Feuerwehreinsatz

Giftige Chemikalien bei Brumby ausgetreten

Ein mit giftigen Chemikalien beladener Lastwagen hat Leck geschlagen und die gefährlichen Stoffe treten aus. Die Kurzfassung gibt es im Video.

Von Paul Schulz
Am Dienstag kam es auf dem Autohof in Brumby nahe Calbe zu einem Großeinsatz der Feuerwehr. Giftige Chemikalien traten aus einem Gefahrgut-Container aus. Foto: Thomas Schulz Thomas Schulz

Brumby. Zahlreiche Einsatzkräfte werden am Dienstagnachmittag, gegen 17 Uhr, auf den Autobahnrastplatz „Am Heidefuchsberg“ bei Brumby gerufen. Es droht eine Umweltkatastrophe: Ein mit giftigen Chemikalien beladener Lastwagen hat Leck geschlagen und die gefährlichen Stoffe treten aus. Die Kurzfassung gibt es im Video.

Insgesamt 117 Männer und Frauen der Feuerwehren Staßfurt, Brumby, Südliche Börde, Neundorf, Rathmannsdorf, Hohenerxleben, Güsten, Bernburg und Calbe sowie Polizei, das Ordnungsamt Staßfurt und das Umweltamt des Salzlandkreises sind vor Ort.

„Wir wurden mit der Info alarmiert, dass Gefahrstoffe aus einem Container austreten. Das hat sich bei unserem Eintreffen dann auch bestätigt. Der Fahrer des Lasters zeigte uns die Ladungspapiere, so dass wir feststellen konnten, um was für Stoffe es sich handelt“, sagt Thomas Esch, stellvertretender Wehrleiter der Staßfurter Feuerwehr.

Identifizierung mittels App

Es stellt sich heraus: Der aus dem Container austretende Stoff trägt die Bezeichnung „UN3077“. Wo die Kameraden vor ein paar Jahren noch dicke Ordner durchwälzen mussten, um näheres über die Chemikalie zu erfahren, da reicht heute das Tablet und eine App. Die Nummer des Gefahrguts wird eingegeben, und die Kameraden gelangen innerhalb kürzester Zeit an wichtige Informationen rund um die Chemikalie. Demnach handelt es sich um Nickel-Hydroxid. Das bestätigt auch eine Mitteilung aus der Pressestelle des Salzlandkreises. Der Transporter habe unter anderem Nickel-Hydroxid zur Entsorgung geladen, teilt Marianne Bothe aus der Pressestelle des Kreises mit.

Laut elektronischem Einsatzleiterhandbuch ist die Chemikalie umweltschädlich und für Haut, Augen und Atemwege gefährlich. Ein Blick in online einsehbare Sicherheitsdatenblätter unterstreicht das. Darin ist nachzulesen, dass Nickel-Hydroxid krebserregend ist und vermutlich auch genetische Defekte verursachen kann. Giftig ist es zu allem Überfluss auch noch. Die Chemikalie darf laut Einsatzleiterhandbuch nur von speziellen Fachfirmen geborgen und entsorgt werden. Und ohne Atemschutzgeräte und ABC-Schutzanzug ist bei diesen Gefahren an einen Einsatz nicht zu denken.

Trupp erkundet Lage

Also rückt zunächst ein Trupp unter Vollschutz zur Lageerkundung aus. Dabei wird nach dem Leck gesucht und überprüft, ob man es stopfen kann. Der Rastplatz ist derweil weiträumig abgesperrt. Außer den Einsatzkräften darf sich keine Menschenseele in dem Areal aufhalten. „ABC-Einsätze sind grundsätzlich schon eine gefährliche Angelegenheit“, so Thomas Esch.

Von den Einsatzkräften wird festgestellt, dass 15 bis 20 Tropfen pro Minute aus dem Container austreten. Insgesamt sollen zwischen 50 und 80 Liter der umweltschädlichen Flüssigkeit so aus dem Behälter gelangt sein. „Die bereits ausgetretene Flüssigkeit haben wir mit einem Bindemittel gebunden. Unter dem Leck haben wir eine Edelstahlwanne aufgestellt, um die Flüssigkeit aufzufangen“, so Esch.

Umweltschäden verhindern

Insgesamt sind nun vier Trupps unter Vollschutz damit beschäftigt Umweltschäden zu verhindern. Darüber hinaus wird eine Spezialfirma kontaktiert, die die Chemikalien entsorgen kann und darf. Bis diese eintrifft vergehen jedoch anderthalb Stunden. Zeit genug für die Kameraden, um noch eine Probe des Gefahrguts sicherzustellen, welche später labortechnisch untersucht werden soll.

Der Einsatz unter Vollschutz ist derweil mit einem großem Aufwand verbunden. Es müssen nämlich auch mobile Dekontaminationsduschen aufgebaut, Wasser beschafft und erwärmt werden, erklärt Thomas Esch. Diese Aufgaben haben die Kameraden der Güstener Wehr erfüllt, die mit einem Dekontaminationsfahrzeug vor Ort sind.

Dusche für Dekontamination

Darauf befinden sich alle nötigen Elemente für Aufbau und Betrieb der beheizten Dekontaminationsdusche, die für ABC-Einsätze unerlässlich ist. Nach rund fünf Stunden ist der Einsatz beendet. Mensch und Natur scheinen die Havarie unbeschadet überstanden zu haben. Als Glück im Unglück könnte man es wohl bezeichnen, dass sich die ausgetretene Flüssigkeit auf einer asphaltierten Fläche gesammelt hat und somit nicht in den Boden sickern konnte.

Dass der Zwischenfall glimpflich verlaufen ist, bestätigt auch Marianne Bothe aus der Pressestelle des Salzlandkreises. Es bestand „keine unmittelbare Gefahr für Mensch und Umwelt“, zieht Bothe Bilanz.

Gefahr gebannt

Auch Mitarbeiter des Umweltamtes des Salzlandkreises machten sich selbst ein Bild von der Lage auf dem Rastplatz bei Brumby. „Es wurden Proben entnommen, und der Transporter wurde vollständig abgedichtet. Somit bestand keinerlei Gefahr mehr, wie Mitarbeiter des Landkreis-Umweltamtes vor Ort bestätigen konnten“, teilt Bothe weiter mit.

Wieso die als Gefahrgut eingestufte Chemikalie aber überhaupt auslaufen konnte beziehungsweise wie das Leck zustande kam, ist laut Marco Kopitz, Sprecher beim Polizeirevier Salzlandkreis, noch nicht festgestellt worden.