Löderburg l Ein stattlicher Überläufer dreht sich auf dem Spieß, unter dem Andreas Raguse gegen 7 Uhr am Sonnabendmorgen schon ordentlich Feuer gemacht hat. Keine kapitalen Hechte oder Zander als Festessen zum 85. Geburtstag des Sportfischervereins Löderburg 1933 e.V.?  

Abgesehen davon, dass ein Fleischer auch gern mal ein Stück Kuchen ist, erklärt Vereinsvorsitzender Torsten Kumetz: „Dieses Jahr ist kein gutes für Fische – es ist viel zu warm.“ Ausgerechnet am Tag der Jubiläumsfeier waren am Knast-Teich – auch als Undank bekannt – die ersten Hechte hochgekommen. Am See gegenüber seien bereits eine Woche zuvor die ersten toten Fische festgestellt worden. „Wenn nicht langsam Regen kommt, wird‘s noch schlimmer“, meint Kumetz. Nicht nur für Raubfische, die besonders empfindlich auf Sauerstoffmangel reagieren. Möglicherweise muss sich der Verein dann im nächsten Jahr auf einen verstärkten Neubesatz einrichten.  

Während der Wasserpegel des Undanks etwa um einen halben Meter gesunken ist – er hat keinen Zufluss – sieht die Situation an den anderen Gewässern ringsum das idyllisch gelegene Vereinsgelände an der Laake nicht ganz so trübe aus. Kreuzteich, Salzteich, Laake und Tagebau müssen selbst bei diesen Temperaturen abgepumpt werden, um den Pegel zu halten, weil ständig frisches, kühleres Grundwasser nachströmt. Vereinsmitglied Andreas Herrmann weist bei der Gelegenheit auf ein kleines Problem hin: „Die Stadt müsste mal das Schilf um die Pumpe der Laake freischneiden, bevor sich das Aggregat zusetzt.“ 300 Mitglieder Sorgen hatten nun aber erstmal Pause. Bei über 300 Mitgliedern, die von Magdeburg bis München kommen, im Westharz und in der Börde zu Hause sind, steht der Verein finanziell auf festen Füßen. Der Sportfischerverein Löderburg sei der größte eigenständige Angelverein im Altkreis Staßfurt, erklärt der Vereinschef. 

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Jüngstes aktives Mitglied ist die neunjährige Xenya Hanstein, an Jahren erfahrenster Petrijünger „Eddy“ Sommerfeld mit 74, der als Vorstandsmitglied unter anderem die Jugend betreute und Sportwart war. Seit 66 Jahren ist er dem Verein übrigens schon treu. Wohl nicht zuletzt deshalb ist Eberhard Sommerfeld Ehrenmitglied, ebenso Rainer Helmecke und Jürgen Matejik.

Das Vereinsleben funktioniert insgesamt – von Arbeitseinsätzen, über regelmäßige Hegeangel-Angebote und Vergleichsangeln mit befreundeten Vereinen bis hin zu solchen Feierlichkeiten wie jetzt dem 85. mit Schwein am Spieß.  Auch Schulungen zum Erwerb des Fischereischeins gehören zum Jahresprogramm. Und was natürlich ganz wichtig für die Zukunft eines Vereins ist: eine funktionierende Jugendarbeit. 50 Mitglieder zählt der Verein. 

Jugend war nicht immer gern gesehen, wie Torsten Kumetz in Vereinsprotokollen fand. Die hatte der einstige Löderburger Heimatchronist Manfred Lehrmann zusammengetragen. So gab es in den 1930er Jahren schon „Wassermangel“. Doch damit waren die Angelplätze gemeint, die sich die „Alten“ nicht mit der jungen Generation teilen wollten. Damals fiel deshalb die Gründung einer Jugendgruppe flach. Heute kann sich Jugendwart Sven Keuschmer unter anderem darüber freuen, dass das Sommercamp immer besser angenommen wird. Der Jugendfischereischein kann übrigens mit acht Jahren bereits erworben werden.