Staßfurt l Die schlechte Nachricht hatte sich ja irgendwie angekündigt. Und doch gab es natürlich betroffene Gesichter, weil die Hoffnung immer zuletzt stirbt. Seit einigen Monaten schon suchen die Kegler vom SV Salzland Staßfurt fieberhaft nach einem Nachmieter für den Gastronomie-Bereich. Ein Caterer aus dem Salzlandkreis war mehrmals in Staßfurt in der Charlottenstraße vor Ort, schaute sich die Küche und die Kegelbahn an und signalisierte Interesse. „Nun hat er leider abgesagt“, berichtet der Abteilungsvorsitzende Kegeln Frank Beucke. „Er hatte noch einmal durchgerechnet. Aufgrund der räumlichen Entfernung ließe sich das nicht realisieren.“ Ein Angebot, ihm finanziell entgegenzukommen, konnte ihn nicht umstimmen.

Alles wieder auf Anfang also. Die Suche nach einer Lösung geht weiter. Im Herbst des vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass der Gastronomiebetreiber Chris Peterka zum Ende des Jahres gekündigt hatte. Ließ er sich 2018 noch einmal überreden, ein Jahr dranzuhängen, waren die Gespräche 2019 erfolglos.

Die Einnahmen aus dem Mietvertrag mit dem Gastronom waren bisher überlebenswichtig für den Verein. Zwar zahlt der SV Salzland keine Miete für die Räumlichkeiten, die der Stadt Staßfurt gehören. Allerdings kommt der Kegelverein für Nebenkosten auf. Die betragen 700 Euro im Monat. 200 Euro zahlt der Verein über Mitgliedsbeiträge selbst. Der Rest kam über Einnahmen aus dem Mietvertrag. Seit Anfang Januar fehlen dem SV Salzland also monatlich 500 Euro, um die Nebenkosten zu bezahlen.

Im Dezember Gespräche mit der Stadt

Vorsorglich hatte der Verein seinen Vertrag mit der Stadt fristgemäß zu Ende März 2020 bereits gekündigt. „Wenn es keine Lösung gibt, müssen wir uns auflösen“, sagte Frank Beucke bereits im Herbst 2019. Mindestens bis zum Ende des Spieljahres will der Verein weiter die Räumlichkeiten nutzen. Im März endet der Spielbetrieb der Kegler. 50 Mitglieder hat die Abteilung Kegeln, 30 davon sind aktiv. Die Männermannschaft spielt in der Landesliga Nord, der vierthöchsten Liga in der Republik.

Bis Ende März kann der Verein die Nebenkosten noch stemmen. Die Rücklagen reichen noch bis dahin. „Aber ohne Unterstützung geht es nicht weiter“, wie Beucke nun sagt. „Wir hoffen auf Hilfe von der Stadt.“ Im Dezember hat es bereits ein Gespräch gegeben. „Es gab zwar noch keine feste Zusage, aber positive Signale“, so Beucke. Eigentlich wollte der Verein einen Zuschuss, nun ist aber auch eine andere Lösung möglich, mit der die Stadt Staßfurt dem Verein helfen kann. „Wir entwickeln gerade Ideen ohne Zuschuss“, sagt Ina Siebert, Fachdienstleiterin Schule, Jugend und Kultur. „Zusammen mit dem Verein suchen wir nach einer Lösung.“ Der Verein wird also nicht hängengelassen. Worum es genau geht, möchte Ina Siebert noch nicht sagen. Theoretisch wäre es aber möglich, dass der Raum beispielsweise für Feierlichkeiten vermietet wird. So könnte Geld für das finanzielle Loch bei der Bezahlung der Nebenkosten hereinkommen.

Parallel dazu hat der Verein im vergangenen Jahr bereits einen Antrag gestellt. „Wir wollen einen monatlichen Zuschuss von 500 Euro pro Monat“, sagt Sigrid Hermanns, Vereinsvorsitzende vom SV Salzland Staßfurt. Über einen Zuschuss kann die Stadt aber nicht allein entscheiden. Es müsste ein neuer Vertrag her, der eine Betriebskostenbeteiligung regelt. Und dann müsste der Stadtrat darüber entscheiden, ob er bereit ist 6000 Euro im Jahr aus dem Haushalt abzuzwacken, um den Keglern zu helfen. Eine kurzfristige Lösung ist nicht möglich. Der Haushalt für 2020 ist bereits vom Stadtrat durchgewunken.

Suche nach anderen Geldgebern

Der SV Salzland entwickelt daher auch andere Ideen, um eine Lösung zu finden. Vereinsvorsitzende Hermanns putzt gerade Klinken, um neue Geldtöpfe anzuzapfen. Beim Förderverein des Kreissportbundes (KSB) hat sie im vergangenen Jahr eine Anfrage gestellt. Dieser fördert nach Antrag Vereine im Kreis zum Beispiel bei der Ausstattung. „Uns wurde gesagt, dass die nächste Sitzung des Fördervereins erst im Februar oder März stattfinden wird“, erzählt Sigrid Hermanns. „Erst dann kann über unseren Antrag befunden werden.“

Vielleicht ist aber auch ein Sponsoring über Unternehmen aus der Region möglich. Hermanns möchte in den nächsten Wochen bei verschiedenen Unternehmen nachfragen, ob diese Firmen sich vorstellen könnten, den Verein in der schwierigen Lage finanziell zu unterstützen. „Wir werden alles versuchen“, sagt Hermanns.

Innerhalb der Kegelabteilung gibt es dazu ebenfalls Bewegung. „Wir sind gerade dabei, die Räumlichkeiten zu renovieren“, sagt Frank Beucke. „Damit wollen wir sie für Interessenten attraktiver gestalten.“ Die Küche wird dabei auf Vordermann gebracht. Sie wird nicht nur geputzt, sondern grundsätzlich erneuert. Es soll neu gefliest und gemalert werden. Die Deckenplatten werden erneuert. Weil es natürlich nicht möglich ist, dass über externe Aufträge zu lösen, greifen die Vereinsmitglieder selbst zum Pinsel und zur Kelle. Kontakte von Vereinsmitgliedern zu Fliesenlegern und Malern helfen dabei. „Wir bleiben am Ball, müssen aber die Kosten minimal halten“, so Beucke. Im Gastraum wurden die Wände schon gepinselt. Bis Ende Februar möchte der SV Salzland Staßfurt mit den Umbauarbeiten fertig sein.

Falls es doch keinen neuen Interessenten für die Übernahme des Gastronomiebereichs gibt, können sich die Kegler auch durchaus vorstellen, sich selbst um die Versorgung zu kümmern. Derzeit wird geprüft, wie an Freitagen von 18 bis 21 Uhr eine Versorgung sicher gestellt werden kann. „Möglich ist, dass wir selbst ein Getränke- und Speiseangebot bereitstellen“, so Beucke. Große gastronomische Würfe sind dann freilich nicht zu erwarten. „Dann würde es darum gehen, eine Bockwurst und ein Bier anbieten zu können.“ Vereinsmitglieder mit Gesundheitspass hätten ihre Bereitschaft schon signalisiert.

Dazu ist der Verein weiter für alle Optionen hoffen. „Sponsoren können sich bei uns melden“, sagt Beucke. Dass es aber über den März hinaus weiter geht mit den Keglern, da ist Frank Beucke mittlerweile sehr zuversichtlich. „Der ganze Verein ist motiviert.“ Keiner will, dass der Kegelsport in Staßfurt stirbt. Darüber sind sich alle einig.