Stadt Staßfurt

Logo-Euphorie wird getrübt

Nach der Vorstellung eines möglichen neuen Logos für Staßfurt gibt es nicht nur positive Stimmen.

Staßfurt l „Nein, Staßfurt hat kein neues Logo!“, sagt Rat Gerhard Wiest (Fraktion Die Linke). Vielmehr gebe es einen Entwurf, dessen Entstehen der Oberbürgermeister veranlasst habe. Alternative Vorschläge - Fehlanzeige. Als Vorsitzender des Kulturausschusses sieht Gerhard Wiest die Politik zu wenig involviert. „ Meine Rückfrage nach alternativen Vorschlägen wurde seitens der Stadt verneint. Die zuständigen Gremien des Stadtrates, die aus freien und geheimen Wahlen hervorgegangen sind und eigentlich die Stadt repräsentieren, sollten diesen Entwurf doch wenigstens noch beraten und beschließen dürfen.“

Das Rathaus reagiert nach einer Volksstimme-Anfrage auf die Kritik. Bei dem jetzt vorgestellten Logo handele es sich um einen Entwurf. Dieser wurde intern priorisiert und deshalb den Ausschussmitgliedern präsentiert. „Wichtig ist dabei gewesen, eine Rückmeldung zu bekommen, die der Verwaltung signalisiert, ob das Büro diesen Entwurf präzisieren soll oder noch einmal völlig neu denken muss“, heißt es aus dem Büro des Oberbürgermeisters. Das ist zuständig, weil alle Fragen rund um das Emblem in den Staßfurter Leitbild-Prozess fließen, der hier koordiniert wird. Das Rathaus ist nach der Logo-Vorstellung in den Rats-Gremien überzeugt, dass es seitens der Politik grundsätzliche Zustimmung zum Entwurf gebe.

Gerhard Wiest dagegen sagt, dass es bei ähnlichen Angelegenheiten mehr Politik-Beteiligung gegeben habe. „Nur zur Erinnerung: Auch das jetzt auf offiziellen Briefköpfen verwendete Logo der Stadt wurde einmal im Stadtrat zusammen mit anderen Vorschlägen kontrovers beraten.“ Grundsätzlich seien die Ausschussrunden dafür da, in solche Diskussionen einzusteigen. Im aktuellen Fall dagegen habe es noch nicht einmal eine Beschlussvorlage gegeben, „sondern lediglich eine Information“, sagt der Ausschuss-Chef.

Auch hier entgegnet die Verwaltung: Das Rathaus ist der Auffassung, dass man die Politik immer einbezogen habe. Mehr noch: „Der Stadtrat hat im April 2016 die Entwicklung eines einheitlichen Erscheinungsbildes (corporate identity) mit 30 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung beschlossen“, heißt es aus dem Büro des Oberbürgermeisters. Das habe man ausgeführt.

Ein weiterer Punkt treibt einige Staßfurter Politiker um: Hinter vorgehaltener Hand wird die Auftragsvergabe für den Entwurf kritisiert. Den Zuschlag hat nämlich die Firma „Die Nachwuchsfinder“ erhalten. In deren Impressum steht als einer der Geschäftsführenden Gesellschafter Dr. Roger Stöcker. Er ist SPD-Kreisvorsitzender im Salzland. Auch Philipp Körner, der das Logo in den Ausschüssen vorgestellt hat, ist ehrenamtlich SPD-Stadtrat in Schönebeck. Hat Oberbürgermeister Sven Wagner, ebenfalls Sozialdemokrat, hier Parteikollegen bevorzugt?

Das Rathaus weist diese Spekulationen „deutlich und entschieden“ zurück. Richtig sei, dass mit Geld aus den Fördermitteln für den Leitbild-Prozess - die Stadt zahlt dafür nichts - auch die Logo-Entwicklung finanziert wurde. „Die Auftragsvergabe erfolgte nach den Anforderungen des Fördermittelgebers und unter Einhaltung der entsprechenden Dienstanweisung.“ Diese siehe vor, bei einem Auftrag von maximal 10 000 Euro ein Leistungsverzeichnis zu erstellen und drei Angebote einzuholen. „Das wirtschaftlichste Angebot hat den Zuschlag erhalten“, so das Rathaus.