuern und den Kita-Gebühren, mit denen den „Menschen bereits in die Tasche gegriffen“ wurde. Mit den 300 Euro für eine Kapellennutzung (aktuell 150 Euro) laufe nun das Fass über. „Die Kapelle wurde seit 20 Jahren nicht erneuert“, schreiben die Damen im Brief. Die Kosten von 300 Euro können sie sich auch deshalb nicht erklären, weil die Kapelle vor über 35 Jahre in einer Feierabendbrigade gebaut wurde und keine Schulden mehr auf dem Gebäude liegen. Die Kerzenständer seien 20 Jahre alt. Bei diesem Zustand der Trauerhalle auch noch 300 Euro zu verlangen, entspreche nicht mehr einer würdigen Verabschiedung.

Erbost

Für Einwohner und Ortschaftsräte sind 300 Euro viel Geld. Ortsbürgermeisterin Marianne Nebel meinte: „Ich bin dafür, bei 150 Euro für die Kapellennutzung zu bleiben, gerade bei dem Zustand.“ Ortschaftsrat Helmut Müller war empört: 160 D-Mark hat eine Trauerfeier 1996 gekostet, 2003 waren es 115 Euro, jetzt 150 Euro und die geplanten 300 Euro wären eine Kostensteigerung von 100 Prozent. „Da kriege ich so einen Hals“, schimpft er. Ortschaftsrätin Ilona Franke sagte, die komplette Diskussion zu den Friedhofsgebühren sei „beschämend“. Es sei furchtbar, dass man sogar bei Trauernden noch mehr Geld herausholen wolle. Sie schlug übrigens auch vor, die halbanonyme Bestattungsart der Erdbestattung auf einer Grünen Wiese in Staßfurt möglich zu machen.

„Ich frage mich, ob für die Leute, die sich das ausgedacht haben, 300 Euro einfach nicht viel Geld sind“, sagte Ingrid Plan nach der Sitzung. In Hohenerxleben zeigten sich die anwesenden Bürger insgesamt sehr enttäuscht über das gesamte Friedhofswesen im Ort. Sie zählten verschiedene Schäden, Probleme und Missstände auf ihrem Friedhof auf.

Dennoch ist die Begründung für die 300 Euro auch in Hohenerxleben bekannt, die die Stadtverwaltung allerorts betont: Denn eigentlich wären für eine Kapellennutzung in den Ortsteilen zwischen 400 bis über 1000 Euro fällig, wenn man die von Experten errechnete Kalkulation zugrunde legt. Das ergibt sich aus den Unterhaltungskosten der Gebäude, umgelegt auf tatsächliche Nutzerzahlen. Oberbürgermeister Sven Wagner aber hatte, weil auch ihm diese Summen zu hoch erschienen, einheitlich 300 Euro für die Kernstadt und die Ortsteile in die Satzung schreiben lassen, um sozial verträgliche Gebühren anbieten zu können. Allerdings ist diese Gebühr bereits in anderen Ortschafträten und im Bau- sowie im Finanzausschuss durchgefallen. Auch der Stadtseniorenbeirat hält davon nichts. Alle Gremien fordern bisher die genannten 150 Euro für Stadt und Ortschaften.