Volksstimme: Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Staßfurt und mit welchen Fragen kamen die Bürger auf Sie zu?

Sven Wagner: Die Corona-Krise hat das öffentliche, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Leben in der Stadt Staßfurt drastisch eingeschränkt. Es beschäftigt mich sehr, mitansehen zu müssen, dass nicht wenige Gewerbetreibende, Gastronomen und Kulturschaffende jetzt in immensen Schwierigkeiten stecken oder Familien aufgrund von Kurzarbeit um ihre persönliche Zukunft bangen. Neben dem beruflichen Leben ist das gesellschaftliche Leben fast komplett zum Erliegen gekommen – Vereinstätigkeiten wurden eingestellt, öffentliche Einrichtungen geschlossen und so weiter.

Anfragen aus der Bevölkerung kamen zu fast allen Themen – insbesondere ging es aber um die Beschaffung von Schutzmaterial, die Unterstützung der hiesigen Wirtschaft oder die Notbetreuung in den Kindertageseinrichtungen.

Wie schätzen Sie das Krisenmanagement ein? Gibt es etwas, was man verbessern könnte und etwas das besonders gut lief?

Ich habe die Öffentlichkeit regelmäßig und vor allem aktuell über die Situation informiert – per Pressemitteilungen oder digital auf der Internetseite und auf Facebook. Darüber hinaus haben auch die Ortsbürgermeister und die Fraktionsvorsitzenden regelmäßig Informationen erhalten, somit wurden auch die Stadträte und die Ortschaftsräte immer auf dem Laufenden gehalten. Wir haben den Internetauftritt der Stadt Staßfurt um eine Corona-Spezial-Seite erweitert und dort übersichtlich alle Infos aufgelistet. Die Wirtschaftsförderung hat sich um die Gewerbetreibenden und Firmen gekümmert und diese auf Wunsch umfangreich zu Soforthilfeprogrammen und anderen Unterstützungsmöglichkeiten beraten. Um die Betriebe und Gewerbetreibenden etwas zu entlasten, habe ich entschieden, dass die Stadt Staßfurt derzeit keine Mahnläufe und Vollstreckungsmaßnahmen bei Gewerbesteuern durchführt. Außerdem werden bei Stundungsanträgen, die Realsteuern (Grund- und Gewerbesteuer) und andere Abgaben betreffen bei der Nachprüfung der Voraussetzungen keine strengen Anforderungen gestellt.

Wir haben verwaltungsintern einen Krisenstab gegründet, der sich anfänglich täglich und dann mindestens zwei mal in der Woche getroffen hat und nach wie vor trifft. Darüber hinaus wurde eine örtliche Einsatzleitung ins Leben gerufen. Auch hier gab es mehrere Treffen.

Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes haben in den zurückliegenden Wochen eine tolle Arbeit geleistet. Das gilt natürlich für alle Mitarbeiter der Stadtverwaltung und nicht zuletzt für die Erzieher in den städtischen Kindertageseinrichtungen. Die Mitarbeiter haben umsichtig und mit der nötigen Professionalität gearbeitet. In Staßfurt (Kernstadt und Ortsteile) gibt es bislang vier bestätigte Fälle. Alle sind wieder gesund. Diese geringe Anzahl der Infizierten ließ auch gar keinen Grund zur Panik zu. Ich bin sehr froh darüber, dass wir in Staßfurt bislang so niedrige Zahlen haben und hoffe auch, dass es so bleibt.

Noch eine persönliche Einschätzung: Welche Lockerungen finden Sie am wichtigsten und auf welche freuen Sie sich besonders?

Ich begrüße jede einzelne Lockerung, die der Gesellschaft wieder mehr Normalität bringt! Das muss alles mit Sachverstand und Augenmaß geschehen. Und geht natürlich auch nur, wenn sich die Bürger weiterhin so konsequent an die Einhaltung der Vorschriften sowie die Abstands- und Hygieneregeln halten. Insbesondere die Lockerungen für die Einzelhändler, Kitas, Schulen, aber auch Öffnung der Spielplätze und Sportanlagen sind hier zu nennen.

Der am Dienstag vorgestellte Sachsen-Anhalt-Plan beinhaltet weitere wichtige Lockerungen, die dann ab 28. Mai gelten sollen.