Staßfurt l Vorschnelles Handeln wäre ein Wort, Täuschung ein anderes, um die Vorgänge um die Staßfurter Tafel samt Kaiserhof zu umschreiben. Wie sich jetzt herausstellt, stimmt etwas nicht mit dem neuen Konzept für den Kaiserhof. Der Stadtrat, dem das Konzept vorgestellt wurde, wird sich hintergangen fühlen.

Neuer Mieter

Hintergrund: Die BQI (Beschäftigungsförderungs-, Qualifizierungs- und Innovationsgesellschaft Schönebeck) hat für den Kaiserhof bei der Stadt ein Konzept eingereicht. Danach sollten die BQI als Hauptmieter ab Januar 2020 einziehen und mit den Partnern GESAS (Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktförderung Salzland), Staßfurter Urania und Kreativwerkstatt „Bunte Insel“ das Tafel-Gebäude mit Angeboten für Sozialschwache neu beleben. Der Leiter des neuen Tafel-Vereins, Steffen Globig, hatte sich diese Partner gesucht, da die gemeinnützige Organisation die Betriebskosten des Hauses nicht allein stemmen kann und die Stadt in Zukunft Miete verlangen will.

Das eingereichte Konzept wurde aber teilweise nicht abgesprochen. „Wir hätten uns vorstellen können, Bildungsveranstaltungen mit Referenten ähnlich wie bei uns im Kaiserhof durchzuführen“, erklärt Urania-Geschäftsführerin Andrea Maindok. „Aber all die anderen Dinge, die aufgeführt werden, können wir gar nicht leisten.“

Für die Urania stehen im Konzept zum Kaiserhof eine Kindertafel für Bildung, Kunst und Kultur, Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe, Leseecke und offene Bibliothek, Frühstücksboxen für Schulkinder, Trödelabende. „Wir haben es aus der Zeitung erfahren“, so Maindok. „Wir können diese Angebote für Kinder gar nicht durchführen, da wir in der Erwachsenenbildung tätig sind.“

Falsche Angaben

Stadträtin Margit Kietz (Die Linke), die zum Vorstand der Urania gehört, hat bei der Stadtratssitzung am Donnerstagabend die anderen Stadträte darüber informiert, dass die Urania gar nicht mit dem eingereichten Konzept einverstanden sei. Als das Konzept in den Ausschüssen des Stadtrats Ende August vorgestellt wurde, hielt sich Kietz zunächst zurück. „Wir haben zu dem Zeitpunkt nicht sprechen können, da ich im Urlaub war“, so Andrea Maindok.

„Wir sind nicht glücklich darüber, wie das gelaufen ist“, sagt Maindok. Sie wolle keinen Krawall, aber im Gespräch mit dem Tafel-Leiter müsse man in den nächsten Wochen klären, wie es dazu gekommen sei. Man habe bei Treffen nur lose über Ideen gesprochen, aber nichts fest gemacht.

Vorschnell gehandelt

Tafel-Leiter Steffen Globig räumt auf Nachfrage ein: Man habe nicht alles genau abgestimmt, die Zeit war knapp, man konnte sich gegenseitig schwer erreichen, alles lief nur telefonisch, die Dinge im Konzept seien erst einmal nur Ideen.

Britta Duschek, Geschäftsführerin der BQI, die ihre Unterschrift unter das Konzept gesetzt hat, erklärt, sie habe die Zuarbeit zur Urania von Globig bekommen. Der Tafel-Leiter habe unter Druck gestanden, die Zeit für das Einreichen des Konzeptes sei eng gewesen. Es wurde der zweite Schritt vor dem ersten getan. „Die Region ist für mich neu und ich hatte noch keine Erfahrung mit Globig“, sagt sie. Bei Terminen mit Stadt, Urania und Stadtrat werde sie das Gespräch mit allen Beteiligten suchen. Die Kreativwerkstatt hat sich aus dem Projekt bereits verabschiedet.