Theatercamp

Riesenspaß auf der großen Bühne

Große Premiere im Salzlandtheater: 19 Kinder zeigen auf der Bühne, was sie beim Sommertheatercamp vorbereitet haben.

Von Franziska Richter

Staßfurt l Bei der großen Abschlusspräsentation am Freitag im Salzlandtheater wirken die jungen Darsteller wie Profis: Laute und klare Aussprache, Emotion in der Stimme, Selbstsicherheit auf der Bühne - da könnte mancher Erwachsene neidisch werden.

Den Kindern macht ihr Auftritt so viel Spaß, dass sie mit ihrer Freude ihre Eltern und Verwandten im Publikum ansteckten. Aufgeteilt in Gruppen führten die 19 Kinder aus Staßfurt und Aschersleben sechs kleine Figurentheaterstücke auf: Etwa die Geschichte von Räuber Hotzenplotz, der Hunger hat und ein Krokodil essen will, das quer über die Bühne die Flucht ergreift. Oder der Pinguin, der unbedingt einmal fliegen will und das nur mit Hilfe seiner Freunde schafft. Oder die Geschichte von Schneewittchen und ihrem Prinzen mit dem Schlusswort „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann knutschen sie noch heute.“

In einer Woche Sommertheatercamp hatten die Kinder all das vorbereitet. Von Lampenfieber ist ihnen nicht viel anzumerken. Das liegt zum einen daran, dass sie selbst viel Elan und Motivation zum Sommertheatercamp mitbrachten und zum anderen an dem Konzept, das die Theaterpädagoginnen Sandy Gärtner und Ines Wilk-Ekim aus Aschersleben angewandt haben.

„Die Kinder sollen in erster Linie Spaß am Theaterspielen haben und gar nicht merken, dass sie etwas lernen“, umreißt Sandy Gärtner ihre Herangehensweise. Dass die Kinder mit so viel Enthusiasmus hinter ihren Stücken stehen, liege daran, dass alles ihre eigene Idee und eigene Produktion ist. Die Stücke wurden selbst entwickelt, die Bühne wurde mit selbst gemalten Bildern dekoriert. Da in diesem Jahr das Motto des Theatercamps „Alles aus Papier“ lautete, wurden ganze Puppenbühnen aus Pappe angefertigt und alle Figuren selbst gebastelt. „Wenn alles am Stück ihr Eigenes ist, sind die Kinder mit viel mehr Elan dabei“, erklärt Sandy Gärtner, „was nützt es, wenn ich anordne, dieses und jenes wird jetzt gespielt?“

Am Anfang steht beim Theatercamp immer die Ideenfindung. Während sich die Kinder am Montag erst einmal zusammengefunden und bei Spielen kennengelernt haben, sollte jeder am Dienstag sein Lieblingsbuch mitbringen und die anderen überzeugen, warum ausgerechnet dieses Buch „das beste Buch der ganzen Welt“ ist. Je nachdem welche Kinder dieselbe Geschichte als die „beste der Welt“ empfanden, bilden sie Teams von drei bis sechs Personen.

Mit den Theaterpädagoginnen machten sie sich nun einen Plan - welchen Teil der Geschichte wollen wir zeigen, welche Figuren und Requisiten brauchen wir? „Zum Beispiel hatte die Gruppe mit den drei Jungs ein Sachbuch über Autos als Lieblingsbuch gewählt. Daraus ein kleines Theaterstück zu machen, ist nun erstmal schwierig. Aber ein Junge war noch dabei, der Geschichten mit Monstern liebte. So ist die Idee vom Monsterautorennen entstanden.“

Stimm- und Haltungstraining wurde auch durchgeführt, allerdings als Spiele in der Gruppe, sodass die Kinder eigentlich gar nicht merkten, dass sie Übungen fürs Theaterspiel gemacht haben.

Während am Mittwoch und Donnerstag gebastelt wurde, hieß es am Freitagvormittag vor der großen Premiere proben. Aber kein schnödes Auswendiglernen. „Sie wissen grob, was in der kleinen Geschichte auf der Bühne passieren soll, benutzen beim Spielen aber ihre eigenen Worte“, erklärt Sandy Gärtner. So entstand alles spontan auf der Bühne. „Und gerade deswegen ist alles so lebendig“, so Sandy Gärtner. Auf der Bühne vor ihren Eltern wirkte das Theaterspiel der Kinder dann so gekonnt, weil ihre Freude und ihr Spaß eben einfach echt waren.

Und jedes einzelne Kind strahlte dann bis über beide Ohren bei der großen Verbeugung vor Publikum. So eine Premiere ist immer ein riesiges Erfolgserlebnis für die Kinder, betont Sandy Gärtner. „Das Theatercamp steigert das Selbstbewusstsein. Sie schließen neue Freundschaften, erleben Zuversicht und Vertrauen in der Gruppe und lernen, dass man auf der Bühne keine Angst haben muss.“

Für Leona (7) aus Staßfurt war es das erste Mal auf einer Bühne. „Sie war Feuer und Flamme und konnte mal aus sich herausgehen“, sagt ihre Mutter Katja Schwenke. Viele Kinder haben sich gleich für das Sommertheatercamp 2017 angemeldet.