Staßfurt l Im Rathaus werden heute einige konzentrierte Blicke in die Mitte des Raumes gehen. In einer großen Konferenz steht erneut das wichtige Thema Sport- und Mehrzweckhalle Löderburg auf der Tagesordnung. Es nehmen teil: Sven Wagner (SPD), der Oberbürgermeister der Stadt Staßfurt, Hans-Georg Köpper, Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung, Vertreter des Bauordnungsamts des Salzlandkreises sowie Vertreter der Vereine aus Löderburg.

Erneut soll über die weitere Vorgehensweise gesprochen werden, die Zeitachse bis zum Sommer abgeklopft werden. Dann soll geklärt sein, ob die Halle saniert wird und was das kosten soll. Indirekt ist der Termin auch eine Reaktion des Rathauses auf einen Offenen Brief der Löderburger Vereine, in denen Quervergleiche zu anderen Hallen gezogen wurden und in denen der Oberbürgermeister dazu aufgefordert wird, die Halle umgehend wieder zu öffnen.

Über die Ergebnisse dieser Sitzung soll dann auch in der nächsten Sitzung des Stadtrats am 9. Mai informiert werden. Sicher gibt es dann auch erneuten Diskussionsbedarf, die Fraktionen und deren Vorsitzende haben aber schon jetzt klare Standpunkte entwickelt. „Ich kann mich nicht hinter die Forderungen des Offenen Briefs stellen“, sagt Klaus Stops, Fraktionsvorsitzender der CDU, besonders die Quervergleiche zu anderen Hallen findet er nicht gut. Den Hinweis, dass mit der Brandschutz-Argumentation aus Löderburg alle Halle geschlossen werden müssten, empfindet er überzogen. „Das ist eine sehr vorschnell aufgestellte Behauptung, die fachlich nicht hinterlegt ist. Ich kann der Argumentation der Stadt folgen. Sich an einen Tisch zu setzen, ist der richtige Weg.“

Zum Nachdenken anregen

Klaus Magenheimer, Fraktionsvorsitzender der Linken, hat grundsätzlich Verständnis für die Vorgehensweise mit dem Offenen Brief. Logisch, schließlich gehört Carsten Fütterer, einer der Initiatoren des Briefes, seiner eigenen Fraktion an. „Wir sind nicht glücklich darüber, dass die Halle geschlossen wurde“, sagt er. „Es muss alles in Bewegung gesetzt werden, weiter darüber gesprochen werden. Vielleicht regt der Brief zum Nachdenken an. Und es ist gut, dass damit der Bürgermeinung Ausdruck verliehen wird.“ Schließlich gab es neben dem Offenen Brief eine Unterschriftensammlung mit 1035 Unterschreibern.

Johann Hauser, Fraktionsvorsitzender der FDP/offene Liste, schüttelt mit dem Kopf. „Populismus bringt uns nicht weiter“, sagt er. „Es hilft nicht, sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben. Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit.“ Klar ist für ihn: „Ein Neubau kommt nicht in Frage.“ Er findet es gut, wie die Stadt mit dem Offenen Brief umgeht. „Es ist goldrichtig, diese Versammlung einzuberufen, man muss Vertrauen zueinander aufbauen. Hoffentlich kommt dabei nicht nur ‚blabla‘ heraus.“

Drei klare Botschaften gibt es aus der Fraktion SPD/Grüne. Erstens: „Die Situation ist unbefriedigend. Die Halle muss wieder geöffnet werden“, sagt Fraktionsvorsitzender Michael Hauschild. Zweitens: „Der Vergleich der Vereine zu anderen Hallen ist nicht zielführend. Man kann die Hallen nicht vergleichen.“ Die dritte Botschaft lautet: „Wir haben Vertrauen zur Stadtverwaltung. Gleichzeitig muss aber die Zeitachse eingehalten werden. Da werden wir drauf achten.“

Keine Fachleute

Hartmut Wiest, Fraktionsvorsitzender UWG Salzland/AfD findet es ganz generell erst einmal gut, dass sich Vereine und Bürger für ihre Halle stark machen. „Das ist Demokratie“, sagt er. Allerdings findet er die Forderungen überzogen. „Die Planungen sind in Arbeit, wir können keinen Druck machen, auch weil wir keine Fachleute sind. Ich trau mir das nicht zu, einzuschätzen, welche Halle wegen des Brandschutzes geschlossen werden müsste.“ Die Auflagen der Baugenehmigung findet er nach wie vor schleierhaft. Aber: „Die Haftung liegt beim Oberbürgermeister. Und in den Ausschüssen wurde über den Stand der Planung informiert, es ist alles gesagt.“

Dass die Halle wieder geöffnet wird, steht auch bei der Unabhängigen Bürgervertretung Staßfurt (UBvS) ganz oben auf der Prioritätenliste. „Das ist unser Ziel“, sagt der Fraktionsvorsitzende Harald Weise. Gleichwohl findet er den Ansatz der Vereine „nachvollziehbar. Sie bemühen sich um ihre Halle“. Für Weise könnte die Gesprächsrunde heute sehr wichtig werden. „Ich habe die Hoffnung, dass es ein großer Schritt ist, um eine gemeinsame Lösung und Entspannung zu finden.“ Die Prüfung einer Ausnahmegenehmigung überlässt auch Weise lieber den Fachleuten.