Differenzen innerhalb des Vorstandes des Fördervereins des Salzlandmuseums

Rücktritt: Schumann nur noch "normales" Mitglied

Von Kathleen Radunsky-Neumann

Eine Ära geht zu Ende. Sven Schumann, seit fünf Jahren Vorsitzender des Fördervereins des Salzlandmuseums in Schönebeck, ist von seinem Amt zurückgetreten. Sein Grund: Differenzen innerhalb des Vorstandes.

Schönebeck l Es ist eine Nachricht, die erst einmal schockt. Sven Schumann, der seit fünf Jahren die Geschicke des Fördervereins des Salzlandmuseums als dessen Vorsitzender führt, ist von seinem Amt zurückgetreten. Offiziell gemacht hat er diese Entscheidung bei dem Monatstreffen am Donnerstagabend.

"Es gibt einfach zu viele Differenzen innerhalb des Vorstandes", umschreibt Schumann die Gründe, die ihn zu diesem Schritt bewegt haben. Schon seit einem Jahr habe er das Gefühl, dass unter den sieben Vorstandsmitgliedern ein "komisches Verhältnis" herrscht, sagt er im Volksstimme-Gespräch. In den vergangenen Monaten habe sich dieser Eindruck noch mehr verstärkt.

"Mein Verständnis von einem Vorsitzenden bedeutet, dass ich über alles Bescheid weiß, was der Verein tut", erklärt Sven Schumann. Doch das sei seit geraumer Zeit nicht mehr so gelaufen. "Ich wollte ohne jeglichen Hintergedanken Einsicht in die Buchhaltung für 2011 und für das laufende Jahr", berichtet er. Das sei ihm von seinen Vorstandskollegen verwehrt geblieben. "Wenn jemand nicht mit offenen Karten spielt, schöpft man natürlich Verdacht, dass da etwas verborgen wird", erklärt Schumann, dass inzwischen ein gewisses Misstrauen vorherrsche.

Das sei vor allem deshalb ein Problem, weil an dem Förderverein seit dem Jahr 2010 enorme Verwantwortung hängt. Denn mit der Unterzeichnung des Nutzungsvertrages zwischen Verein und Salzlandkreis sind die Ehrenamtlichen zuständig für die Umbauarbeiten am Kreismuseum. Sie beantragen beim Jobcenter Ein-Euro-Kräfte, betreuen den Umbau, stellen Fördermittelanträge und bringen nicht zuletzt die dafür nötigen Eigenmittel ein. "Wenn hier etwas schief läuft, dann haften wir alle", formuliert es Schumann klar.

Für ihn ist der Schritt am Donnerstag erleichternd gewesen. Obwohl er sich sehr lange mit den Rücktrittsgedanken herumgetragen hat. Bereits beim Pfännerfest, das in diesem Jahr buchstäblich ins Wasser gefallen ist, hat er gegenüber der Volksstimme gesagt, dass dieses Fest das letzte dieser Art in seiner Verantwortung gewesen sein wird. Dass diese Ankündigung einher geht mit dem jetzt bekanntgegebenen Rücktritt, damit hatte bis dato keiner gerechnet. Dementsprechend überrascht waren die Mitglieder am Donnerstagabend, erzählt Sven Schumann.

Für ihn gibt es jetzt kein Zurück mehr. "Als ich den Rücktritt ausgesprochen habe, war es, als wenn ein großer Ballast von mir gefallen ist", beschreibt der Schönebecker. "Ich hatte einfach kaum Rückhalt mehr im Vorstand", sagt er gefasst. Trotzdem schaut er mit Wehmut auf die vergangenen sieben Jahre, die er sich im Vorstand des Fördervereins engagiert hat.

"Wir haben viel erreicht", fasst er zusammen und nennt die Sanierung der Turmuhr, die Restaurierung des wertvollsten Buches, eine Chronik von 1600, sowie den heutigen Stand der Umbauarbeiten als Beispiele. Sich selbst rechnet er dabei einen hohen Anteil an: "Ich habe einiges bewegen können." Denn gerade der Eigenanteil, den der Förderverein für etwaige Fördermittel einbringen muss, sei nicht zu verachten. Dafür hat der Verein mehrere Veranstaltungen im Jahr organisiert - genannt seien das Pfännerfest, das Glühweinfest, der Adventsmarkt, die Museumsnacht und nicht zuletzt die Übertragung der Fußball-Europa- und Weltmeisterschaften seit 2006. "Auf die Art haben wir das Museum immer wieder in das Gedächtnis der Menschen gebracht und konnten gleichzeitig Spendengelder sammeln", schätzt er ein.

Geärgert hat ihn deshalb gerade auch der Punkt, dass die diesjährige Fußball-EM nicht auf dem Hof des Salzlandmuseums gezeigt werden kann. "Ein Grund dafür ist, dass der Verein keinen eigenen Schlüssel mehr für das Museum besitzt", sagt der 43-Jährige. Den habe die neue Leiterin Petra Koch vorerst zurückgefordert, was für ihn durchaus nachvollziehbar ist. Dadurch könnten keine Toiletten und die Küche bei einer solchen Veranstaltung vorgehalten werden. "Mich hat gewundert, dass keiner im Vorstand bemüht war, den Schlüssel doch noch kurzfristig zu organisieren", berichtet Schumann.

"Damals bin ich mit guten Ideen in den Verein gekommen", erinnert sich Schumann. Anfangs sei man ihm zwar mit Skepsis begegnet, doch das habe sich schnell nach einem halben Jahr als Vorsitzender gelegt, sagt der Schönebecker.

Jetzt ist Schumann komplett aus dem Vorstand zurückgetreten. Als Mitglied will er dem Verein aber weiter erhalten bleiben. "Ich hoffe das Beste für den Verein und das Museum", sagt er. Doch dafür müsse Transparenz gezeigt werden, so der Schönebecker. Wie es jetzt mit dem Verein weitergehen wird, darüber mag er nicht mutmaßen.

Die Geschäfte des Vereins übernimmt vorerst Olaf Busch, bisher stellvertretender Vorsitzender im Verein. Auf Volksstimme-Nachfrage möchte er sich noch nicht weiter äußern. "Wir haben uns innerhalb des Vorstandes noch nicht verständigen können", sagt er. In der kommenden Woche wird sich der Vorstand treffen und über alles Weitere, unter anderem die Wahl eines neuen Vorsitzenden, beraten.