Chef vom ALFF Mitte übergibt Fördermittelbescheide für schnelleres Internet in Neundorf und Hohenerxleben

Ortsbürgermeister Sven Wagner: Es wird Jubelschreie geben

Von Falk Rockmann

Allgemeine Freude herrschte jetzt im Staßfurter Rathaus, als Oberbürgermeister René Zok zwei Fördermittelbescheide überreicht bekam. Der Leiter des Amts für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) Mitte Dr. Rolf Arndt brachte die frohe Botschaft, dass für eine bessere Internetversorgung ab sofort knapp 100 000 Euro für Neundorf und gut 80 000 Euro für Hohenerxleben zur Verfügung stehen.

Staßfurt/Neundorf/Hohen-erxleben. "Es wird Jubelschreie geben in Hohenerxleben", teilte Ortsbürgermeister Sven Wagner die Freude von René Zok am Dienstag. Der Staßfurter OB hatte extra für diesen Termin seinen Urlaub unterbrochen. "Dass das so schnell klappt, hätte ich nicht gedacht", meinte Zok, der aber auch in der guten Vorbereitung des Fördermittelantrags einen Grund dafür sieht. "Staßfurt war von Anfang an dabei, die Fördermöglichkeiten zu nutzen." Er bedankte sich an dieser Stelle bei den Ortsräten in Hohenerxleben, die "die Beine in die Hand nahmen", und selbst den Bedarf bei ihren Einwohnern ermittelten. 100-faches Interesse waren das Ergebnis. Für Neundorf lag unterdessen die entsprechende Reaktion eines Anbieters vor. In dem großen Dorf hatten etwa 200 Einwohner ihr Interesse bekundet.

"Wir beginnen mit diesen Ortsteilen, weil es dort die ersten Absichtserklärungen gegeben hat", so der Oberbürgermeister. Und man werde weiter an diesem Thema dran bleiben, auch für die Breitbandversorgung in der Kernstadt. Die momentane Situation in Staßfurt sei unterschiedlich. So würden beispielsweise im Gewerbegebiet Nord und im Bereich der Erich-Weinert-Siedlung 16 MB anliegen, sonst weniger.

Dr. Rolf Arndt nannte als einzuhaltenden Termin für die Umsetzung der Mittel Ende 2011. "Wenn es 2010 noch geht, ist das auch kein Problem. Das Geld ist ab sofort da", erklärt der ALFF-Chef Mitte. Von Eigenlob wolle er nicht sprechen, dass zwischen der Förder-Beantragung am 10. Juni und der Bewilligung nur 18 Tage lagen. Die "Spielregeln" für dieses Programm seien anders gewesen als für andere Bereiche.

"In Skandinavien werden Lebensmittel im Internet bestellt"

Man sei einfach froh, hauptsächlich junge Leute mit dem schnelleren Internet fördern zu können. Nicht zu vernachlässigen natürlich auch Unternehmen, die sich auf dem Lande niedergelassen haben und angewiesen sind auf Breitbandnetz. Eine Voraussetzung, um in das Förderprogramm zu gelangen, ist eine Unterversorgung von weniger als zwei Megabyte (MB), erklärte ALFF-Abteilungsleiter Ulrich Marwan noch. Für die beiden Ortsteile nannte er einen aktuellen Wert von 384 Kilobyte. Ziel sei es, Voraussetzungen für 16 MB mit Ausbau-Optionen für 50 MB zu schaffen.

Marwan ließ aber keinen Zweifel daran, dass künftig auch immer mehr ältere Menschen Zugang zur Internetnutzung finden würden. "In ländlichen Regionen in Skandinavien ist es bereits normal, Lebensmittelbestellungen übers Internet aufzugeben." Und Utopie sei es auch nicht mehr, Gesundheitsparameter wie Blutdruckmessungen dem Arzt per Datenleitung zu übermitteln. "Gleichartige Lebensverhältnisse schaffen, das ist das Ziel. Also auch jeden, der es will, am Breitband teilhaben zu lassen", unterstreicht Ulrich Marwan.

Klaus Maaß bestätigte das Interesse auch älterer Mitbürger am Internet: "Meine Nachbarin macht mit 73 schon viel übers Internet."

Von den insgesamt rund 178 000 Euro für die Investitionen in den beiden Ortsteilen hat die Kommune 12,5 Prozent Eigenmittel aufzubringen. OB Zok versicherte, dass diese Mittel bereits im Haushalt 2010 eingestellt und sicher seien, da sie mit den Fördermitteln untersetzt sind.

"Jeder, der will, soll am Breitband teilhaben können"

Wie das praktisch umgesetzt wird, könne ganz unterschiedlich laufen, meinte Christian Schüler, Wirtschaftsförderer der Stadt, auf Nachfrage. "Teilweise brauchen nur Kabelverzweiger aufgerüstet werden. Manchmal muss aber auch neues Kabel gezogen werden für eine ganze Straße." Er rechne auf jeden Fall mit dem Baustart in diesem Jahr. Ziel der Fertigstellung sei Sommer 2011. Die Kunden würden im Übrigen durch die Investition nicht mehr bezahlen als was ihr Netzbetreiber von ihnen verlange.

Zu weiteren Breitband-Investitionen im Bereich ALFF Mitte sagte Ulrich Marwan noch, dass die Mittel dafür aus dem Konjunkturpaket II zwar aufgebraucht seien, "Aber wir sind dabei, neue Fördertöpfe aus Brüssel zu erschließen."