Staßfurt/Schönebeck l Zentrale Notaufnahmen in den Krankenhäusern des Salzlandes werden zu keinem Zeitpunkt abgemeldet. Das war bisher auch nicht der Fall. Aber Ameos verpflichtet sich selbst dazu, diese Praxis auch künftig umzusetzen und damit eine schnelle Versorgung von Rettungsdienstpatienten zu garantieren. Das geht aus einem aktuellen Maßnahmenplan des Klinik-Betreibers hervor. Robert Möller, Regionalgeschäftsführer von Ameos-Ost, hat ihn jetzt bei einem Arbeitstreffen vorgestellt.

Die Schritte umfassen weitere Bereiche in den Krankenhäusern und zielen über die Notaufnahmen hinaus. So werden Intensivstationen nur noch dann abgemeldet, wenn keine Beatmungsgeräte mehr zur Verfügung stehen. Bisher hatte der Medizindienstleister hier Reserven vorgehalten: So wurde in diesen Stationen eine Kapazitätsgrenze, also quasi eine Abmeldung, angezeigt, wenn eine bestimmte Anzahl von Geräten besetzt war. Damit, so frühere Aussagen, habe man sich Kapazitäten offen halten wollen, falls es zu einem Vorfall mit vielen Verletzten gekommen wäre. Diese Vorgehensweise wird geändert. Ausnahme bleibt momentan noch für einige Monate der Standort Bad Salzelmen. Er ist neben dem Haus in der Köthener Straße in Schönebeck Teil des Krankenhauses der Elbestadt. Es bedarf allerdings noch umfangreicher organisatorischer Voraussetzungen, um eine „virtuelle Einhäusigkeit herzustellen“, wie Ameos-Sprecherin Alexa von Dossow sagt.

Sie erläutert weitere Schritte. So werden periphere Einheiten in den Krankenhäusern, damit sind bettenführende Einheiten gemeint, gar nicht mehr abgemeldet.

Einschränkungen

Der Medizindienstleister weist allerdings auch auf eine Einschränkung der eigenen Zielsetzungen hin: „Um die medizintechnische Versorgung auf einem hohen Niveau zu halten, lassen sich auch künftig Geräteaustausch und Wartungstermine nicht vermeiden“, so die Sprecherin. Dann müssten einzelne Funktionsbereiche punktuell und für einen festgesetzten Zeitraum abgemeldet werden.

Alexa von Dossow kündigt an, dass Ameos für sich aber die Vorgaben, unter welchen Voraussetzungen abgemeldet werden darf, „noch deutlicher“ und als „zwingend einzuhalten“ definiert. Sollte es zu Engpässen und außergewöhnlichen Belastungssituationen kommen, wolle sich Regionalchef Robert Möller direkt mit der zuständigen Kreis-Fachbereichsleiterin Reingard Stephan abstimmen.

Der Landkreis ist für den funktionierenden Rettungsdienst zuständig. Darüber hatte es in den vergangenen Wochen erbitterte Auseinandersetzungen gegeben, nachdem Fälle bekannt geworden waren, dass Patienten wegen geschlossener Stationen in Krankenhäuser anderer Kreise gefahren oder erst nach langen Warte- und Fahrzeiten im Salzland aufgenommen worden.

Verpflichtung

Landrat Markus Bauer hatte sich daraufhin schützend vor die Mitarbeiter in der Leitstelle und im Rettungsdienst sowie vor die Notärzte gestellt. Der Kreischef hatte Ameos zudem mehrmals schriftlich aufgefordert, seiner im Rettungsdienstgesetz Sachsen-Anhalts geregelten Verpflichtung nachzukommen - nämlich Notaufnahme offen zu halten, die vom Rettungsdienst erstversorgten Notfallpatienten zur weiteren Notfallversorgung aufzunehmen und Vorsorge dafür zu treffen, dass sie unverzüglich in die entsprechenden medizinischen Fachgebiete übernommen werden können.

Der Kreis kritisierte zudem, dass durch die Abmeldungen bei Ameos, von der Verwaltung in Bernburg für den Kreistag genau aufgelistet, Rettungswagen und der Notarzt lange gebunden seien und für andere Notfälle nicht zur Verfügung stünden. Das hätte auch Auswirkungen auf die gesetzlich vorgeschriebene Einhaltung der Hilfsfristen. Der Kreis kann das im Notarztbereich derzeit nicht leisten. Ameos drohte dem Kreischef mit einer Klage, weil seine Darstellungen einseitig seien. Markus Bauer pochte bei der Aufsicht, holte Sozial- und Innenministerium ins Boot.

Jetzt, das ergab das Treffen, will man offensichtlich wieder enger zusammenarbeiten. An der Runde nahmen neben der Ameos-Chefetage auch 21 Vertreter von Rettungsleitstelle, Kreis, Deutschem Roten Kreuz, Arbeitersamariterbund und Johannitern teil. Der Erfahrungs- und Meinungsaustausch sei „offen“ und „konstruktiv“ gewesen, berichtet Alexa von Dossow. Ameos wolle die „identifizierten konkreten Handlungsfelder“ und Maßnahmen nun „in die Praxis umsetzen und den jeweiligen Erfordernissen flexibel“ anpassen. Alle einigten sich auch darauf, dass eine „kontinuierliche Kommunikation“ unerlässlich sei. Deshalb wolle man sich vierteljährlich treffen.

Seitens der Kreisverwaltung wies man auf Volksstimme-Nachfrage nur darauf hin, dass alle Aussagen abgestimmt seien und man nichts hinzuzufügen habe.