Staßfurt

Neuer Schliff für Friedhöfe

Der böse Streit zwischen Bestattern und Stadt zum Thema Urnenbestattungen hat weitere Neuigkeiten überschattet, die für das Friedhofswesen in Staßfurt und Ortsteilen geplant sind. Für die nahe Zukunft sind nämlich auch zwei Sonderprojekte vorgesehen.

Von Franziska Richter 21.07.2021, 16:59
Neben der Kapelle auf dem Neundorfer Friedhof sollen Urnenstelen entstehen. Dazu müssen Bäume beräumt werden.
Neben der Kapelle auf dem Neundorfer Friedhof sollen Urnenstelen entstehen. Dazu müssen Bäume beräumt werden. Foto: F. Richter

Neundorf/Atzendorf - Schon während der ganzen Friedhofsdebatte wurde von einigen Kommunalpolitikern betont: „Das ist eine rundum gelungene Sache“, lobte zum Beispiel Frank Rögner (SPD/Grüne) in seinem Neundorfer Ortschaftsrat das neue Friedhofskonzept der Stadt. Denn – das war noch vor dem Großprotest der Bestatter – dazu gehört noch viel mehr als nur die neue Regelung zur Urnenbestattung.

Grund, das neue Konzept zu loben, haben Ortschaftsräte wie Frank Rögner auch, weil es Neundorf betrifft. Dort plant die Stadt eines von zwei Umgestaltungsprojekten, die demnächst testweise starten sollen und vielleicht Paradebeispiel für die ganze Stadt werden.

Urnenstelen in Neundorf

Auf dem Neundorfer Friedhof soll ab Mitte 2022 ein neues Areal für Urnenstelen geschaffen werden. Sie funktionieren in etwa wie ein Friedwald, nur eben mit kunstvoll gestalteten Stelen aus Stein. Es ist möglich, eine Stele für eine ganze Familie zu nehmen. Durch Namensschilder auf der Stele sind die Verstorbenen für Angehörige nicht mehr ganz so anonym wie auf der Grünen Wiese.

Keine komplett anonymen Grabstätten ist auch eines der Anliegen der Stadtverwaltung, insbesondere von Susanne Epperlein, die das Friedhofskonzept federführend erdacht hat. „Es wurde nachgewiesen, dass das Trauern den Menschen hilft und besser und schneller vonstatten geht, wenn sich Angehörige zu einem konkreten Bezugspunkt hinwenden können“, sagte die Fachdienstleiterin, als sie das neue Konzept bekannt machte.

Heißt, ganz anonyme Grüne Wiesen ohne Grabtafel machen das Trauern schwer. Grabsteine oder halbanonyme Bestattungen, wo wenigstens der Name des Verstorbenen zu finden ist, sind demnach wesentlich heilvoller für die Seele.

Ein Weg, den die Stadt Staßfurt jetzt einschlagen will – auch um ihren Bürgern das Trauern zu erleichtern.

Auf dem Neundorfer Friedhof sind dazu umfangreiche Arbeiten notwendig. Genutzt werden soll für die Stelen- gräber eine Fläche auf dem Friedhof nahe dem Schulweg, neben der Kapelle. Dort muss einiges an morschen Bäumen und Wildwuchs wie Efeu entfernt werden. Diese Arbeiten will die Stadt im Herbst und Frühjahr durchführen lassen. Neuer Rasen und Ersatzbäume sollen folgen.

Das Projekt kann unter dem Titel „Kosten und Gebühren reduzieren, modernisieren und Qualität steigern“ zusammengefasst werden. Denn so werden in Neundorf langfristig Flächen besser genutzt. Je nachdem, wie die neue Bestattungsform angenommen wird, kann man sich solche Urnenstelen auch auf weiteren Friedhöfen der Stadt vorstellen.

Denn die enormen Flächen der Staßfurter Friedhöfe sind bis heute vielmals der Knackpunkt. Zum einen sind sie Kostenfaktor für die Stadt selbst. Zum anderen schlagen sich diese auf die Gebühren für Gräber, Urnen und Co. für die Angehörigen nieder.

Problematisch sind laut Epperlein bis heute etliche kleinteilige Flächen auf Friedhöfen, die per Hand oder per Rasenmäher gepflegt werden müssen. „Einfacher zu pflegen sind große, einheitliche Rasenflächen, die der Rasentraktor bearbeiten kann“, so die Fachfrau. Daher sollen zusätzlich abgelaufene Gräber entfernt, überschüssige Flächen zurückgebaut und ausgegliedert werden. Einige sollen sogar an Bestattungsunternehmen und Steinmetze als Ausstellungsfläche vermietet werden.

„Generell braucht die Friedhofskultur in Zukunft weniger Flächen, auch wenn mehr gestorben wird“, so Susanne Epperlein. Dies hat mit den neuen platzsparenden Urnen und anderem zu tun.

Landschaftsgärtner wird in Atzendorf beauftragt

Die Pflege der Grünflächen kann man aber auch anders angehen. Das ist das zweite neue Projekt. Anstelle die Mitarbeiter des Stadtpflegebetriebs zu binden, hat man sich den Atzendorfer Friedhof für ein zweites Pilotprojekt ausgewählt. Weil er von der Größe her im mittleren Feld liegt und überschaubar ist, sollen alle Grünpflegearbeiten dort an eine externe Firma, einen Landschaftsgärtner, ausgegliedert werden. „Wir könnten dadurch kostengünstiger werden“, vermutet Susanne Epperlein. Über drei Jahre soll das als Testballon in Atzendorf laufen und bei Erfolg auch Parade- beispiel für weitere Friedhöfe werden.

Die beiden neuen Friedhofsprojekte werden ab sofort angegangen. Der Stadtrat hatte die neue Friedhofsstrategie – bis auf die Unstimmigkeiten mit den Bestattern – in der Debatte oft gelobt und kürzlich auch so beschlossen.

Friedhofsgebühren sinken wesentlich

Ganz konkret in neue Gebühren sollen die Änderungen noch in der zweiten Jahreshälfte 2021 sichtbar werden. Zum neuen Friedhofskonzept gehören neue Friedhofsgebühren, die die Stadt alle paar Jahre anpassen muss. Niedrigere Gebühren sind für alle Urnen- und Erdgräber zu erwarten, deren Ruhezeit von 40 auf 15 Jahre reduziert wird. Zusätzlich hat die Stadt eine Art „Puffer“ bei der Gebührenberechnung herausgenommen, die das Portemonnaie der Angehörigen nochmals entlastet.