Schönebeck/Staßfurt/Haldensleben l Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Arbeitsbedingungen für das medizinische Personal erschwert. Wegen der Covid-19-Pandemie wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Dazu gehören auch Corona-Tests der Belegschaft. Laut der nationalen Teststrategie des Robert-Koch-Institutes (RKI) sollen Krankenhaus-Mitarbeiter in Gebieten mit einem Sieben-Tage-Inzidenzwert über 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner regelmäßig getestet werden. In ganz Sachsen-Anhalt liegt der Wert seit vielen Wochen deutlich darüber. So auch im Salzlandkreis und im Landkreis Börde. Doch in mehreren Ameos-Einrichtungen sind Mitarbeiter nicht regelmäßig getestet worden.

Im Krankenhaus Aschersleben-Staßfurt berichtet der Betriebsratsvorsitzende Andreas Rossa: „Es wird nicht flächenmäßig getestet.“ Dabei würde der Betriebsrat immer wieder nachfragen. Mehrfach gab es den Wunsch der Belegschaft, dass die Mitarbeiter ein- oder zweimal die Woche getestet werden. Ähnlich ist es in Schönebeck. „Es gab nur Testungen bei Bedarf“, berichtet der Betriebsratsvorsitzende André Koch. Nun sollen aber in Schönebeck laut Koch flächenmäßige Tests eingeführt werden.

Kein Test nach Kontakt zu Infizierten?

Im Krankenhaus Haldensleben bestätigen zwei Mitarbeiter, dass Ameos keine regelmäßigen Corona-Tests in der Belegschaft vornimmt. Beide geben an, sie seien nach Ausbruch der Pandemie im März 2020 nicht regelmäßig getestet worden, sondern lediglich wenige Male auf eigenen Wunsch. Dabei seien auch keine stichprobenartigen Abstriche vorgenommen worden. Tests werden lediglich vorgenommen, wenn ein Mitarbeiter Bedarf signalisiert.

Das bestätigt auch der Betriebsratsvorsitzende André Franz auf Volksstimme-Nachfrage. Es habe Mitarbeiter gegeben, die Kontakt zu einem Covid-19-Infizierten gehabt hätten und nicht getestet wurden. Das habe teils für Unmut gesorgt. „Es werden definitiv keine regelmäßigen Tests der Mitarbeiter durchgeführt“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Es gebe einige Stationen im Klinikum in Haldensleben, die regelmäßig getestet werden, andere hingegen nicht. Doch das widerspricht den Vorgaben.

Laut der nationalen Teststrategie des Robert-Koch-Institutes (RKI) sollen Mitarbeiter einmal in der Woche getestet werden, wenn der Inzidenzwert über 50 liegt. Auch ohne positiven Covid-19-Fall in der Belegschaft oder bei Patienten. Ebenfalls ist vorgegeben, dass ein positiver Antigentest mittels PCR-Test bestätigt werden muss. Der PCR-Test gilt als verlässlichere Methode, um eine Corona-Infektion nachzuweisen.

Das Gesundheitsamt des Landkreises Börde als zuständige Behörde gibt auf Volksstimme-Anfrage bekannt, dass medizinische Einrichtungen wie Ameos verpflichtend Testkonzepte einreichen müssen. Das besagt die aktuelle Testverordnung des Bundes. Das Testkonzept von Ameos sei im vierten Quartal geprüft worden. Es war „inhaltlich nicht zu beanstanden“, so der Landkreis. Was genau dort festgehalten ist, wurde nicht mitgeteilt. Der Landkreis teilte mit, dass die Erlaubnis für Schnelltests erteilt worden ist. Ähnlich ist es im Salzlandkreis.

Mehrere Häuser ohne regelmäßige Tests

Ameos-Pressesprecherin Maren Brandt teilt zu der Problematik mit: „Gemäß den Empfehlungen der nationalen Teststrategie haben wir festgelegt, dass bei Ausbruchssituationen alle identifizierbaren Kontaktpersonen innerhalb des Klinikums getestet werden. Ebenso werden alle symptomatischen Mitarbeitenden getestet.“

Weiter heißt es: „Eine routinemäßige Testung ist nicht Teil unserer Teststrategie, da sie lediglich eine Momentaufnahme darstellt und den/die Getesteten möglicherweise in falscher Sicherheit wiegt.“ Viel wichtiger als die Testung seien die bekannten Hygienemaßnahmen – nämlich Abstand, Händedesinfektion und Mund-Nasenschutz. „Ein Test schützt nicht vor einer Infektion, die genannten Maßnahmen sehr wohl – wenn sie konsequent sowohl im beruflichen wie auch privaten Umfeld beachtet und umgesetzt werden“, so Brandt.

