Staßfurt l Am Anfang war der Ortschaftsrat in Förderstedt. Mitte Januar stellte die CDU-Fraktion dort einen Antrag vor, der es vorsah, im Stellen- und Kostenplan für den vorläufigen Haushalt der Stadt Staßfurt im Jahr 2019 zusätzlich Platz zu schaffen für zwei neue Stellen in den Jugendclubs der ehemaligen Gemeinde Förderstedt. Was damals noch in der Schwebe war und die Politiker nicht wussten: Sie hätten sich die Mühe der Überlegungen sparen können. Denn die Stadt hatte längst einen Schritt weiter gedacht.

Wie jetzt bekannt wurde, sollen noch in diesem Jahr je eine neue Stelle für die Jugendclubs in Förderstedt und Glöthe geschaffen werden. Dazu ist eine sogenannte Stelle „Springer Jugend“ in Planung, um perspektivisch auch den Jugendclub Atzendorf, der in diesem Sommer wohl kommen wird, zu besetzen. Ob Ortsbürgermeister Peter Rotter (CDU) verärgert ist, dass er erst später davon Kenntnis bekam? „Nein. Man sollte eben nicht über ungelegte Eier reden“, sagt er. „Die Verwaltung ist da zu Recht vorsichtig geworden. Ich habe davon kurz nach dem Ortschaftsrat erfahren.“ Die Freude war freilich riesig. „Der Bedarf ist groß“, so Rotter.

Auch die Stadt geht nun offensiv mit der Verkündung um. Alle Details sind geklärt. Bei den drei „30 Stunden Stellen“ handelt es sich um vom Jobcenter geförderte Beschäftigungsverhältnisse über das Teilhabechancengesetz (siehe Infokasten). Diese Finanzierung wird in den ersten beiden Jahren komplett vom Jobcenter übernommen, danach muss die Stadt zehn, 20 und dann 30 Prozent der Personalkosten jährlich hinzuschießen. Die Laufzeit der Förderung beträgt fünf Jahre. Zunächst ist eine befristete Anstellung über zwei Jahre möglich, danach könnten die Arbeitnehmer unbefristet übernommen werden.

Gespräche im Januar

Wichtige Zuarbeit leistete dabei Doreen Albrecht, Bereichsleiterin Eingliederung beim Jobcenter. „Die Arbeit mit Jugendlichen ist uns allen wichtig. Das war für uns Anlass, auf die Verwaltung der Stadt, mit der wir bereits seit langem eng zusammenarbeiten, zuzugehen. Wir sind froh, dass das gut funktioniert hat“, sagt sie. „Für uns ist das Teilhabechancengesetz noch Neuland, aber das Gesetz war lange angekündigt“, sagt sie und informiert: „In der ersten Januarwoche gab es konkrete Gespräche mit der Stadt.“

Jessica Krengel-Lienau, Stadtjugendpflegerin der Stadt Staßfurt, erklärte dabei konkret den Handlungsbedarf. „Die Räte fordern seit längerem die ganzwöchige Öffnung der Einrichtung in Förderstedt. Derzeit wird die Einrichtung an zwei Tagen durch den Leiter des Teenie-Treffs abgedeckt. Zusätzlich konnte seit dem 1. Dezember 2018 eine ehrenamtliche Unterstützung gewonnen werden. Jutta Nickel befindet sich in einem regulären Beschäftigungsverhältnis und arbeitet in Schichten. Sie unterstützt den Jugendclub deshalb stundenweise an maximal ein bis zwei Tagen“, sagt sie. „Nur deshalb kann der Jugendclub montags bis mittwochs geöffnet werden.“

Weil ab April eine Maßnahme im Teenie-Treff ausläuft und Philip Krengel-Lienau in Förderstedt gebraucht wird, ist zu befürchten, dass der Teenie-Treff dann nur noch dreimal statt fünfmal die Woche geöffnet hat. „Um diese Kürzung der Öffnungszeiten und die ganzwöchige Öffnung des Jugendclubs in Förderstedt zu gewährleisten, ist daher dringend die Besetzung einer 30-Stunden-Stelle für den Jugendclub in Förderstedt zu empfehlen“, so Jessica Krengel-Lienau.

Großer Bedarf in Glöthe

Auch in Glöthe gibt es Handlungsbedarf. „Mit Beendigung einer Maßnahme zum 31. Dezember ist die Einrichtung seit 1. Januar unbesetzt“, erklärt Krengel-Lienau. Nur dank des Engagements der Landjugendpflegerin Kerstin Vollmer hat dieser im Moment noch Montag und Mittwoch von 14 bis 18 Uhr geöffnet. „Der Jugendclub in Glöthe gehört zu den am besten besuchten Einrichtungen. Vor allem Jugendliche ab 16 Jahren besuchen diese Einrichtung regelmäßig“, so Krengel-Lienau. Eine dritte Stelle als „Springer“ ist nötig, weil durch die Wiedereröffnung des Jugendclubs in Atzendorf, dem Wegfall der Ehrenamtskraft im Jugendclub Hohenerxleben ab Oktober sowie der gesundheits-/krankheitsbedingten häufigen Schließzeiten im Jugendclub Brumby die Besetzung wackelt.

Die künftigen Arbeitnehmer werden in die Entgeltgruppe S2 eingestuft, heißt: „Die Kosten betragen je 30 Stunden Stelle rund 27 300 Euro pro Jahr“, teilt Riccardo Achilles mit. Auch wenn für die Stadt Staßfurt 2019 und 2020 noch keine Kosten anfallen, müssen die Stellen im Haushalt aufgenommen und im Stadtrat beschlossen werden. Wohl schon bei der nächsten Sitzung am 28. März.

Natürlich müssen noch geeignete Kandidaten gefunden werden. Es gibt rege Gespräche. „Von uns wurden zwei Personen vorgeschlagen. Das Jobcenter prüft, ob diese Personen für das Förderprogramm in Frage kommen“, teilt Krengel-Lienau mit. „Wir sind gerade dabei, Arbeitnehmer für die Stellen zu finden. Wir haben bereits passende Kunden im Hinterkopf“, ergänzt Doreen Albrecht vom Jobcenter.

Ende Februar/Anfang März soll ein gemeinsamer Bewerbertag vom Jobcenter und der Stadt organisiert werden, um so im April ein Probearbeiten im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit zu ermöglichen. Und danach: „Wir gehen davon aus, dass wir die Stellen spätestens im Mai oder Juni gemeinsam mit der Stadt besetzen können“, so Albrecht.