Verpackungsgesetz

Staßfurter Imbiss von Plastetellern, so lange es noch geht

Mit der neuen Verpackungsverordnung will die Bundesregierung die Müllberge verringern. Imbissbetreiber und Gastronomen sind nicht erbaut.

Von Falk Rockmann 09.07.2021, 16:51
Imbiss-Verkäuferin Janette Köhler weiß aus Erfahrung, dass heiße Erbsensuppe beispielsweise nicht ganz so einfach zu transportieren ist. Feldküche-Kundin Marion Erdmann hätte allerdings auch kein Problem damit, in Zukunft ein eigenes Behältnis aus Glas mitzubringen.
Imbiss-Verkäuferin Janette Köhler weiß aus Erfahrung, dass heiße Erbsensuppe beispielsweise nicht ganz so einfach zu transportieren ist. Feldküche-Kundin Marion Erdmann hätte allerdings auch kein Problem damit, in Zukunft ein eigenes Behältnis aus Glas mitzubringen. Foto: Falk Rockmann

Staßfurt - „Bis Ende Juni durfte es produziert werden, bis Ende dieses Jahres ist der Verkauf im Handel noch erlaubt. Und wir dürfen es verbrauchen – bis alle.“ Nadine Bensch weiß Bescheid, wie das mit Plasteschüssel & Co. jetzt ist.

Und sie weiß auch schon, dass alternative Verpackungsmaterialien doppelt so teurer sein werden im Einkauf. Bedeutet: Die Betreiberin der Grillotta-Bar müsste diese Kosten an ihre Kunden weiterreichen. „Wir können doch aber nicht alles teurer machen, gerade in der Corona-Zeit.“ Nadine Bensch hat deshalb erstmal vorgesorgt und sich einen größeren Vorrat an herkömmlichem Verpackungsmaterial gesichert. Natürlich hat sich die Unternehmerin auch schon mit der Möglichkeit von Mehrwegverpackungen befasst. „Aber ob das die Umwelt entlastet? Mehrweg muss beispielsweise zwei Mal abgewaschen werden. Selbst wenn der Kunde das sauber zurückbringt, muss ich das nochmal durch den Spüler schieben“, erklärt Nadine Bensch. Das hieße dann doppelter Wasser-, Energie und Spülmittelverbrauch.

Erste Überlegungen zwischen Mais und Mehrweggeschirr

„Wenn es soweit ist, mach’ ich mir nochmal richtig Gedanken darüber“, sieht sie das Ganze dann doch relativ entspannt, „Irgendwann müssen wir ja.“

Lagerbestände nutzt auch Ramona Osterburg. Wie einmal die neuen Verpackungen für ihr Feldküchen-Essen aussehen werden, weiß sie noch nicht. „Auf jeden Fall werden die Verpackungen teurer, was sich auf den Endpreis niederschlagen wird“, ist sie sich sicher. „Für heiße Suppe eignet sich eine Plasteschüssel einfach am besten“, so die Landhaus-Wirtin. Und die Gäste müssten sich beim Trinken mit Strohhalmen schon ganz schön beeilen, bevor diese sich auflösen.

Materialien wie Papier oder Mais sind nicht hitzebeständig genug und hätten sie überhaupt nicht überzeugt. Eine Möglichkeit sieht Ramona Osterburg in Mehrwegbehältern. Allerdings auch in dem Bewusstsein, dass diese dann von der Feldküche mit großem Mehraufwand zum Abwasch in die Küche des Landhauses gekutscht werden müssten. „Am besten, die Leute bringen ihre Behältnisse mit.“

Skeptisch ist man derweil auch bei der Lebenshilfe Staßfurt noch gegenüber den gegenwärtig existierenden Alternativen. „Ob Mehrweg oder was anderes – wir wissen es noch nicht“, sagt Lebenshilfe-Werkstattleiter Andreas Patzelt, in dessen Verantwortung auch das Tiergarten-Café und die neue Kantine am Luisenplatz liegen.

Keine guten Erfahrungen habe er jedenfalls privat beim Grillen mit einem Bambusteller gemacht. Der hätte sich aufgelöst, bevor das Steak gegessen war.

Was sicher sei, ist seit 2019 ein enormer bürokratischer Aufwand, um Verpackungsmaterialien akribisch zu dokumentieren, um Abgaben – zum Beispiel auch für Alu-Assietten – an das Duale System Deutschland (Grüner Punkt) abzuführen. Da zahle der Hersteller, der Gastronom und der Kunde auch nochmal. Um das zu umgehen, habe die Floristik der Lebenshilfe schon die Folie abgeschafft.

Muss und Ausnahme

Ab 2023 müssen Caterer, Lieferdienste und Restaurants (laut EU-Recht) auch Mehrweg- als Alternative zu Einwegbehältern für Essen/Getränke zum Mitnehmen anbieten. Ausnahme: kleine Betriebe wie Imbissbuden sollen ihren Kunden Speisen und Getränke auch in mitgebrachte Behälter abfüllen dürfen.

Marcel Neumanns Chefin von der Grillotta-Bar hat gut vorgesorgt. Über teure alternative Materialien für Essenbehältnisse will sich Nadine Bensch im Moment noch nicht den Kopf zerbrechen.
Marcel Neumanns Chefin von der Grillotta-Bar hat gut vorgesorgt. Über teure alternative Materialien für Essenbehältnisse will sich Nadine Bensch im Moment noch nicht den Kopf zerbrechen.
Foto: Falk Rockmann
Vorräte schaffen sehen Imbissbetreiber und Gastronomen als das Gebot der Stunde. Nur noch bis Jahresende dürfen vom Handel Assietten aus Styropor oder Plasteteller abgegeben werden.
Vorräte schaffen sehen Imbissbetreiber und Gastronomen als das Gebot der Stunde. Nur noch bis Jahresende dürfen vom Handel Assietten aus Styropor oder Plasteteller abgegeben werden.
Foto: Falk Rockmann