Damit bestätigt der Krankenhausbetreiber, dass er sich nicht an die nationale Teststrategie hält und keine wöchentlichen Tests vorsieht. Betriebsratsvorsitzender André Franz aus Haldensleben berichtet, es habe einen Fall gegeben, bei dem medizinisches Personal auch nach einem Covid-19-Kontakt nicht getestet wurde, was für Unmut unter den Mitarbeitern sorgte.

Seit Beginn der Pandemie wird laut Maren Brandt „jeder Mitarbeitende bei Dienstantritt über Symptome einer Infektion befragt und beim geringsten Verdacht getestet“. Klar ist, dass nicht jeder Corona-Infizierte auch entsprechende Symptome zeigt und trotzdem Überträger des Virus sein kann, deswegen empfiehlt das RKI regelmäßige Reihen-Testungen bei medizinischen Personal.

Dabei gibt es Stationen in den Krankenhäusern, die regelmäßig getestet werden. Laut Brandt haben alle Mitarbeitenden mit direktem Kontakt zu Covid-Patienten in Risikobereichen wie beispielsweise der Isolationsstation und der Intensivstation die Möglichkeit, sich wöchentlich testen zu lassen.

Das bestätigt zum Beispiel Iris Hahn, Betriebsratsvorsitzende beim Bernburger Krankenhaus. „Auf der Intensivstation gibt es für die Mitarbeiter alle zwei Tage einen Schnelltest und einmal die Woche einen PCR-Test“, sagt Iris Hahn. Schnelltests für die Mitarbeiter gebe es seit Dezember. Verpflichtend sind die Tests nicht, das Angebot würde aber gut angenommen von den Mitarbeitern. Dadurch seien aber natürlich die Infektionszahlen nach oben gegangen. Auch beim Personal.

Dass es durchaus regelmäßige Testungen gibt bestätigt auch Arlett Bartels, Betriebsrätin im Bereich Pflege und Eingliederung im Haldensleber Klinikum. Die 80 Mitarbeiter werden ihren Angaben nach zwei Mal wöchentlich getestet.

„Prinzipiell gilt, dass medizinisches Personal mit Krankheitssymptomen der Arbeit fernbleibt und dieses erst bei Symptomfreiheit wieder aufnimmt. Die Voraussetzung zur Wiederaufnahme der Tätigkeit bei positivem Corona-Test sind 48 Stunden Symptomfreiheit und das Vorliegen von zwei negativen PCR-Untersuchungen im Abstand von mindestens 24 Stunden. All diese Maßnahmen und Vorgehensweisen erfolgen in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt“, teilt Maren Brandt mit.

Im Klinikum in Halberstadt (Landkreis Harz) bestätigte Betriebsrätin Anette Blume-Erl ebenfalls, dass bei Mitarbeitern ein Corona-Test durchgeführt wurde, wenn sie Bedarf signalisiert haben. Ob es zu wenige Tests gab, darüber wisse sie nichts. Es habe bisher jedoch keine Beschwerden von Mitarbeitern gegeben.

Tests an anderen Krankenhäusern

Andere Krankenhäuser, die nicht zur Ameos-Gruppe gehören, halten sich hingegen an die RKI-Empfehlungen. Die Helios Bördeklinik in Neindorf (Stadt Oschersleben) teilt mit, dass die Belegschaft einmal pro Woche getestet wird. Im Klinikum Pfeiffersche Stiftungen in der Landeshauptstadt Magdeburg und der Lungenklinik in Lostau (Landkreis Jerichower Land) werden die Mitarbeiter „grundsätzlich ein Mal pro Woche“ per Antigen-Schnelltest getestet, heißt es von der Pressestelle. In einigen Bereichen wie den ambulanten Pflegediensten werden die Mitarbeiter den Angaben nach zwei Mal wöchentlich auf das Coronavirus getestet.