Dorfleben

Löderburg: Vereine sterben weg

Der Seniorensport in Löderburg sieht sein Ende nahen. Weitere Gruppen haben sich schon aufgelöst, weil ein Treffpunkt für Vereine im Ort fehlt. Die Kommunalpolitik muss machtlos zusehen, wie sich das Dorfleben auflöst.

Von Franziska Richter
Damals wehten noch die Fahnen. Die alte Turnhalle auf dem Thie wurde mittlerweile vom Line -Dance-Verein verlassen. Jetzt darf  die Seniorensportgruppe als Untermieter nicht mehr rein.
Damals wehten noch die Fahnen. Die alte Turnhalle auf dem Thie wurde mittlerweile vom Line -Dance-Verein verlassen. Jetzt darf die Seniorensportgruppe als Untermieter nicht mehr rein. Foto: F. Richter

Löderburg - „Es besteht für uns überhaupt keine Möglichkeit mehr, irgendwo im Ort Sport zu treiben“, sagt Kristina John. Die stellvertretende Vorsitzende des Sportvereins SV Bode 90 Löderburg schlägt Alarm, wie auch die Übungsleiterin Gunda Schuck schon Anfang des Jahres. Gerade jetzt nach der Corona-Pause wollen die Seniorensportler endlich weitermachen. Nachdem die Sporthalle des Ortes gesperrt wurde, waren die Senioren in die Line-Dance-Halle in Löderburg gewechselt, die ältere Sporthalle auf dem Thie. „Dazu haben vor zwei Jahren mit dem Line-Dance-Verein einen Untervertrag geschlossen und auch monatlich für Strom und anderes bezahlt.“

Nun hatte sich der Line-Dance-Verein 2020 aufgelöst und die Seniorensportler darüber informiert, dass sie ihnen die Halle nicht mehr überlassen können. Die Tänzer hatten diese auch nur von der Stadt gemietet.

Immer dienstags fanden mehrere Kurse im Seniorensport statt - auf der Matte, dem Stuhl oder mit Bällen, Bewegung und Gymnastik. Etwa 35 Vereinsmitglieder sowie weitere Teilnehmer auf Rezept für Rehasport nahmen teil.

Die Stadt hatte den Senioren eine Turnhalle in Staßfurt-Nord als Ausweichmöglichkeit angeboten. Das wird auch vom SV Bode 90 genutzt, zumindest von den jüngeren Semestern. „Für unsere Seniorensportler, die 60 bis 80 Jahre alt sind, ist es aber zu viel, mit dem Fahrrad nach Staßfurt-Nord zu fahren und danach noch Sport zu machen“, sagt Kristina John.

Die Line Dance-Halle gehört der Stadt. Nach dem Auszug der Tänzer stand ein Verkauf oder eine Eigennutzung durch die Stadt selbst zur Debatte.

Aktuell kann die Stadtverwaltung zu den Problemen der Sportler durch Personalwechsel und Urlaub nicht viel sagen. Christian Schüler ist neuerdings verantwortlich für Kultur und Sport: „Ich arbeite mich aktuell in die Thematik der geschlossenen Löderburger Mehrzweckhalle und deren Auswirkungen auf das Sport- und Vereinsleben ein“, teilt er mit. Er will sich des Themas bald annehmen, ins Dorf kommen und Gespräche führen.

Auch ohne die Stadt zurate zu ziehen, haben die Seniorensportler schon den Ort nach Alternativen durchforstet. „Wir haben es im Gartenverein am Wasserturm versucht, aber die haben nur einen kleinen Raum für Geburtstagsfeiern“, berichtet Kristina John. Auch das „Bürgerhaus“ der Umland, wo Kaffeenachmittage und mehr stattfinden, sei beengt und man müsste Tische und Stühle immer umräumen.

Wie soll es weitergehen in Löderburg? Das fragt die Sportlerin. Zumal sich weitere Vereine schon auflösen und schrumpfen, seit die große Sporthalle geschlossen ist.

