Nilgänse

Kotberge auf Spielplatz und Tischen trüben Idylle am Warmsdorfer Teich

„Wir haben ein Problem!“ unterrichtete eine Stadträtin ihre Abgeordneten-Kollegen über die Hinterlassenschaften der Nilgänse, die sich auf dem Warmsdorfer Teich niedergelassen haben.

Von Falk Rockmann
Die Idylle am Warmsdorfer Teich ist getrübt. Nilgänse haben sich hier eingenistet, bombardieren die Ufer mit Kot, den Spielplatz gegenüber. Beim Überqueren der  viel befahrenen Landesstraße würden die Federtiere den Verkehr zu gefährlichen Ausweichmanövern zwingen, berichten Anwohner. Über Nacht seien sogar die Nutrias verschwunden. Als das Foto entstand, war Familie Nilgans übrigens bis auf ein Jungtier gerade ausgeflogen.
Die Idylle am Warmsdorfer Teich ist getrübt. Nilgänse haben sich hier eingenistet, bombardieren die Ufer mit Kot, den Spielplatz gegenüber. Beim Überqueren der viel befahrenen Landesstraße würden die Federtiere den Verkehr zu gefährlichen Ausweichmanövern zwingen, berichten Anwohner. Über Nacht seien sogar die Nutrias verschwunden. Als das Foto entstand, war Familie Nilgans übrigens bis auf ein Jungtier gerade ausgeflogen. Foto: Falk Rockmann

Warmsdorf/Güsten - „Sie schieten den Spielplatz voll, gefährden den Verkehr“, brachte es Silke von Kalnassy-Klindt in der jüngsten Stadtratssitzung auf den Punkt. „Kann man da was machen?“, fragte die Linke-Abgeordnete in die Runde.

„Wir waren froh, dass wir sie in Güsten los sind“, scherzte Bürgermeister Helmut Zander (SPD) und schob hinterher, dass sie auch auf dem Siechstalteich und am Kiesschacht „alles aufgeräumt“ hätten. „Jäger dürfen nicht schießen im Ort“, wurde Zander wieder ernst. Und es sei bekannt, dass Nilgänse aggressiv sind.

Diese Aussage veranlasste Erika Lissek (SPD/BfB) zu der Bemerkung: „In der Natur ist jeder selbst für sich verantwortlich.“

Tatsächlich beobachtete Hobby-Ornithologe Christian Heide aus Löderburg in der jüngeren Vergangenheit, dass Nilgänse in Athensleben sogar Störche aus ihren Nestern vertrieben haben.

Störche vertrieben, Liegewiesen verschmutzt

Einige Exemplare dieser Exoten haben auch den Staßfurter Schwanenteich und das Strandsolbad in Staßfurt als neuen Lebensraum für sich entdeckt. Der Ärger im Freibad begrenzt sich auf die regelmäßige Reinigung der Liegewiese. Das prächtige Federvieh im hinteren Bereich des Standsolbads wird derweil von Naturfreunden auch als Bereicherung gesehen.

Befürworter gab es im Frühjahr am Warmsdorfer Teich auch, als der Gänse-Nachwuchs als niedliches Wollknäuel daherkam. Seit dem die Hinterlassenschaften immer größere Ausmaße annehmen, hält sich die Freude in Grenzen.

Erich Meier, der gegenüber vom herrlichen Teich wohnt, hört gar nicht mehr auf mit Schimpfen. Immer wieder nehme seine Frau den Eimer und reinige die Sitzgelegenheiten und Tische auf dem benachbarten Spielplatz vor der Warmsdorfer Landgaststätte von Kalnassy. Diese Berge könne man schließlich niemandem anbieten.

Invasive Art darf bejagt werden

Der Spielplatz an der vielbefahrenen Landesstraße wird gern auch von rastenden Ausflüglern genutzt.

Die Idylle ist jedenfalls getrübt. So wundert man sich in Warmsdorf auch darüber, dass die zuvor hier lebenden Nutrias plötzlich über Nacht verschwunden waren.

Die hatten übrigens das eigentlich für Enten gedachte Häuschen auf dem Wasser bezogen.

Zum Schutz der biologischen Vielfalt hat die EU die Nilgans auf die Liste der invasiven Arten gesetzt. In Sachsen-Anhalt dürfen sie seit dem vergangenen Jahr bejagt werden.

Sehr unappetitlich, was hier auf Tischen und Bänken des Warmsdorfer Spielplatzes angerichtet wurde.
Sehr unappetitlich, was hier auf Tischen und Bänken des Warmsdorfer Spielplatzes angerichtet wurde.
Foto: Falk Rockmann
Nilgänse sind vor allem im jungen Alter niedlich anzusehen. Werden sie erwachsen und verteidigen sie ihre Brut, können sie schon mal sehr aggressiv auftreten.
Nilgänse sind vor allem im jungen Alter niedlich anzusehen. Werden sie erwachsen und verteidigen sie ihre Brut, können sie schon mal sehr aggressiv auftreten.
Foto: Harald Tittel, dpa