Beisetzungen

Im Streit mit Staßfurter Bestattern kommt plötzlich neue Firma ins Spiel

Eine hitzige Debatte lieferten sich Bestatter Ralf Kahle, Kommunalpolitiker und Oberbürgermeister im Stadtrat Staßfurt. Das Thema Urnenbestattungen fand ein abruptes und überraschendes Ende, sehr zum Missfallen der Bestatter.

Von Franziska Richter
Begeisterung sieht anders aus: Die Bestatter Ralf Witschaß (von rechts) und Ralf Kahle verfolgen die Debatte im Stadtrat.
Begeisterung sieht anders aus: Die Bestatter Ralf Witschaß (von rechts) und Ralf Kahle verfolgen die Debatte im Stadtrat. Foto: F. Richter

Staßfurt - Mit Kopfschütteln und Empörung verfolgen die Bestatter Ralf Kahle von „Pietät“ und seine Kollegen von „Kaiser“ am Donnerstag den Stadtrat vom Publikum aus. Eben hatte Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) seine Erklärungen zu dem Disput wiederholt: Das neue Friedhofskonzept, das viele weitere Punkte umfasst, war ewig mit allen Stadtratsfraktionen besprochen worden und es herrschte Einigkeit darüber, dass die Bestatter das Ausheben der Urnengruften in Zukunft anstelle der Stadt übernehmen sollen. Umso ärgerlicher für den OB, dass jetzt kurz vor dem Stadtratsentscheid alles ins Wasser fallen soll.

OB hat neuen Dienstleister gefunden

Dennoch hatte Wagner die eindeutige Ablehnung der drei Bestattungsunternehmen Kaiser, Pietät und Wetterling vernommen und die Woche noch versucht, etwas zu retten: „Ich habe Gespräche geführt und jemanden gefunden, der das Ausheben der Urnengruften in Staßfurt übernimmt. Die Bedenken der Bestatter kann ich nun ausräumen. Mehr möchte ich dazu aber hier nicht sagen“, so Wagner, als ginge es um Interna.

Stadtrat Matthias Büttner (AfD) springt den Bestattern bei und ergeht sich in einem Disput mit dem OB: Beisetzungen würden teurer für die Angehörigen und das Ausheben der Urnengruften sei in Organisation und Personaleinsatz aufwendig. „Das ist mir zu wage, wenn Sie hier einfach sagen ,Nach meinem Kenntnisstand wird es nicht teurer’, zitiert Büttner den OB, der abermals betont: „Unsere Bestatter habe ihre Erfahrungen auf anderen Friedhöfen gesammelt. Warum das in Staßfurt nicht funktionieren soll, das soll mir mal einer erklären!“

Stadträtin Bianca Görke (Die Linke) will genauer wissen, was der OB mit dem eben angekündigten, neuen Partner ausgemacht hat. Wagner: „Es handelt sich um jemanden, der den Aufwand einschätzen kann und er wird das durchführen.“ Die geheimnisvollen Worte werden von Gemurmel im Stadtrat begleitet.

Widerstand für manche nur schwer verständlich

Stadtrat Günter Döbbel (FDP) meint, eine 0,2 m²-Fläche, vergleichbar mit einer Urnengruft, auszuheben koste auf dem Bau 85 Euro und sei keine große Sache. „Warum tun wir uns so schwer damit?“

Stadtrat Klaus Stops (CDU) erklärt „entsetzt“, dass man vor vier Jahren in dieses Thema eingestiegen sei und jetzt „in drei Teufels Namen“ Konsens erzielt habe, „nur damit heute im Stadtrat über einige Punkte genörgelt wird?“ Er spielt auf die aktuelle Gebühr für Urnengruften an: „Für 150 Euro würde ich das machen – wenn ich noch jünger wäre - und würde dabei reich.“

Bestatter Ralf Kahle, der Rederecht in diesem Stadtrat beantragt hatte, beginnt nun seine Ansprache mit: „Auch ich bin entsetzt, wie wenig Verständnis Sie für unsere Arbeit haben“ und erklärt nochmals die Ablehnungsgründe der Bestatter: „Das würde uns in die roten Zahlen treiben“.

Kahle spricht von neuer Sondergenehmigung

Kahle, der offenbar aus Bestatterkreisen schon mehr weiß, fragt den OB direkt: „Haben Sie einem Magdeburger Unternehmen in dieser Woche eine Sondergenehmigung erteilt, um hier Urnenbestattungen durchzuführen?“ OB: „Die Antwort erfolgt schriftlich.“ Als Kahle hierzu weiter nachbohren will, wird ihm das Rederecht entzogen: Seine Redezeit sei überschritten und seine Ausführungen reine Spekulation. Man habe heute Abend noch einige Themen vor sich.

Büttners Vorschlag, die Sache mit den Urnengruften einfach zu streichen, findet keine Mehrheit. Schlussendlich stimmen die meisten Stadträte für das neue Friedhofskonzept und dafür, dass das Ausheben der Urnengruften an Externe geht. Wer auch immer das ist – auf jeden Fall Konkurrenz für die Staßfurter Bestatter, die enttäuscht den Saal verlassen.

Auch zum neuen Friedhofskonzept für Staßfurt gehört ein neues Pilotprojekt auf dem Atzendorfer Friedhof, wo ein Landschaftsgärtner die Pflege des Areals übernehmen soll. Dies wollte die UBvS kippen, fand aber auch keine Mehrheit. Die Fraktion befürchtete dort höhere Kosten für die Bürger, wenn man ein freies Unternehmen heranlässt.