Die Vereine lösen sich auf, weil sich viele Sportler etwas anderes suchen

Ortsbürgermeister Danny Hempel

Die Frage kann auch die Kommunalpolitik nicht beantworten. „Gedanken haben wir uns viele gemacht, aber wir haben keine Optionen im Ort, wo die Senioren unterkommen können. Wir haben leider keine Räumlichkeiten, die wir aus dem Sack zaubern können“, sagt Ortsbürgermeister Danny Hempel (parteilos). Auch die Grundschule als Idee musste er streichen – im Speiseraum sei kein Sport erlaubt. „Es ist den Seniorensportlern auch nicht zuzumuten, zur Halle nach Staßfurt-Nord zu kutschen“, so Hempel.

Der Ortsbürgermeister mahnt bei jeder Gelegenheit an, dass in Sachen Halle etwas passieren muss. Aber wenn sich nichts tut, ist auch er machtlos. Zwar hat der Stadtrat einen Beschluss gefällt, dass die große Sporthalle ab 2022/2023 saniert werden, aber daran glaubt er nicht wirklich.

Hempel: „Die Vereine lösen sich auf, weil sich viele Sportler etwas anderes suchen.“ Die Kindermannschaften des FC Bode sind in umliegende Orte abgewandert. „Die ganze Situation ist sehr unbefriedigend“, so Hempel. Auch die Kaninchenzüchter haben keinen Ort für ihre Ausstellungen mehr.

Die Kaninchenzüchter vom Verein G169 Löderburg vermissen die große Sporthalle: „Wir wollten 2019 unsere 100-Jahr-Feier mit Kreisschau dort machen. Zwei Wochen vorher wurde die Halle gesperrt“, ärgert sich der Vorsitzende Friedrich Härtel. Dieses Jahr müssen die 15 Züchter in ein Zelt ausweichen, das provisorisch auf dem Sportplatz aufgeschlagen werden soll. Weil diese Schau im November sein soll, braucht man das warme Zelt.

„Trotzdem bringt das doch alles nichts. Wir brauchen eine Halle in Löderburg, sonst läuft hier gar nichts mehr“, sagt Friedrich Härtel. „Die Vereine gehen unter.“ Man müsse nur mal beim Tischtennis oder den Schützen schauen – alles sei in Auflösung begriffen.

Ich weiß auch nicht, warum Löderburg so stiefmütterlich behandelt wird

René Zok vom Schützenverein

Die Tischtennisspieler aus Löderburg sind zu einem anderen Verein gewechselt. Wie den Line Dancern wiederum, die sich wegen Mitgliedermangel aufgelöst haben sollen, geht es auch den Schützen in Löderburg. Hier liegt es aber nicht an der geschlossenen Sporthalle. Die 1. Schützengilde Löderburg von 1922 hatte immer ihr eigenes Domizil im Bürgerhaus der Umland.

Dennoch muss der Vorsitzende der Schützen, René Zok, auch Ex-Bürgermeister von Staßfurt, schlechte Nachrichten überbringen: „Schon 2019 sollte der Verein zusammenkommen, um bei einer Mitgliederversammlung zu diskutieren, wie es weitergeht“. Denn die Schützengilde hat nur noch zehn Mitglieder, von denen sich regelmäßig nur vier bis fünf treffen. Einer langfristigen Auflösung müsse man ins Auge sehen.

Auch für Zok ist die Vereinssituation in Löderburg unbefriedigend. „Es gab das Angebot der Raumnutzung in Staßfurt für die Vereine, aber es ist schwierig, die Menschen aus dem Ortskern zu bewegen, und im Ort selbst gibt es keine anderen Alternativen.“

Der ehemalige Oberbürgermeister von Staßfurt sagt auch: „Die Turnhalle war zwar nicht ausgelastet, aber sie war eben in Betrieb und wenn man diesen unterbindet, dann haben viele ihre Sorgen und Nöte.“ Eine Sanierung der Turnhalle müsse früher passieren. „Warum das so lange dauert, da muss man in Richtung Rathaus schauen“, so Zok. Für das Vereinsleben sei es jedenfalls schade. „Ich weiß auch nicht, warum Löderburg so stiefmütterlich behandelt wird“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Seit Januar 2019 ist die große Sporthalle in Löderburg wegen Sicherheitsmängeln gesperrt.
Seit Januar 2019 ist die große Sporthalle in Löderburg wegen Sicherheitsmängeln gesperrt.
Foto: Archiv