Rathmannsdorf l Die kleine Zuckertüte war das richtige Geschenk für den gestrigen Tag. Diese brachte Oberbürgermeister Sven Wagner mit nach Rathmannsdorf. Als der offizielle Teil mit verschiedenen Ansprachen, Glückwünschen und Präsenten vorbei war, durften sie endlich: Die Kinder, die ab August und dem nachfolgenden Schuljahr eingeschult werden, stürmten das große Foyer ihrer neuen Schule. Sofort inspizierten sie die vier Klassenräume im Erdgeschoss und eilten die Treppe nach oben. Die Jungs lugten frech ins Lehrerzimmer, die Mädels traten auf die Feuertreppe hinaus.

18 Kinder werden ab 19. August die „erste“ 1. Klasse der neuen Grundschule bilden. Am 17. August ist Einschulungsfeier in der Kirche. Ab 1. August nutzt ein Großteil der Kinder schon den Hort, der dort ebenfalls neu ist. „Bestimmt zehn Anmeldungen haben wir bereits für das folgende Schuljahr“, sagt Standortleiter Steffen Berendt über 2020/2021.

22 Kinder ist Maximum

Die 18 Kinder, die im August eingeschult werden, stammen vorwiegend aus der Umgebung, Hohenerxleben, Staßfurt, Bernburg und Neundorf. Nur vier von ihnen leben in Rathmannsdorf. Vorerst will man bei je einer Klasse pro Klassenstufe bleiben. 22 Kinder ist die maximale Klassenstärke.

Eine Schulleiterin, zwei Lehrer und eine Sekretärin beginnen im August ebenfalls einen neuen Berufsabschnitt. „Weitere Einstellungen planen wir ab 2020/21“, so Berendt.

Über 100 Gäste bestätigten das große Interesse an der neuen Schule bei der Einweihungsfeier am Donnerstag. Durch die „Möglichkeit auf das Kind individuell einzugehen und kleine Klassenstärken“ erhofft sich zum Beispiel Michaela Fischer aus Staßfurt für ihre Tochter Alexa eine hervorragende Grundschulbildung.

Ansturm auf freie Schulen

Der Träger der Schule ist das Berufliche Bildungs- und Rehabilitationszentrum BBRZ. Norbert Falke, Vorstandsmitglied des BBRZ, rechnet mit weiterem Ansturm: „In Aschersleben gibt es freie Schulen mit Wartelisten von drei Jahren“, sagt er. Er erklärt sich die Attraktivität der freien Schulen mit Zusatzangeboten zum und für den Unterricht, mit freierer Unterrichtsgestaltung und dem Konzept im Hintergrund.

Die Rathmannsdorfer Grundschule nennt sich offiziell nämlich „Bekenntnisschule“. Sie will das christliche Menschenbild auch außerhalb des Religionsunterrichtes durch Gewissensbildung, Wertevermittlung und soziales Denken lehren. Dabei soll mit der evangelischen Gemeinde im Ort eng zusammengearbeitet werden, Unterricht zum Teil in der Kirche stattfinden. „Wir wollen eine freie, offene, kreative, kinderfreundliche und integrative Schule sein und werden mit dem Montessori-Gedanken und dem Jena-Plan arbeiten“, erklärt Falke. Letzteres bedeutet individuelle Förderung in der Gemeinschaft statt Leistungsdruck und -vergleiche.

Neue Einrichtung

Während das Gebäude fertig ist, wartet das Team in Rathmannsdorf noch auf weitere Möbel, die am Montag geliefert werden. Auf dem Schulhof müssen noch Spielgeräte aufgestellt werden. Schulbänke und Tische stehen schon in den Klassenzimmern, von denen ab August erst einmal nur eines gebraucht wird. Im Obergeschoss befinden sich zwei weitere Klassenräume. Einer soll für Elternversammlungen genutzt werden, der andere für Projekte der Lehrer. Dazwischen liegen Sekretariat, Schulleiterzimmer und Lehrerzimmer. Mit Rampe am Eingang und Behinderten-WC ist das Gebäude barrierefrei.

Bei der Grundschule Rathmannsdorf handelt es sich um eine freie Schule, die keinerlei Gelder von der öffentlichen Hand erhält und völlig unabhängig von der Stadt ist. Das Schulgeld beträgt monatlich 150 Euro. Der Schulbetrieb, für den hohe Ausgaben erforderlich sind, wird sich erst ab dem dritten Jahr wirtschaftlich tragen, so Falke.

Bis dahin gleiche das BBRZ aus und hoffe auf „eine bessere Finanzierung der freien Schulen durch das Land“. Ein Förderverein soll die Schule unterstützen, unter anderem beim Kauf von Spielgeräten für den Schulhof. Vor einem Jahr hatte man begonnen, das ehemalige Sozialgebäude auf dem Hof des BBRZ umzubauen.