Staßfurt l Nein, er habe nicht vor, in die Politik zu gehen. Philipp Weikert hat nach zwei Vorrunden nun als Finalist des Regionalwettbewerbs „Jugend debattiert“ gerade mit drei anderen Neuntklässlern über das Thema diskutiert, ob die Videoüberwachung auf Bahnhöfen mit automatischer Gesichtserkennung ausgestattet werden soll.

Sicherheitsgedanken und die Verteidigung von Freiheit und Selbstbestimmung prallten da aufeinander. „Es macht mir einfach Spaß zu diskutieren und Argumente zu bringen“, so der Schüler vom Dr.-Frank-Gymnasium. Auch für Paul Müller steht bei diesem Wettbewerb im Vordergrund, dass er seine Sprachgewandheit verbessern wolle. Der 15-Jährige findet es einfach „cool und interessant, andere Meinungen zu hören und schließlich mit eigenen Argumenten zu überzeugen.“

Niclas Horalek denkt mit 16 Jahren (noch) nicht daran, in der Politik aktiv zu werden. Informatik interessiere ihn jedenfalls mehr. Dabei hat der Staßfurter Gymnasiast mit seiner Streitkultur im Salzlandtheater die Jury überzeugt und fährt am 16. April nach Magdeburg, wo im Landtagsgebäude der Landeswettbewerb stattfindet.

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Muss man gleich ein Fahrverbot verhängen?

Aktueller hätte Niclas‘ Thema jetzt kaum sein können. Zusammen mit Anna Anatzki vom Stephaneum Ascherleben hatte er deren Mitschülerin Natalie Schröder (sie fährt auch) und Mitschüler Justus Glaschke ordentlich Contra gegeben. Ihre Frage zum Regionalfinale hieß: „Sollen in stark belasteten Großstädten Diesel-Fahrverbote erlassen werden?“

Für das Duo Pro steht die Gesundheit des Menschen an erster Stelle, was sich bei ihm durch die gesamte vorgegebene Debattierzeit von insgesamt 24 Minuten durchzieht. „Fahrverbot, bis die Obergrenzen des Schadstoffausstoßes dauerhaft unterschritten werden“, fordert Natalie. Anna kontert: „Muss man gleich ein Fahrverbot verhängen?“ Sie befürchtet Versorgungsengpässe und Einschnitte in die Produktion. Und Anna fragt: „Wird ein Fahrverbot eine dauerhafte Lösung sein?“

Justus bleibt hart bei der Gesundheit und verteidigt das Fahrverbot: „Wenn zwei Drittel der Feinstaubverursacher nicht mehr fahren, bringt das sehr wohl etwas. Es ist Zeit für neue Technologien.“ Niclas setzt dagegen: „Dieselfahrzeuge verbrauchen 25 Prozent weniger Kraftstoff als Benziner, verursachen 15 Prozent weniger Kohlendioxid. Ein generelles Fahrverbot hätte einen steigenden CO2-Ausstoß zur Folge, wenn mehr Benziner unterwegs wären.“ Damit wiederum würde man „noch mehr am Klimaabkommen von Paris vorbeischrammen“.

Es hängen Menschenleben daran

„Es hängen Menschenleben daran“, bleibt Justus bei seinem Standpunkt. Von Niclas erntet er dazu: „Zu viel CO2 führt auch zu Krankheiten.“ Man wolle ja kein grundsätzliches Verbot, sondern nur in betroffenen Großstädten, versucht Natalie, zu überzeugen. Aber Anna führt das Handwerk ins Spiel, das meist mit Dieselfahrzeugen unterwegs ist. Und Niclas treibt es auf die Spitze: „Was machen wir bei einem ausnahmslosen Fahrverbot? 60 Prozent Fahrzeuge der Rettungskräfte sind Diesel, 75 Prozent der Feuerwehren!“

Natalie stimmt dem zu, man müsse dafür Lösungswege finden.

Die interessante Debatte fördert immer neue Argumente zutage. „Ich wäre für die Verlagerung von Büros außerhalb der Städte. Viele wohnen außerhalb, weil ihnen die Mieten in den Städten zu teuer sind und müssen dann fahren.“ Eine Enteignung von 15 Millionen Bürgern, die einen Diesel fahren, wäre mit ihm jedenfalls nicht zu machen.

In ihren Schlussworten wird deutlich, dass alle vier ihren Standpunkten treu bleiben. Das Pro-Team Natalie und Justus seinem Gesundheitsargument und dem Ziel, etwas für die Menschheit zu tun. Und das Contra-Team auch. Anna und Niclas sehen ein Diesel-Fahrverbot nicht als zielführend, weil es nur zu einer Verlagerung der Emissionen komme und als „nicht genügend durchdachte Maßnahme“.

Ihr seid alle verdammt gut

„Ihr seid alle verdammt gut“, fasst Regionalrunden-Verantwortliche Manja Marx bei der Auswertung dieser Finalrunde zusammen und gibt noch die Tipps: Blickkontakt suchen, mehr mit der Stimme machen.

Die spannende Debatte mit diesem lebensnahen Thema wird bekanntlich gegenwärtig auf ganz großer Bühne geführt.

Solche Themen im Unterricht aufzugreifen, sei Ziel des Wettbewerbs, erklärt Deutsch-Lehrerin Ute Börstler noch.