Neundorf l Kommunalpolitiker aus Neundorf haben bei ihrer jüngsten Sitzung im Ortschaftsrat Ideen für ihr Dorf eingebracht. Nun sind sie etwas sauer. Denn ihre Vorschläge nehmen in der weiteren Kommunalpolitik nicht den üblichen Lauf, sondern müssen warten.

Urnen oder Stelen

Genauer geht es zum einen um halbanonyme Bestattungsformen auf dem Neundorfer Friedhof. „Aus Gesprächen mit Bürgern wissen wir, dass sich auch die Neundorfer eine halbanonyme Bestattungsform wünschen“, erklärt Ortsbürgermeister Klaus Maaß. Gemeint ist, dass ähnlich wie auf dem Staßfurter Friedhof in der Hohenerxlebener Straße noch eine Wahlmöglichkeit neben dem klassischen Grab und der grünen Wiese geschaffen wird. Dort gibt es Stelen, die die Namen der Verstorbenen aufführen, und Urnengemeinschaftsanlagen für Paare.

Auch Neundorfs Ortschaftsrätin Gabriele Riemeyer sieht Bedarf: „Die Anfragen gibt es schon länger. Auch die Frage, warum das in der Kernstadt möglich ist und bei uns nicht.“

Am liebsten wäre es dem Ortschaftsrat, wenn es schon ab 2020/2021 eine neue alternative Bestattungsform in Neundorf geben würde. Hintergrund ist, dass Menschen heute Alternativen zu Grab und grüner Wiese suchen, wobei auch die Kosten und der persönliche Pflegeaufwand der Angehörigen eine Rolle spielen.

Stadt macht Konzept

Während für den Förderstedter Friedhof schon konkrete Planungen für eine halbanonyme Bestattungsart laufen, wollen weitere Dörfer nachziehen. Nach Willen der Förderstedter Kommunalpolitiker sollten auch in Atzendorf, Brumby, Glöthe, Löbnitz und Üllnitz Alternativen eingeführt werden. Der Stadtrat kippte das Ansinnen jedoch, da die Verwaltung erst ein Konzept vorbereiten möchte. Sie will auf allen Friedhöfen in den Ortsteilen prüfen, welche Formen wie möglich sind.

Dort wollen die Neundorfer jetzt mit rein: „Unser Vorschlag ist ein Zusatz zu dem Konzept, das die Stadt jetzt für die Friedhöfe ausarbeiten will“, formuliert Klaus Maaß und will verhindern, dass Neundorf vergessen wird. „Es gibt viele freie Flächen auf unserem Friedhof und die Stadt sollte nun prüfen, was bei uns möglich und umsetzbar ist.“

Ihren kleinen Zusatz zum großen Friedhofskonzept befürworteten alle Ortschaftsräte von Neundorf bei ihrer Sitzung Anfang April. Daher waren Klaus Maaß und seine Kollegen umso enttäuschter, dass der Wunsch nicht wie gewohnt weiterverfolgt wird. Denn eigentlich gehen solche Vorschläge in die Ausschüsse des Stadtrats und dann in den Stadtrat, der mit einem Beschluss die Wünsche aus den Ortsteilen oft rechtskräftig macht.

Aber nichts dergleichen passiert. „Das geht doch eigentlich gar nicht“, wundert sich Klaus Maaß. Dasselbe geschieht mit der Idee vom Neundorfer Ortschaftsrat Frank Rögner, aus der Görickestraße, der Gustav-Klaue-Straße und der Lehdestraße in Neundorf Spielstraßen zu machen. Vorschriften wie Schritttempo, besondere Rücksichtnahme und Parkflächen sollten den Staub beim Fahren auf den Feldwegen reduzieren und die Anwohner schonen. Auch hier gab der Ortschaft einstimmig seine Zustimmung zu den verkehrsberuhigten Zonen.

Beschluss ab Sommer

„Dass die zwei Vorschläge nicht in den Stadtrat kommen, ist keine absichtliche Verhinderung, sondern es war einfach zeitlich zu knapp“, erklärt Antje Herwig von der Staßfurter Stadtverwaltung. Für die Ausschüsse war es für beide Ideen aber schon zu spät. Diese tagten im April eine Woche nach dem Ortschaftsrat, es muss aber 14 Tage vorher geladen werden, mit einer Information über alle Themen, die besprochen werden sollen.

Daher kann das Thema auch nicht in der letzten Stadtratssitzung vor der Kommunalwahl, am 9. Mai, besprochen werden. Diese findet nun auch im Mai erst statt, weil die Osterpause vorher alles verschiebt.

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Ab Juli können die neu gewählten Kommunalpolitiker über die Neundorfer Wünsche entscheiden.