Groß Börnecke l Das Haus ist gesperrt, aber die Glocken der Kirche Sankt Clemens läuten noch regelmäßig. Seit über einem halben Jahr darf das Gebäude nicht mehr genutzt werden. Ein Absperrband wurde quer über die Wiese zum benachbarten Grundstück angebracht. Der Wind hat es mittlerweile halb herunter gerissen. Das gelbe Warnschild mit der Aufschrift „Betreten des Grundstücks verboten! Eltern haften für ihre Kinder!“ ist in der Mitte zerbrochen und hängt halb herunter.

Ein Förderverein, der sich seit Jahren um den Erhalt der Kirche bemüht, musste seinen Tag der offenen Tür – er findet sonst immer Pfingstmontag statt – in diesem Jahr erstmals absagen.

Was wird Weihnachten?

„Unser Weihnachtskonzert wird aber auf jeden Fall stattfinden“, sagt der Vorsitzende Ingberd Schultz. Die Frage, wo das sein werde, könne im Moment aber noch nicht beantwortet werden. Was mit der Kirche werde und wie es mit dem Turm weiter gehe, liege derzeit in der Verantwortung der Kirchengemeinde vom „Kirchspiel am Hakel“, so Schultz.

Pfarrerin Dorothea Laser Merker sagt dazu, dass sie sich leider nicht vorstellen kann, dass im Dezember entsprechende Genehmigungen da sind. Jedoch habe die Kirchengemeinde dem Förderverein schon angeboten, im Fall, dass die Kirche nach wie vor nicht betreten werden darf, in die benachbarte Laurentiuskirche auszuweichen.

Was aber passiert mit Sankt Clemens und wie geht es mit dem Turm weiter und was ist eigentlich das Problem?

Neues Dach nicht mehr in diesem Jahr

Dazu ein Rückblick: Während einer Begehung des Gebäudes im vergangenen Jahr waren erhebliche Schäden am Dachstuhl des Turmes gefunden wurden.

„Die Standsicherheit des Dachstuhles ist dadurch beeinträchtigt. Dies wurde durch ein Holzschutzgutachten bestätigt“, teilte der evangelische Kirchenkreis Egeln dazu danach auf Anfrage mit.

Da die Kirchengemeinde als Besitzerin der Kirche, die Verantwortung zu tragen habe, seien daher aus Sicherheitsgründen die Kirche und Teile des Grundstücks gesperrt worden. Beim Landkreis wurde zugleich ein Bauantrag zur Beseitigung und zur Neuerrichtung einer Turmhaube eingereicht.

Dass heißt, die alte Turmhaube muss abgetragen und soll ersetzt werden.

Zum aktuellen Stand kann der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates vom Kirchspiel Jörg Biedermann mitteilen, dass die Planungen dahingehend soweit durch sind, dass eine Abrissgenehmigung vorliegt.

Alles wird anders aussehen

„Die Turmhaube wird abgebaut und dann kommt ein Behelfsdach darauf.“ Dabei handele es sich um ein Spitzdach ähnlich wie das eines Pavillons mit vier Seiten. Das werde oben aufgesetzt, damit die Glocken geschützt sind.

Denn diese sollten auf jeden Fall im Turm bleiben. Weitere Anträge zu diesem Vorhaben seien verschickt worden, ein Architekt sei mit im Boot. Jetzt müsste noch geklärt werden, wer was übernimmt.

Daher könne im Moment auch nicht gesagt werden, wann gebaut wird. Dieses Jahr wird es nach Auskunft Biedermanns aber auf keinen Fall mehr zum Abbruch kommen.

Original-Wiederaufbau zu teuer

„Ein Neuaufbau ist für die Kirchengemeinde finanziell nicht umsetzbar“, erklärt Jörg Biedermann. Nur eine immense Spende könnte das Turmdach in seiner alten Schönheit retten. Die Hoffnung, dass so viel Geld zusammenkommt, ist bei den Verantwortlichen noch nicht erloschen, aber die Chance, dass es dazu kommt, fällt sehr gering aus.

Gespräche um einen möglichen Abriss des Turmdachs der im 12. Jahrhundert erbauten Kirche Sankt Clemens in Groß Börnecke sorgten bereits Anfang dieses Jahres für Aufsehen. Das kleine Gotteshaus wurde vor über 18 Jahren von einem Förderverein gerettet, der sich seitdem mit viel Eigenleistung für den Erhalt stark gemacht hat. Denn der Kirche gehört das Objekt zwar noch, sie nutzt es aber nicht mehr. Gottesdienste und andere kirchliche Handlungen finden dort seit 1976 nicht mehr statt. Denn in Groß Börnecke gibt es noch eine zweite Kirche: St. Laurentius. Sie ist die Hauptkirche. Die Kirchengemeinde steckt seit Jahren viel Kraft und Geld in ihre Restaurierung, die schon weit voran geschritten ist.