Umbau

Gestiegene Kosten sind nicht tragbar

Warum die Stiftung Staßfurter Waisenhaus von Kauf und Umbau der Berufsschule der „Fernsehgerätewerke Staßfurt“ Abstand nimmt.

Staßfurt l Einsam und verlassen steht die ehemalige Fernsehwerk-Betriebsschule in der Löderburger Straße in Staßfurt gegenüber eines belebten Einkaufszentrums. Bürger hasten zu Fuß oder fahren mit dem Auto dran vorbei, ohne dem Gebäude Beachtung zu schenken. Beinahe wäre in naher Zukunft neues Leben eingezogen.

Doch die Stiftung Staßfurter Waisenhaus, die das Gebäude für 30 000 Euro kaufen und umgestalten wollte, nimmt nun Abstand davon. „Wir haben im Sommer noch einmal mit spitzem Bleistift durchgerechnet“, erklärt der stellvertretende Geschäftsführer Steffen Gaede. Die wirtschaftliche Neuüberprüfung hat ergeben, dass die gestiegenen Baukosten für die Stiftung nicht mehr tragbar sind. Dabei hatte der Stadtrat bereits Platz gemacht für eine Umwidmung. Die Änderung des Bebauungsplans - eine wichtige Hürde bei der Neunutzung zu einer Fläche als „eingeschränktes Gewerbegebiet“ - war als Beschluss im Stadtrat durchgewunken worden.

Anfang September diesen Jahres hatte die Stiftung der Stadt aber mitgeteilt, dass sie von der Nutzung der alten Fernsehwerk-Schule Abstand nimmt. Die Stiftung wollte in dem Gebäude unter anderem eine Küche zur Eigenversorgung, eine Wäscherei, einen Teil der Verwaltung und Räume für die Betreuung von Behinderten in ambulanter Tagespflege unterbringen.

Finanziert werden sollte der umfassende Ausbau mit Eigenmitteln der Stiftung sowie verschiedenen Krediten bei Banken ohne Beteiligung öffentlicher Träger. Ursprünglich war dafür eine Summe im niedrigen einstelligen Millionenbereich angedacht. „Mit den Jahren sind die Kosten aber um 15 bis 20 Prozent gestiegen“, sagt Gaede. Also um eine Summe im niedrigen sechsstelligen Bereich. Grund dafür sind laut Gaede die gestiegenen Anschaffungskosten für Maschinen oder Heizungskörper. Nicht mal unbedingt die direkten Baukosten.

Ob es in naher Zukunft eine Rolle rückwärts geben wird, wenn die Stiftung wieder über geeignete finanzielle Mittel verfügt? Nicht nur für Gaede ist das fraglich. „Wir haben das Vorhaben erst einmal zurückgestellt. Gegenwärtig planen wir keine Erweiterung mehr“, sagt er. „Wir konzentrieren uns jetzt auf unsere Kernthemen.“ Also das Engagement im sozialen Bereich und die weitere Etablierung sozialer Einrichtungen in der Stadt.

So bleibt das Gebäude im Staßfurter Norden also weiter ungenutzt. Bis 2011 war die Liegenschaft als Berufsschule durch den Salzlandkreis genutzt worden. Im Jahr 2014 zogen vorübergehend Schüler der Staßfurter Sekundarschule „Am Tierpark“ in das etwa um 1970 gebaute Plattenbau-Gebäude ein, als die Schule umgebaut wurde. Seit September 2014 ist das 6705 Quadratmeter große Grundstück mit mehreren Nebengebäuden ungenutzt.

Viele Jahre versuchte der Salzlandkreis sich von dem leer stehenden Gebäude zu trennen und es zu verkaufen, stellte auch die Versorgung mit Strom und Fernwärme ein. Nun ist der Interessent also abgesprungen. Die Suche nach einem Käufer für das Gebäude geht weiter.