Hintergründe - Warum die Stadt darüber nachdenkt, das Salzlandfest zu verändern

Das Salzlandfest steht seit Jahren in der Diskussion - in der Kommunalpolitik, bei den Händlern sowie bei Bürgern und Besuchern.

Die Hauptkritikpunkte sind: Die Unterhaltungsangebote sind nicht attraktiv genug, haben zu wenig Qualität, es mangelt an Händlern, Händler wiederum verdienen zu wenig Geld, das Fest ist mit drei Tagen zu lang, die Kosten zu hoch, Stadt und Veranstalter machen damit nur Minus.

Dass Eintritt am Sonnabendabend auf dem Benneckschen Hof kassiert wird, stößt vielen Staßfurtern übel auf.

Von Seiten der Vereine heißt es: Die Stadt findet mittlerweile nicht mehr genug Vereine, Gruppen oder Kitas, die tagsüber das Programm auf dem Benneckschen Hof gestalten.

Nur ein Bewerber: Seit Jahren bewirbt sich immer nur das Salzland Center als Veranstalter auf die Ausschreibung zum Fest. „Das Fest will ja keiner mehr machen“, sagt man mittlerweile nicht mehr nur in Eventler-Kreisen.

Der Stadtrat hat 2018 auf den CDU-Vorschlag hin 25 000 Euro mehr bewilligt, um das Fest attraktiver zu machen. Das hatte 2018 mit zusätzlichen Attraktionen auch Wirkung gezeigt. Für 2019 gibt es diesen Zuschuss wieder. Er reicht jedoch nicht aus.

Dass die Verwaltung jetzt mit Veranstalter und Stadtwerken Ideen sammelt, wie das Fest konzentrierter, noch attraktiver und kostengünstiger gestaltet werden kann, ist eine logische Schlussfolgerung aus den Diskussionen ums Salzlandfest.

Der jetzige Vorschlag, auf die Bühne Sperlingsberg zu verzichten, war jedoch nicht abgesprochen und wird auch von den obersten Stellen nicht mit getragen. Hier war der Ansatz, die Besucher auf einem Platz zu konzentrieren und damit auch den Händlern mehr Einnahmen zu sichern.

Es sind etliche weitere Ideen im Gespräch, zum Beispiel den Freitagabend oder den Sonntagabend des Festes wegzukürzen. Denn auch mit Zuschuss soll das Fest konsentierter und kompakter werden. Dadurch soll es sich sowohl für Besucher als auch Händler lohnen. (fh)

Staßfurt l Am gestrigen Freitag, nach dem großen Aufschrei am Mittwoch, sagt Oberbürgermeister Sven Wagner: „Die Bühne der Stadtwerke auf dem Sperlingsberg wird es definitiv weiter geben“. In etlichen Gesprächen zwischen Stadt und Veranstalter seien zwar die verschiedensten Gedanken angesprochen worden, um das Salzlandfest attraktiver zu machen. Die Idee, die Stadtwerke-Bühne abzuschaffen, verfolge die Stadt aber absolut nicht. Damit nimmt Wagner Aussagen seiner Mitarbeiter zurück.

Fakt ist damit: Es wird die zweite Bühne auf dem Sperlingsberg auch 2019 geben. Fakt ist auch, dass das Salzlandfest rationalisiert werden, attraktiver und kompakter werden muss.

Empörung im Ausschuss

Dennoch hatte die Verwaltung am Mittwochabend im Kulturausschuss für Empörung gesorgt. Die zuständige Mitarbeiterin der Stadtverwaltung sagte dort: „Die zweite Bühne auf dem Sperlingsberg wird es 2019 nicht mehr geben.“ Das war aber nicht nur die Aussage einer einzelnen Mitarbeiterin. Sie zitierte ein ausgearbeitetes Papier des Fachdienstes der Verwaltung, der das Salzlandfest jedes Jahr verantwortet: „Die Bühne der Stadtwerke soll mit der Bühne Benneckescher Hof gekoppelt werden.“ Die Stadtwerke sollen das Tagesprogramm, dass sie bisher auf dem Sperlingsberg anboten, auf dem Benneckschen Hof organisieren, während abends wie gewohnt das Bühnenprogramm des Veranstalters Salzland Center läuft. Das Defizit des Veranstalters beim Fest soll mit dem Betrieb nur einer Bühne ausgeglichen werden.

In dem Moment stand den Mitgliedern des Ausschusses kurz mal der Mund offen. Vor allem Stadtrat Klaus Stops (CDU) war in Rage. Denn seine Fraktion hatte zuletzt durchgeboxt, dass das Salzlandfest auch 2019 25 000 Euro mehr aus der Stadtkasse bekommt, damit es attraktiver im Programm wird.

Schlechte Idee

„Das ist eine so schlechte Idee, da bin ich sprachlos“, regte sich Stops noch gestern gegenüber der Volksstimme auf. „Die Bühne der Stadtwerke war dieses Jahr wesentlich besser besucht als die am Benneckschen Hof. Das kann nicht sein!“ Genau zu diesem Schluss kommt die Verwaltung auch in dem Papier, das sie den Räten am selben Abend zur Auswertung des Festes 2018 ebenfalls in die Hand gibt.

„Und dann kommt noch der Hammer: Die Leute werden damit gezwungen, zum Benneckschen Hof zu gehen, wo sie dann abends auch noch Eintritt bezahlen müssen“, schimpft Klaus Stops. „Die Stadtwerke sollen dort das Tagesprogramm machen, das ohne Eintritt keine Einnahmen bringt, während abends Einnahmen gemacht werden.“

25.000 Euro mehr für Fest

Stadtrat Ralf-Peter Schmidt (UBvS) sagte: „Wir haben die ganze Debatte ums Salzlandfest eigentlich letztes Jahr angestoßen, um das Salzlandfest attraktiver zu machen, deswegen ja die 25 000 Euro mehr für das Fest. Unsere ursprüngliche Idee war es ja, die Abendveranstaltungen auf dem Benneckschen Hof eintrittsfrei zu bekommen.“

„Warum die Aussage kam, die zweite Bühne abzuschaffen, ist mir völlig unklar“, sagt Stadtrat Frank Rögner, der auch im Kulturausschuss zum ersten Mal von den Plänen hörte. „Das passt alles nicht zusammen“, sagt er in Bezug auf die Auswertung des Festes 2018.

Stadtwerke überrascht

Die Stadtwerke Staßfurt als Betreiber der Stadtwerke-Bühne beim Salzlandfest sind ebenso überrascht über die Aussage. „Wir haben mit unserer Bühne positive Erfahrungen gemacht, hatten viele Besucher, ergänzten uns sehr gut mit der Hauptbühne. Wir als Stadtwerke möchten an unserer Bühne festhalten“, erklärt Geschäftsführer Eugen Keller. „Es ist richtig, dass es Diskussionen gibt, die Wirtschaftlichkeit des Festes zu verbessern und Kosten zu optimieren, wobei alle möglichen Optionen zur Diskussion stehen.“

Sowohl Oberbürgermeister und notfalls die CDU-Fraktion im Stadtrat werden dafür sorgen, dass die Stadtwerke-Bühne bleibt. Das versichern beide Seiten öffentlich.