Anliegerärger

Schwerlastverkehr und desolate Landesstraße nerven Staßfurter

Anlieger des Athensleber Wegs in Staßfurt bekommen jeden vorbeifahrenden Lkw zu spüren. Und das sind nicht wenige: Schwerlastverkehr mit Soda-, Müll- oder Dickstoff-Ladung. Bald auch mit Salz.

Von Falk Rockmann
Gerhard Bendokat steht an der schadhaften Gully-Einfassung. Auch die Risse über die Straße lassen den Schwerlastverkehr im Athensleber Weg nicht gerade leise über den Asphalt gleiten.
Gerhard Bendokat steht an der schadhaften Gully-Einfassung. Auch die Risse über die Straße lassen den Schwerlastverkehr im Athensleber Weg nicht gerade leise über den Asphalt gleiten. Foto: Falk Rockmann

Staßfurt

Es hat schonmal geklappt. Vor Jahren hatten die Bendokats auf eine Delle in der Fahrbahn öffentlich aufmerksam gemacht. Und siehe da: Es tat sich was. Die Unebenheit inmitten der Fahrbahn der Landesstraße 71 wurde bald ausgeglichen.

Eine positive Reaktion erfuhren das Rentner-Ehepaar und Nachbarn auch, als sie sich über üble Gerüche beschwerten. Daraufhin wurden sie vom nahen Betrieb OHPlus eingeladen. Der ließ letztendlich Geruchsfilter in Kanaldeckel im Verlauf der Straße einbauen. Seit dem herrscht Ruhe in dieser Hinsicht.

Die Hoffnung ist nun groß, dass sich solche positiven Erfahrungen wiederholen lassen. „Am schlimmsten sind die Blechcontainer zur Müllverbrennung oder die Kesselwagen zur Dickstoffversatzanlage“, beschreibt Gerhard Bendokat den „Lkw-Verkehr, der hier ohne Ende fährt“. Lärm und Erschütterungen am Haus sind die Folgen. Seine Frau Erika will den Fahrern keine Schuld geben. Die könnten gar nichts dafür, auch wenn es manche mit der Geschwindigkeit nich t so genau nähmen.

„Es würde ja schon ausreichen, wenn die Querrisse über die Straße beseitigt und die Einfassung des Gullydeckels repariert werden“, schildert der 82-Jährige den Grund für seine Beschwerde.

Die ist beim Straßenbaulastträger übrigens noch nicht angekommen. Sagt zumindest der für diese Landesstraße zuständige Regionalbereichsleiter der Landesstraßenbaubehörde. Michael Schanz schickte aber auf die Nachfrage des Salzland-Kuriers den Leiter der zuständigen Straßenmeisterei Atzendorf in die Spur, welcher sich ein aktuelles persönliches Bild vom Zustand der Straße machte.

Im Vergleich zu anderen nicht die schlechteste

In Auswertung dieser Vor-Ort-Schau inklusive Fotodokumentation schreibt Schanz unter anderem: „So vollumfänglich nachvollziehbar die subjektiven Einschätzungen betroffener Anlieger oftmals sind, muss hier aus Sicht der Landesstraßenbaubehörde objektiv festgestellt werden, dass die L 71 im Bereich Athenslebener Weg zwar keinen guten beziehungsweise zufriedenstellenden Zustand hat, aber im Vergleich zu anderen Strecken im hiesigen Zuständigkeitsbereich sicher nicht zu den schlechtesten Straßen zählt.“

Eine dauerhafte Verbesserung der Situation sei nur durch einen grundhaften Straßenausbau möglich, so Michael Schanz. Dazu bedürfe es allerdings „einer entsprechenden Vorbereitungszeit und eines nicht unerheblichen finanziellen sowie personellen Aufwandes“. In den aktuellen Abstimmungen mit der Kommune sei die Straße nicht in die Priorität eingeordnet wie beispielsweise die Bernburger Straße.

Der Regionalbereichsleiter versichert aber: „Unabhängig davon, wird die Straßenmeisterei im Rahmen der regelmäßigen Streckenkontrolle die Verkehrssicherungspflicht gewährleisten und gegebenenfalls notwendige Sofortmaßnahmen, bei Bedarf auch in Abstimmung mit dem Zuständigen für die im Straßenbereich vorhandenen Schachtabdeckungen, vornehmen. Konkret ist hier allerdings derzeit nichts geplant.“

Der Abwasserzweckverband Bode-Wipper kontrolliert im übrigen nach Aussagen von Geschäftsführer Andreas Beyer ein Mal jährlich die Einläufe, für die er zuständig ist. Im Falle der Regenwassereinläufe besagter Landesstraße sei der Verband nicht zuständig.

Landesstraße muss „Normalverkehr“ aushalten

Zu möglichen Kostenbeteiligungen Dritter, die den Athenslebener Weg stark in Anspruch nehmen, erklärt Michael Schanz: „Das ist im Rahmen des Schwerverkehrs (innerhalb der Maßgaben der Straßenverkehrszulassungsordnung) nicht möglich. Für diese Beanspruchungen muss eine Landesstraße ausgestaltet sein.“ Anders verhalte es sich gegebenenfalls mit Schwerlastverkehr (Maße und Gewichte außerhalb der Straßenverkehrszulassungsordnung). „Dieser ist im Gegensatz zum Schwerverkehr gesondert genehmigungspflichtig. Sollten sich im Rahmen dieser Nutzung des jeweils im Rahmen der Genehmigung festgelegten Transportweges Schäden einstellen, könnten diese den Unternehmen in Rechnung gestellt werden. Diese Sondertransporte werden deshalb auch über das verwaltungsintern festgelegte Vorrangnetz für den Schwerlastverkehr geführt, um weitestgehend gut ausgebaute Straßen und Brücken zu befahren.“

Der Staßfurt-Melder, über den Einwohner per Internet (siehe grüner Kasten links) der Stadtverwaltung Schäden mitteilen oder Hinweise geben können, wäre im Fall der erwähnten Landesstraße oder bei Kreisstraßen übrigens nur insofern die richtige Adresse, als dass so ein Anliegen weitergeleitet wird.

Janine Sparmann, die den Staßfurt-Melder betreut: „In diesem Jahr wurden bisher zwei Meldungen an den Kreiswirtschaftsbetrieb des Salzlandkreises weitergeleitet und eine an die Landesstraßenbaubehörde.“ Die Vorgänge seien auch jeweils öffentlich so beantwortet und die jeweils zuständige Telefonnummer dem Bürger für weitere Rückfragen mitgeteilt worden. Ähnlich verfahre die Stadt mit dem AVV bei Hinweisen zu Gullydeckeln – im vergangenen und 2021 bislang jeweils einmal.