Güsten/Warmsdorf l Die Risse im Teichgrund machen betroffen. Es sieht aus wie in afrikanischen Dürre-Regionen. Wir befinden uns aber in Mitteldeutschland, am Ratsteich von Güsten. Die Ränzelstecher hatten vor wenigen Jahren – wie viele andere Orte in der Gegend auch – noch mit hohen Grundwasserständen zu kämpfen.

Mathias Bartzsch sieht in der Situation am Ratsteich seines Heimatortes allerdings auch die Gelegenheit, das Gewässer inmitten der Stadt von Unrat zu befreien. „Da kann man durchgehen. Und es liegt soviel Müll drin, den man einsammeln könnte.“ Der Güstener wäre sofort dabei, wenn die Stadt sich dieser Idee anschließen und aktiv werden würde.

Bürgermeister Helmut Zander dazu: „Wir sind dabei, diese Sache zu prüfen.“ Man suche Möglichkeiten, Geld aus dem Haushalt umzuschichten. Eine Entscheidung darüber soll in der nächsten Woche fallen.Und ja, es sei natürlich auch das Vorhaben Entschlammung Siechstalteich noch nicht vergessen. Alles auf einmal ginge aber finanziell nicht umzusetzen, so der Bürgermeister.

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Regenguss reicht nicht für alle

Auf das Sorgenkind der Warmsdorfer angesprochen – hier beobachten Anlieger des Warmsdorfer Teichs an der Hauptverkehrsstraße den täglichen Sinkflug des Pegels – erklärt Zander, dass man den letzten großen Regenguss vor einer Woche dazu genutzt habe, den ersten Teich im Park mit Wasser aus dem Mühlgraben zu füllen. Der Niederschlag habe aber nicht für den zweiten (an der Ortsdurchfahrt) gereicht.

Erich Meier, seine Frau und Nachbarn machen derweil die Fischtreppe am neuen Wipper-Überlaufwehr verantwortlich dafür, dass die Teiche nicht mehr ausreichend mit Wasser gespeist würden. „Wissen denn die Verantwortlichen, wie viele Fische in der Wipper leben und was für Karpfen in unserem Angelteich?“ Die Hände des Ur-Warmsdorfers gehen etwa einen halben Meter auseinander.

Die Ursache der gegenwärtigen Ausnahme-Situation in der Fischtreppe zu suchen, dem widerspricht der Chef des zuständigen Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW). „Wir haben das Wehr mit Fischlauf 2013 in Betrieb genommen. Es gab bislang keine Probleme“, erklärt Burkhard Henning. Er führt das Problem auf die momentane Wasserführung der Wipper zurück.

„Der Durchfluss am Pegel Groß Schierstedt beträgt derzeit 0,22 Kubikmeter pro Sekunde (m3/s). Der durchschnittliche Niedrigwasserabfluss am Pegel Großschierstedt, gemittelt von den Jahren 1961 bis 2013, beträgt 0,640 m3/s. Der in diesem Zeitraum niedrigste Durchflusswert betrug im Jahr 2013 0,352 m3/s. Aufgrund der lang anhaltenden Trockenphase im Einzugsgebiet der Wipper und Eine wurde dieser Wert nochmals erheblich unterschritten. Das heißt, der derzeitige Durchfluss von 0,22 m3/s ist der jemals gemessene niedrigste Durchfluss.“ Das extreme Niedrigwasser sei an zahlreichen Fließgewässern in Sachsen-Anhalt zu beobachten (Elbe, Schwarze Elster ...) Einige wie die Thyra im Südharz sind in Teilabschnitten vollständig ausgetrocknet.

Besonderer Status der Wipper

Planung und Bau des Fischaufstiegs sei im Übrigen mit dem Umweltamt des Salzlandkreises (Wasserbehörde, Naturschutzbehörde) im Zuge der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie abgestimmt und genehmigt worden. „Die Wipper unterliegt einem besonderen Schutzstatus hinsichtlich geschützter Arten wie Groppe, Bachneunauge, Äsche“, so Henning. Die Situation an den Teichen sei in dieser Woche Thema zwischen LHW, Flussbereich Sangerhausen, Wasserbehörde des Salzlandkreises und Bürgermeister der Stadt Güsten Thema gewesen. Aufgrund des naturschutzfachlichen Schutzstatus der Wipper gebe es keine rechtliche Grundlage, dass Wasser vorzugsweise in den Mühlgraben zu leiten und den Wipper-Hauptstrang abschnitts- beziehungsweise zeitweise trockenzulegen.

„Abschließend ist nochmals festzuhalten, dass es sich derzeit um ein Extrem-Ereignis handelt, welches nicht nur landesweit zu beobachten ist. Es gibt rechtlich keine Möglichkeit, den Fischaufstieg abzuriegeln“, unterstreicht der LHW-Chef.