Bildung

Löderburger Kinder helfen den Bäumen

Natur und Umwelt sind nahezu in allen Elternhäusern ein Thema. Die Kita Löderburg hat etliche kleine Ecken auf ihrem Gelände für Vögel und Insekten eingerichtet. Das Naturkonzept der Einrichtung trägt Früchte und die Kleinen stehen voll dahinter.

Von Franziska Richter
Schon am ersten Tag ihres Flohmarktes  haben die Kinder der Kita „Zwergenland“ in Löderburg 574 Euro gesammelt. Damit können 287 junge Bäume im dürregeplagten Nationalpark Harz gepflanzt werden. Kinder und Erzieher bringen das Geld persönlich zur Bank in Löderburg.
Schon am ersten Tag ihres Flohmarktes haben die Kinder der Kita „Zwergenland“ in Löderburg 574 Euro gesammelt. Damit können 287 junge Bäume im dürregeplagten Nationalpark Harz gepflanzt werden. Kinder und Erzieher bringen das Geld persönlich zur Bank in Löderburg. Fotos: F. Richter

Löderburg - Da kam schon manches Kind früh morgens in die Kita und erzählte seiner Erzieherin ganz empört, dass jemanden einen Käfer zertreten hat. Wie das nur sein kann! Man hatte doch gelernt, Respekt vor allen Lebewesen zu haben.

Solche Szenen kommen jetzt immer öfter vor im „Zwergenland“ von Löderburg. Auch mancher Vati oder manche Mutti hörte schon belehrende Worte von seinem Kind: Die Bienen brauchen Blumen, um sich zu ernähren. Vermeintliches Unkraut sollte man für die Schmetterlinge stehen lasse. Und einen Holzhaufen kann man auch mal liegen lassen – dort wohnen nämlich Insekten drin.

Die Kinder aus Löderburg sind echte Naturliebhaber geworden und neuerdings sind sie auch Baumschützer. Bei einer Aktion von Radio Brocken haben sie 574 Euro am ersten Tag eines eigenen Flohmarkts gesammelt. 287 kleine Bäume können dafür im Nationalpark Harz gepflanzt werden. „Viele Kinder sind nach Wochenendausflügen in den Harz erschrocken, wie es dort aussieht“, berichtet Erzieherin Anja Thieme, die in der Kita das Projekt organisiert hat.

„Wir haben mit den größeren Kindern besprochen, dass die Natur leidet und die Bäume sterben“, erklärt die Erzieherin. Fragen kommen derzeit von den Kindern umso mehr, wenn Waldbrände auf dem ganzen Globus im Fernsehen zu sehen sind. Auch wie eine Fichte auf dem Kita-Gelände im letzten Jahr durch die Hitze einfach vertrocknet ist, hätten die Kinder bedauert.

Erzieherin Anja Thieme hat für das Projekt noch eine Erkundungstour organisiert. Mit den Kindern ging es raus in Richtung Bode. Dort haben die Kleinen Rinde, Moos, Zapfen und Blätter gesammelt und auf kleinen Kunstwerken zu Bäumen zusammengebastelt.

Naturerziehung und Umweltbildung

Seit einigen Jahren geht das „Zwergenland“ in Löderburg mehr und mehr in Naturerziehung und Umweltbildung auf, wie es im pädagogischen Konzept der Einrichtung vorgeschrieben ist. „Alle Eltern tragen das Thema mit, in den Elternhäusern ist die Achtsamkeit gegenüber unserer Umwelt längt angekommen“, sagt Kita-Leiterin Beate Koch.

Ziel des Konzepts ist es, die Kinder für die Natur zu sensibleren: Pflanzen und Tiere sind Lebewesen, die ihren Respekt verdienen. Es wird kein Müll und Abfall draußen hinterlassen. Ressourcen werden geschont. Beate Koch ist der Ansicht: „Es ist ein globales Problem und jeder kann seinen kleinen Teil dazu beitragen, damit es besser wird.“

Woher kommen die Erdbeeren?

Dabei geben auch die Kinder selbst den Anstoß. „Woher kommen eigentlich die Erdbeeren? Das haben uns die Kinder einmal gefragt.“ Dann wollten sie wissen, wie eine Kartoffel wächst. Deswegen werden jetzt mehrere Hochbeete im Kita-Garten von den Kindern gepflegt.

Überall auf dem großen Kita-Gelände finden sich Ecken, wo es kreucht und fleucht, wo es summt und brummt. Eine Insektenwiese mit jungen Bäumen begrüßt die Besucher am Eingang. Im Innenhof hat man das Gras lang wachsen lassen. Dafür haben die Hortkinder Saat für Wildblumen mitgebracht, die früher mal als Unkraut galten.

Wasser für die Schmetterlinge

In diesen Innenhof kommen die Kinder jeden Tag und beobachten das Summen der Insekten. Ein Vogelhäuschen wird jeden Tag mit Futter gefüllt und eine Tränke für Schmetterlinge mit Wasser bestückt. „Die Kinder wissen, dass die Tiere in Not sind und kein Futter mehr finden“, erklärt Beate Koch. Ein Wildapfelbaum im Innenhof bietet Vögeln im Herbst Nahrung.

Im Garten begeistern die Kinder neben einem summenden Insektenhotel auch die Waldohreulen und Goldhähnchen, die in den Bäumen leben. Hier haben auch Solitärbienen ihr Zuhause. „Bei Sonne kommen sie heraus und es surrt am ganzen Hang, das sieht richtig schön aus“, schwärmt Erzieherin Antje Thieme. Dazu hatte die Kita extra das Umweltamt geholt, um zu klären, ob die Bienen stechen. Sie stellten sich als ungefährlich haus.

Partnerschaften beleben den Naturgedanken in der Kita zusätzlich: Eine Falknerin, ein Kaninchenzüchter und der Förster vom Waldfuchsprojekt sind regelmäßig zu Gast. Für das Volksstimme-Projekt „Schüler machen Zeitung“ haben zwei ehemalige Kita-Kinder aus Löderburg zwei Beiträge geschrieben - darüber dass man lieber ins Tierheim gehen soll, wenn man ein Tier möchte und dass viel zu viel Müll in Löderburg herumliegt.