Das Schutzgebiet

Natura 2000 ist ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der Europäischen Union.

Es wird seit 1992 nach geltenden Maßgaben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) errichtet.

In Sachsen-Anhalt hat das Landesverwaltungsamt 298 bisherige FFH- und Vogelschutzgebiete gerade noch fristgerecht zum 1. Januar 2019 als europäische Schutzgebiete ausgewiesen.

Das bislang größte Naturschutzverfahren im Land hat vier Jahre in Anspruch genommen. Das Regelwerk umfasst 800 Seiten.

Das Land umgeht so drohende Strafzahlungen an die EU. Weil Deutschland beim Naturschutz lange zu wenig geliefert hat, läuft ein Vertragsverletzungsverfahren gegen den Bund.(mk)

Staßfurt/Egeln/Güsten l „Der Salzlandkreis wurde im Rahmen der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung, wie alle betroffene Kommunen, Landesbehörden und -betriebe sowie Interessen- und Berufsverbände auch, seit Juli 2016 an der Erarbeitung der Landesverordnung zur Unterschutzstellung der Natura-2000-Gebiete beteiligt“, erklärt Salzlandkreis-Pressesprecherin Marianne Bothe.

Abstimmungen

Dabei hätten auch Abstimmungen und ein Austausch zu Gebietsabgrenzungen mit dem Landesverwaltungsamt stattgefunden. „Mit der Festsetzung der nun verordneten Schutzgebiete ist die untere Naturschutzbehörde (UNB) grundsätzlich zufrieden.“ Die Pressesprecherin verweist darauf, dass der Fachbereich insbesondere während der Zeit des Beteiligungsverfahrens von Oktober bis Dezember 2018 verunsicherten und Hilfe suchenden Bürgern, Anglern und Landwirten mit Rat und Tat zur Seite gestanden habe. So wurde beispielsweise der Bauernverband Salzland bei der Interpretation der Regelungen unterstützt. „Die UNB diskutierte und erarbeitet mit Angelvereinen aus dem Kreisgebiet mögliche Regeländerungen zur Angelnutzung in den Natura- 2000-Gebieten“, so Bothe.

„Die Behörde erhofft sich letztendlich eine Stabilisierung und Erholung der hier beheimateten Populationen der Tier- und Pflanzenarten, die geschützt und oftmals vom Aussterben bedroht sind“, fasst sie zusammen.

Bilder

Dass auch bei linienhaften Gebieten von gemeinschaftlicher FFH-Bedeutung, sprich im Verlauf von Bode und Wipper, „immer Biotop- und Grünverbundräume geschützt und entwickelt“ werden, würde sich der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder (AHA) wünschen. Die „rote Linie“ für die Bode endet beispielsweise in Staßfurt.

Der Verein AHA, der auch im Salzlandkreis aktiv ist, musste erst bei seiner Neujahrs-Exkursion feststellen, dass längst nicht alles in Butter ist. Selbst in Naturschutzgebieten wie der Hakel bei Cochstedt. Der AHA hatte mit der Bürgerinitiative Hakelwald bereits zum 9. Mal eingeladen unter dem Gesichtspunkt, dass das FFH-Schutzgebiet Hakel behördlicherseits bereits seit vielen Jahren als Lebensraum zahlreicher bestandsbedrohter Tier- und Pflanzengesellschaften gelte. Insbesondere auch unter dem Aspekt des Greifvogelschutzes. AHA-Vorsitzender Andreas Liste und die 30 Teilnehmer fordern, dass die forstwirtschaftlichen Aktivitäten in dem Gesamtgebiet beendet werden, „um eine weitgehend ungestörte sukzessive, naturnahe Gehölzentwicklung zu ermöglichen und die Tierwelt nicht zu stören“.

Mit Entsetzen und Unverständnis hätten die Exkursionsteilnehmer auf die Schaffung neuer Rückegassen reagiert, welche sehr deutliche Bodenverdichtungen und Zerstörungen an der Flora hinterließen. Der Verein will dazu jetzt sogar von der Staatsanwaltschaft eine strafrechtliche Relevanz prüfen lassen.

„Aber auch der angedachte Flugbetrieb Cochstedt bereitet uns Sorge“, so Andreas Liste. Hier gelte es, nach den Gesichtspunkten eines angrenzenden Naturschutzgebietes und Europäischen Vogelschutzgebietes unbedingt eine gründliche Überprüfung vorzunehmen. „Immerhin leben hier noch etwa 70 Brutvogelarten, darunter Schwarzmilan, Rotmilan, Habicht, Sperber...“