Groß Börnecke l Interessiert und aufgeweckt schaut die kleine Hannah nach oben. Sie strahlt ab und an, brabbelt und kaut auf allem herum, was sich im Umfeld anbietet. Gerade will sie den Finger von Kees des Vries in den Mund stecken. Der Politiker hat den putzigen Sonnenschein auf dem Arm. Rechts an seiner Seite sitzt die jüngste von Hannahs Schwestern, die dreijährige Emma. Ganz ruhig schaut die Kleine zu, wie ihre Mama erzählt. Daniela Steinmetz ist an diesem Tag sehr glücklich. Der Besuch von Kees de Vries ist nicht alltäglich und die Würdigung, die er als Botschafter mit im Gepäck hat, kann gleichfalls als Seltenheit betitelt werden.

Im Namen des Bundespräsidenten gratuliert Kees des Vries der jungen Familie, denn Joachim Gauck hat die Ehrenpatenschaft für Hannah, gerade vier Monate jung, übernommen. Sie ist das siebente Kind der Familie.

Am 10. September 2016 erblickte die jüngste der Familie mit einem Gewicht von 3430 Gramm und einer Größe von 51 Zentimetern im Klinikum in Aschersleben das Licht der Welt. „Eine Geburt ohne Komplikationen“, erzählt Daniela Steinmetz und lächelt zufrieden. Sie strahlt Ruhe aus, routiniert greift sie zur Taschentücherbox hinten auf dem Schrank und wischt dem süßen Säugling den Mund ab.

Kees de Vries ist an diesem Tag nicht allein da. An seiner Seite sitzt Ehefrau Ella de Vries. Das Ehepaar, das vor knapp 25 Jahren aus den Niederlanden nach Deutschland kam, hat selbst sechs Kinder, darunter sind sogar zwei Zwillings-Geschwister-Paare.

Der Termin in Groß Börnecke ist für Kees und Ella de Vries auch deshalb etwas nicht alltägliches. Sie sind sehr gern in die Stadt Hecklingen gefahren und freuen sich ebenfalls über den Besuch. Der Politiker sagt, dass es das erste Mal ist, dass er selbst eine solche Anerkennung überbringt.

Und dann geht die Tür auf. Der Rest der„Steinmetz-Rasselbande“ füllt den Raum mit noch mehr Leben, bis auf Papa Torsten Steinmetz, der als Dachdecker gerade arbeitet, ist die „XXL-Familie“ komplett. Die Große, Melissa, 15 Jahre, möchte lieber nicht auf das Zeitungs-Foto als der Moment für die Leser der Volksstimme festgehalten werden soll. Ihre Mama zeigt Verständnis. Kein Problem. Aber die anderen Kinder sind sofort dabei. Auf dem Sofa machen sie es sich bequem. Und so sitzen sie nebeneinander und lächeln: Daniel (9 Jahre), die zwölfjährige Josephine, Philipp (4), Paul (8), Emma (3) und Baby Hannah.

Danach verkrümeln sich die meisten in ihre Zimmer. Jeder nascht aus seinem kleinen Beutel, den er bekommen hat, rosa Süßigkeiten. Aus Kindersicht scheinen die Bonbons viel interessanter zu sein als das „Gerede“ in der Stube; und so hat Mama Daniela Steinmetz mit dem Baby und Emma, die immer noch zufrieden neben Kees de Vries sitzt, Zeit zum Plaudern. Sie erfährt von dem Politiker auch persönliche Dinge. Er sagt, dass es ihm und seiner Frau eine Ehre ist, hier sein zu dürfen. „Ich bin dankbar zu sehen, dass es Menschen gibt, die sich noch für so viele Kinder entscheiden.“ Dem zolle Respekt. Der Niederländer erinnert sich an eine Zeit vor seiner Arbeit als Bundestagsabgeordneter, damals in Holland als er mit seiner Frau und den Kindern auch Sorgen und Nöte zu durchleben hatte. Aber immer abends, wenn sie an den Bettchen der Kleinen standen, kam ihnen der Gedanke: „Was wäre unser Leben ohne unsere Kinder“, werden Erinnerungen wach.

Das Ehepaar weiß also auch aus eigener Erfahrung, worauf die Jüngsten abfahren. Einen riesigen Präsentkorb, kaum von einer Person zu tragen, wird zur Begrüßung in die Stube manövriert. Auf dem Tisch findet er wegen seiner Mega-Größe keinen Platz: Eine süße Überraschung steckt neben der anderen, frische Würstchen, Schokoriegel, Kekse ... „Den haben wir am Abend schon angefangen zu plündern“, berichtet Daniela Steinmetz gestern. Außerdem kann sie noch erzählen, wie die Patenschaft initiiert wurde. Denn ihre Idee war es nicht, das zu tun.

Der Bundespräsident übernimmt die Ehrenpatenschaft auf Antrag. „Eigentlich wollte uns meine Freundin damit überraschen“, denkt Daniela Steinmetz zurück. Doch daraus sei nichts geworden, weil Mutter und Vater per Unterschrift zustimmen mussten. Auch wenn der Besuch nicht unverhofft war, hat die Familie sich riesig gefreut, Baby Hannah kann sich später mit dem Titel eines nicht alltäglichen Ehrenpaten schmücken und ihre Geschwister naschen noch viele Tage vom „Riesen-Geschenk.“